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Erinnerung an Schicksale

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht Erinnerung an Schicksale

Am Dienstag gedachte der Arbeitskreis für
 Menschenrecht und
 Menschenwürde Lohra mit einer Gedenkfeier zur Reichspogromnacht der deportierten und ermordeten Juden.

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Der Posaunenchor Lohra spielte bei der Gedenkfeier des Arbeitskreises für Menschenrecht und Menschenwürde.

Quelle: Anita Ruprecht

Lohra. Elfriede Köhler, Vorsitzende des Arbeitskreises, begrüßte die gut 40 Gäste, die zur Gedenkfeier in die Friedhofskapelle gekommen waren.

Sie erinnerte an die vielen Flüchtlingsschicksale, die sich auch heute noch und vor aller Augen abspielen. Auf der Gedenktafel stehen 16 Namen von ehemals Lohraer jüdischen Bürgern. Ein weiterer 17-jähriger junger Mann sei damals gegen den Willen seiner Mutter geflohen, erzählte Köhler. Es werde schon nicht so schlimm werden, hatte seine Mutter gesagt.

Nach einer mehr als zehnjährigen Odyssee sei er schließlich in der Schweiz heimisch geworden. Köhler hatte ihn Ende der 1980er-Jahre in Basel getroffen. Er habe als ­alter Mann noch immer unter Schuldgefühlen gelitten, weil er damals Mutter und Schwester verlassen hatte, sagte Köhler.

Markus Hemberger, Gemeindevertreter für die SPD-Fraktion und Schulleiter der Grundschule, sprach für die politische Gemeinde. Mehr als 70 Jahre nach dem Krieg gebe es immer weniger Zeitzeugen. „Heute ist es an uns, gegen das Vergessen zu wirken und uns für Menschen einzusetzen wo Unrecht geschehe, unabhängig von Hautfarbe oder Religion“, sagte er.

Südafrikaner bekennt: Dachte, Apartheid sei gottgegeben

Rolf Held, Pastor der evangelisch-methodistischen Gemeinde, sprach als Vertreter der Kirchen. Er wurde in Südafrika­ geboren und kam 1975 mit 18 Jahren nach Deutschland. Er habe am eigenen Leib erfahren, was Indoktrination bei Menschen bewirken könne.

Als 18-Jähriger sei er überzeugt gewesen, dass die Herrschaft der Weißen über die Schwarzen in Südafrika gottgegeben sei. Aus dieser Erfahrung heraus habe er später ein feines Gespür für Unrecht gegenüber Menschen entwickelt, und er setze sich heute bewusst für Flüchtlinge und Migranten ein.

Dr. Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg und Mitglied des Arbeitskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit, sang das jüdische Kadisch (Lob Gottes) in aramäischer Sprache und formulierte ein Gebet für alle Menschen, die in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet wurden.

Im Anschluss überreichte Köhler Orbach ein Geschenk, der bereits zum 25. Mal zur Gedenkfeier des Arbeitskreises für Menschenrecht und Menschenwürde nach Lohra gekommen war. Der Arbeitskreis organisiert die Gedenkfeiern genauso lang: seit 25 Jahren. Und Orbach versäumte keine Teilnahme.

Nach der Feierstunde in der Friedhofskapelle gingen die Teilnehmer der Veranstaltung zu den Klängen des Posaunenchors Lohra unter Leitung von Heinrich Böth zu der Gedenkstätte auf dem Friedhof, an der Elfriede Köhler schon vor ­Beginn der Gedenkfeier zum Andenken ein Gesteck niedergelegt hatte.

von Anita Ruprecht

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Erika Gerhardt vom Arbeitskreis Menschenrechte und Menschen­würde aus Lohra erzählte zum Gedenken an die Reichspogromnacht in der Synagogengemeinde in Roth vom Schicksal der Familie Nathan.

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Bei der Besinnungsstunde zum Gedenken an die Reichspogromnacht harrten trotz anhaltenden Regens zahlreiche Menschen am Garten des Gedenkens aus. Foto: Michael Hoffsteter.

Bereits traditionsgemäß fand die Besinnungsstunde an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 am Mittwochabend wieder am Garten des Gedenkens in der Universitätsstraße statt.

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