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Erweiterungspläne liegen auf Halde

Müllabfuhrzweckverband Erweiterungspläne liegen auf Halde

Biedenkopf, Breidenbach oder Dautphetal? Ob und wo die Geschäftsstelle des Müllabfuhrzweckverbandes (MZV) künftig ist, entscheidet sich nicht wie vorgesehen in diesem Monat.

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Eine Endstation Mülldeponie soll es für die Erweiterungspläne des Müllabfuhrzweckverbands Biedenkopf nicht geben. Der Vorstand nimmt sich aber die Zeit, die Pläne ohne Druck zu prüfen.

Quelle: Uwe Zucchi

Breidenbach. Abgesagt ist die für den 19. Mai terminierte Versammlung des Müllabfuhrzweckverbands Biedenkopf. Das erklärte am Montag der Vorsitzende der Verbandsversammlung Werner Waßmuth auf Anfrage der OP.

Bei der außerordentlichen Sitzung sollte eine Entscheidung über den künftigen Standort der Geschäftsstelle und die Errichtung eines Wertstoffhofes fallen. Als neuer Termin für diese Beschlüsse steht der 17. Juli als regulärer Verbandstag fest.

„Es gibt noch einiges an Klärungsbedarf, insbesondere hinsichtlich des Wertstoffhofes“, erläutert der Verbandsvorsitzende Peter Pfingst (parteilos) die neuerliche Verzögerung. Schon vor anderthalb Jahren beschloss die Verbandsversammlung die Tätigkeit der Müllentsorgung auf Metall, Elektroschrott oder auch Altkleider auszuweiten. „Alles was Geld bringt“, fasste Pfingst, der in Steffenberg Bürgermeister ist, damals die Absicht zusammen.

Erst zwei, dann drei Standorte im Rennen

Damit verbunden war nicht nur die Einrichtung eines Wertstoffhofes, sondern nach einer Organisationsanalyse auch die personelle und räumliche Vergrößerung der Verwaltung. Die Optionen dazu lauteten Neubau oder einmieten an einem anderen Standort, da die Gemeinde Breidenbach eine Erweiterung des Bürgerhauses im Hausbergweg 1, wo die MZV-Geschäftsstelle untergebracht ist, nicht beabsichtigte.

Nach einer Ausschreibung unter allen Mitgliedsgemeinden waren zwei Standorte im Rennen: ein Gebäudekomplex an der alten Bundesstraße im Biedenkopfer Stadtteil Wallau zum Umbau sowie das Carlshütte-Areal in der Gemeinde Dautphetal unweit der B 62 für einen Neubau.

Dann sprang die Gemeinde Breidenbach Anfang dieses Jahres doch noch auf den Zug auf. Allerdings versah die Gemeindevertretung die vorgesehene Kreditaufnahme in Höhe von 415.000 Euro für die Erweiterung des Gebäudes mit einem Sperrvermerk – weil unklar ist, ob der MZV in Breidenbach bleibt.

Entwicklung überrascht Bürgermeister

Kurz darauf überraschte Pfingst mit der Mitteilung, dass sich der MZV-Vorstand mit knapper Mehrheit für den Verbleib in Breidenbach aussprach und die Verbandsversammlung am 19. Mai darüber entscheiden soll.
Seitdem müssen die Drähte zwischen den Bürgermeisterbüros geglüht haben, setzten sich doch die Bürgermeister für die eine oder andere Lösung ein.

Denn nun begründet Pfingst die Verschiebung damit, dass man sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen will, sondern in der verbleibenden Zeit die Vor- und Nachteile insbesondere hinsichtlich des Standorts des Wertstoffhofes bewerten wolle. Wobei er anfügt, dass dieser in Breidenbach bei der Geschäftsstelle nicht zu bewerkstelligen sei. Außerdem habe die Gemeinde die Mittel gesperrt, man wisse gar nicht, ob erweitert wird oder nicht.

Die neue Entwicklung überraschte am Dienstag Bürgermeister Christoph Felkl (SPD). Man warte auf eine Grundsatzentscheidung des MZV, deshalb gebe es den Sperrvermerk und auch noch keine genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung. Der Gemeinde sei an einer kontinuierlichen Belegung des Gebäudes mit einem solventen Mieter gelegen, schon deshalb hätte man gerne „den Deckel drauf“, sagt Felkl.

Wertstoffhof: zentral oder doch dezentral?

Während Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) die Entwicklung folgendermaßen kommentiert: „Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden“, keimt bei seinem Dautphetaler Amtskollegen wieder Hoffnung auf.

Er halte den Standort Carlshütte als Perspektive für eine mögliche Erweiterung des Verbandes in Richtung Altkreis Marburg weiterhin für hervorragend geeignet, sagt Bernd Schmidt (FW). Zudem würden durch einen Neubau Werte geschaffen, schließlich soll der Verband noch Jahrzehnte erhalten bleiben.

Das sehen nicht unbedingt alle beteiligten 13 Kommunen des Landkreises so. Es gibt auch Überlegungen, ob der MZV mit dem Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg eine Zusammenarbeit anstreben soll, oder ob anstatt eines zentralen Wertstoffhofes nicht drei bis vier kleine, bei den Bauhöfen der Gemeinde angekoppelte Entsorgungsstationen besser wären.

Was wird aus Rücklage und den Müllgebühren?

Auch ist offenbar noch nicht geklärt, was für den Verband hinsichtlich der Geschäftsstelle günstiger ist: Miete mit Umbau eines Gebäudes oder Neubau. Und wenn Neubau, dann in Eigenregie oder über einen Investor? Darüber hatte Pfingst einen Sachstandsbericht zur vorgesehenen Sitzung versprochen.

Bisher ist nur bekannt, dass der MZV über eine vorläufige Kalkulation eines Investors aus dem heimischen Raum verfügt, der Büros und Nebenräume für bis zu 18 Arbeitsplätze auf rund 500 Quadratmeter eine Bausumme von 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Genügt diese Summe den Ansprüchen oder wird es doch mehr werden? Reichen dann die Rücklagen des MZV?

Knapp zwei Millionen Euro sollten es zum vergangenen Jahresende sein, hatte Pfingst angekündigt. Angesammelt wurde das Geld aus höheren Erlösen aus Gebühren und Rohstoffverkäufen als kalkuliert war. Verwendet wurden davon in den vergangenen Jahren je rund 500.000 Euro, um die Gebühren stabil zu halten. Geplant war, dies fortzusetzen, bis die Rücklage aufgebraucht ist.

von Gianfranco Fain

Der Müllabfuhrzweckverband (MZV) Biedenkopf entsorgt im Verbandsgebiet Restmüll aus Haushalten und Kleingewerbe, Altpapier, Bioabfall und Sperrmüll von rund 96.000 Kunden aus den 13 Mitgliedskommunen Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Cölbe, Dautphetal, Fronhausen, Gladenbach, Lahntal, Lohra, Steffenberg, Wetter und Wohratal.
 
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