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Ermittlungsende steht Ende März an

Festnahme-Todesfall Ermittlungsende steht Ende März an

Derzeit ist noch offen, ob es gegen vier Polizisten ein Anklage wegen fahrlässiger Tötung geben wird. Sie waren am 15. April des Vorjahres an einer Festnahme beteiligt, bei der ein 37-jähriger Biedenkopfer starb.

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In diesem Haus in der Dexbacher Straße in Biedenkopf randalierte Mitte April 2014 ein Mann, der später bei seiner Festnahme in Bauchlage erstickte. Gegen die beteiligten vier Polizisten wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt.

Quelle: Tobias Hirsch

Biedenkopf. Die Ermittlungen und Bewertungen des Falles seien noch nicht abgeschlossen, erklärt Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg auf Anfrage der OP. „Das wird Ende März der Fall sein“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. Dann wäre fast ein Jahr vergangen, seitdem ein 37-jähriger Biedenkopfer bei seiner Festnahme erstickte.

Als Begründung für die lange Dauer nennt Sehlbach-Schellenberg, dass ein zusätzliches rechtsmedizinisches Gutachten eingeholt wurde. Wie die OP berichtete, lag dieses Ergänzungsgutachten Mitte Dezember vor.

Verzögerung durch Fristen, Urlaube, Krankheiten

Allerdings seien dann noch den Verfahrensbeteiligten die notwendigen Erklärungsfristen eingeräumt worden, Urlaube und Krankheiten trugen auch ihren Teil zur Dauer bei. Nun soll bis zum Ende des Monats abgewogen werden, ob genügend belastbare Fakten vorhanden sind, um gegen die vier beteiligten Polizisten eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu erheben oder nicht.

Die vier Polizisten waren an der Festnahme beteiligt, bei der ein 37-jähriger Biedenkopfer ums Leben kam. Sie wurden am späten Abend des 15. April zu einem Einsatz gerufen, weil der Mann in einem Mehrfamilienhaus in der Dexbacher Straße in Biedenkopf randalierte. Die herbeigerufenen Polizisten vermochten den Mann aber nicht zu beruhigen und wollten ihn in ein Krankenhaus bringen lassen. Nach einer kurzen Flucht wurde der Mann auf der Straße gefasst. Die Polizisten legten ihm Handschellen an und ­fixierten ihn in Bauchlage.

Weil die Gegenwehr des großen und schweren Mannes nicht nachließ, sollte ihm ein Notarzt ein Beruhigungsmittel verabreichen. Noch bevor dieser eintraf, setzt die Atmung des 37-Jährigen aus. Reanimationsversuche blieben erfolglos, der Notarzt stellt gegen 23 Uhr den Tod des Mannes fest.

Weitere Gutachten in Arbeit

Staatsanwalt Oliver Rust erklärt kurze Zeit nach dem Ereignis, dass der 37-Jährige psychisch krank war, an Verfolgungswahn litt, durch aggressives Verhalten aufgefallen und schon mehrfach zwangsweise in eine Psychiatrie eingewiesen worden war. Da es einen Zusammenhang zwischen der Fixierung des 37-Jährigen und dessen Tod gebe, werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, erklärte Rust. Es sollte die Todesursache geklärt werden - was mittlerweile durch eine Obduktion geschehen ist - und auch, ob die Polizisten erkennen konnten, ob sich der 37-Jährige noch wehre oder sich bereits im Überlebenskampf befand.

Die Obduktion ergab als Ursache des Ablebens einen „lagebedingten Erstickungstod“. Weitere Aufschlüsse sollte eine feingewebliche und toxikologische Untersuchung bringen, zum Beispiel, ob der Tote Medikamente oder Drogen eingenommen hatte.

Schon zuvor hatte Sehlbach-Schellenbergs Vorgängerin Annemarie Petri die lange Dauer mit der Überlastung der Gerichtsmedizin und der Komplexität des Verfahren begründet.

von Gianfranco Fain

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