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Ermittlungen zur Bluttat dauern an

Gewaltschutz Ermittlungen zur Bluttat dauern an

Die am 9. Februar in ihrer Wohnung getötete 27-Jährige hatte im Vorjahr bei Gericht einen vorübergehenden Gewaltschutz gegen ihren Ehemann erwirkt.

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In diesem Haus in der Breidenbacher Bachstraße endete am 9. Februar das Leben einer 27-Jährigen durch die Folgen von 20 Messerstichen.

Quelle: Thorsten Richter

Breidenbach. Rund zweieinhalb Wochen nachdem sich der Tatverdächtige der Polizei in Dortmund stellte, dauern die Ermittlungen noch an. Das erklärt Annemarie Petri, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Marburg, auf Anfrage der OP.

Die einzige neue Erkenntnis, die Petri mitteilt ist, dass die Getötete im Jahr 2013 einen Gewaltschutz-Antrag gegen ihren Ehemann erwirkte. Dieser Antrag wurde im vergangenen Jahr, als das Ehepaar noch nicht im Landkreis wohnte, bei einem auswärtigen Familiengericht gestellt. Die daraufhin erlassene Schutzanordnung war auf drei Monate befristet und ist auch schon im Vorjahr ausgelaufen. Eine Verlängerung wurde offenbar nicht beantragt.

Darüber, was das für das Verfahren bedeuten könnte, macht Staatsanwältin Petri keine Angaben. Der 31-jährige Ehemann steht unter dem Verdacht, seine 27-jährige Ehefrau am Sonntag, 9. Februar, in ihrer Breidenbacher Wohnung durch 20 Messerstiche in Oberkörper und Hals getötet zu haben.

Laut Petri liegt noch keine Äußerung des Verdächtigen zum Tatgeschehen vor. Dieser habe aber nun einen Strafverteidiger, der in Dortmund seinen Sitz hat. Aber auch über diesen sei es noch zu keiner Verlautbarung zur Tat gekommen.

Schutzanordnung wurde nicht verlängert

Keine Neuigkeiten kann Petri auch darüber berichten, ob die Tatwaffe, ein handelsübliches Küchenmesser, dem Verdächtigen zugeordnet wurde und ob ein am Tatort gefundenes Schreiben, das vom Beschuldigten stammen soll, bereits ausgewertet ist. Zu beiden Gegenständen dauere die Arbeit der Ermittler noch an. Zwischenergebnisse werden nicht verbreitet.

Ebenso verhält es sich mit der Rekonstruktion des Fluchtwegs. Der Verdächtige war seit dem Tattag mit einem gelben VW Beetle unterwegs, der einen Tag bevor er sich in einer Dortmunder Anwaltskanzlei stellte, in einem Pariser Vorort entdeckt wurde. Wohnungsdurchsuchungen im offensichtlichen Bekanntenkreis des Verdächtigen blieben aber erfolglos.

Gewaltschutz
  • Das Thema Gewaltschutz erklärte Annemarie Petri, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, der Oberhessischen Presse. Das „Gesetz zur Verbesserung des zivilgerichtlichen Schutzes bei Gewalttaten und Nachstellungen sowie zur Erleichterung der Überlassung der Ehewohnung bei Trennung“ trat am 1. Januar 2002 in Kraft. Es umfasst Kontakt-, Näherungs- und Belästigungsverbote bei vorsätzlich erfolgten oder angedrohten Verletzungen von Körper, Gesundheit oder Freiheit eines Menschen.
  • Das Gesetz ist so angelegt, dass die Opfer schnell und einfach zu ihrem Recht kommen können. Zudem hat die Polizei die Befugnis, einen Gewalttäter aus der Wohnung zu verweisen. Dies soll die Schutzlücke bis zur Beantragung einer Anordnung beim Familiengericht schließen.
  • Bei Verstößen gegen die Verbote sieht das Gesetz Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor.
  • Einen Antrag auf Gewaltschutz kann jeder beim Familiengericht stellen. Die Antragsteller müssen Misshandlungen, Bedrohungen oder Belästigungen glaubhaft machen. Hilfreich dazu sind Atteste, Fotos von Verletzungen, das polizeiliche Protokoll einer Wegweisung, Zeugenaussagen oder auch eine eidesstattliche Versicherung. Zur genauen Begründung sollten die Erinnerungen an Beleidigungen, Bedrohungen oder Angriffe aufgeschrieben werden, was schon vor dem Einschalten der Justiz erfolgen sollte.
  • Die Schutzanordnungen und Wohnungszuweisungen sind meistens auf sechs Monate befristet, können aber auf Antrag vor Fristablauf verlängert werden.

von Gianfranco Fain

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