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„Erfolg hängt oft von der Tagesform ab“

Im Interview: Jan-Patrick Wallentin „Erfolg hängt oft von der Tagesform ab“

Jan-Patrick Wallentin saß mit sieben Jahren das
erste Mal am Schlagzeug. Mit 24 Jahren ist er in
einem renommierten Wettbewerb der 
Zweitbeste.

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Schlagzeuger Jan-Patrick Wallentin beschäftigt sich an sieben Tagen pro Woche mit Musik. Doch kann er noch nicht leben.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Breidenstein. Jan-Patrick Wallentin ist auffällig ohne auffallend sein. Er ist 24 Jahre alt, kommt aus dem Biedenkopfer Ortsteil Breidenstein und ist Musiker, besser gesagt ein Drummer. Schon Bela B. von den Ärzten, die sich selbst als die „beste Band der Welt“ bezeichnet, interpretierte mit dem Lied „Weil ich Schlagzeuger bin“ ein Hommage an sich selbst.

Der Passus „für das bisschen Bumbum kommt 'ne Menge bei rum“ passt natürlich ganz und gar nicht auf den smarten Schwiegermutter-Typ, denn der 24-jährige Wallentin arbeitet im Marketing, um sich sein Studium zu finanzieren. Und ganz nebenbei spielt er in zwei Bands und betreibt ein Musiklabel.

Der Breidensteiner studiert an der Philipps-Universität Germanistik und Musikwissenschaft und kann sich noch nicht darauf verlassen, dass „was Großes“ aus seiner Liebe zum Schlagzeugspielen wird. So lange das so ist, sichert er sich ab – mit einem doppelten Boden. Seine Musik nur als Hobby zu bezeichnen, wäre aber der falsche Ansatz. An sieben Tagen in der Woche hat Wallentin mit Musik zu tun. Sie bestimmt einen Großteil seines Leben. Seine Ausdauer wurde kürzlich mit einer Auszeichnung honoriert. Grund genug für die OP, mit dem Musiker ein Interview zu führen.

Die Frage, ob es ihm recht ist, dass ich ihn duze, beantwortet der Breidensteiner ohne Umschweife mit „na klar“. Und auch als das Diktiergerät mehrfach seinen Dienst versagt, bleibt Jan-Patrick Walletin total entspannt und stellt sich auf die Situation ein.

Auszeichnung „ist toll“

OP : Du hast beim Deutschen Rock & Pop Preis 2015 in der Kategorie „Bester Schlagzeuger“ den 2. Platz belegt. Was bedeutet dir die Auszeichnung?

Jan-Patrick Wallentin : Eine Auszeichnung macht einen immer stolz. Für einen selbst ist es schön zu sehen, wo man steht, wenn man von so zahlreichen Jurymitgliedern – Menschen, die im Musikbereich tätig sind, professionellen Musikern – auf den 2. Platz gewählt wird, das ist natürlich toll. Es gibt Kategorien, bei denen Musiker live auftreten auf einer großen Bühne, im letzten Jahr in Siegen.

Und dann gibt es Kategorien, wie in meinem Fall, bei denen man eine Bewerbung mit einer CD einreichen muss. Ich habe mich mit einem Song von Hanna Mödder, die bei der vergangenen Staffel von „The Voice of Germany“ mitgemacht hat, den wir gemeinsam aufgenommen haben, beworben. Dass ich den Song eingeschickt habe, weiß Hanna noch gar nicht. Kleine Überraschung!

OP : Hast du vorher schon mal mitgemacht bei dem Wettbewerb?

Wallentin : Vergangenes Jahr habe ich mit unserem Plattenlabel „Triumphton Records“ den ersten Platz in der Kategorie „Bestes kreatives Independent-Label“ erreicht und ich habe im Jahr 2011 bereits in der Kategorie „Bester Schlagzeuger“ mitgemacht.

OP : Was bringen dir Auszeichnungen für deine berufliche Zukunft?

Wallentin : Eine Auszeichnung ist immer eine gut Referenz. Ebenso hilft es immer, Erfahrungen zu sammeln. Diese sammelt man natürlich auch bei solchen Preisverleihungen.

Ausgleich zu Studium und Beruf

OP : Ist die Musik für dich mehr als ein Hobby?

Wallentin : Die Musik nimmt einen großen Teil meines Lebens ein. Sieben Tage in der Woche habe ich mit Musik zu tun. Es ist für mich ein schöner Ausgleich zu Studium und Beruf.

OP : Kannst du davon leben?

Wallentin : Nein. Die Einnahmen reichen nicht, um mein Leben zu finanzieren. Für hauptberufliche Musiker ist es schwer, über die Runden zu kommen, schließlich wird leider immer mehr an der Kultur gespart. Das sieht man auch daran, dass viele gern Livemusik hören, sie die Konzertkarten aber möglichst günstig kaufen wollen. Darunter leiden die Musikschaffenden.

OP : Wie oft stehst du auf der Bühne?

Wallentin : Mit der Band „Sixpash“ aus Hadamar/Limburg hatte ich in diesem Jahr rund 30 Auftritte, mit „Silent Seven“ weniger, da unsere Sängerin Johanna Brachthäuser im Februar ihr erstes Kind bekommen hat.

OP : Hast du Fans?

Wallentin : Wir geben mit 
„Silent Seven“ schon mal Menschen Autogramme, die von unserem Konzert begeistert waren. Viele trauen sich nicht, einen Musiker anzusprechen, dabei sind wir super bodenständig. Die Distanz zur Bühne zwischen dem Publikum und den Musikern bildet offenbar eine natürliche Barriere.

Kein bestimmtes Vorbild

OP : Hast du ein musikalisches Vorbild?

Wallentin : Ich habe zwar Bands und vor allem Schlagzeuger, die ich oft über das Internet verfolge und von denen man sich viel abschauen kann, aber ein bestimmtes Vorbild eher nicht, nein.

OP : Du hast mit der Band „Silent Seven“ in der Biedenkopfer Stadtkirche Benefizkonzerte gegeben, warum?

Wallentin : 2010 und 2011 haben wir das Projekt „Fans helfen“ der Band „Silbermond“ unterstützt, 2013 das „Clearwater-Project“, dessen Botschafter Rea Garvey ist. Soziale Projekte zu fördern lag uns schon immer am Herzen und ist wichtig!

OP : Dann hast du die Musiker persönlich getroffen?

Wallentin : Ja. Von „Silbermond“ sind wir zu einem Unplugged-Konzert in deren Heimatstadt Bautzen eingeladen worden. Die Bandmitglieder sind super nett und haben sich lange mit uns unterhalten. Rea Garvey haben wird bei einem Konzert in Halle/Westfalen die Spende übergeben. Es sind ganz normale Menschen, die nur mehr in der Öffentlichkeit stehen. Man kann mit ihnen genauso sprechen wie mit Freunden – natürlich haben sie meistens wenig Zeit.

OP : Hast du dich davon überzeugen können, dass mit dem Geld Gutes getan wird?

Wallentin: Wir haben uns die Spendenprojekte genau ausgesucht. Die Künstler fahren oft zu ihren Projekten, die sie unterstützen. Kürzlich wurde Rea sogar ausgezeichnet für sein Projekt. Er erhielt den Bambi in der Kategorie „Unsere Erde“.

OP : Welche bekannten Musiker hast du noch getroffen?

Wallentin : Joris kürzlich in Köln. Ein Foto mit ihm und meiner Freundin hängt nun zu Hause. Und Bosse, allerdings war das ein totaler Zufall. Bei einem Konzert traf ich seinen Schlagzeuger, und wir kamen ins Gespräch über Drumsticks – wir haben zufällig denselben Sponsor. Das ist jetzt drei Jahre her, seitdem habe ich öfter Kontakt zu ihm. Hauptsächlich tauschen wir uns über Schlagzeug-Themen aus. Das finden andere dann unglaublich langweilig.

OP : Wünschst du dir ein Leben im Rampenlicht oder stehst du lieber in der zweiten Reihe – zum Beispiel mit deinem Label 
„Triumphton Records“?

Wallentin : Das Livespielen vor Publikum ist natürlich für jeden Musiker das Größte. Aber Musiker zu sein, ist auch oft anders, als das Außenstehende wahrnehmen, die nur das Schöne sehen. Mit Musik sein Geld zu verdienen, ist ein harter Job. Es ist organisatorisch eine Herausforderung. Es gibt Zeiten, in denen gibt es viel zu tun, und andere, in denen man sich durchlavieren muss.

In einem festen Job ist das anders. Dann geht man vielleicht von 8 bis 17 Uhr an die Arbeit, danach hat man Freizeit. Musiker kommen hingegen oft nach Konzerten erst spät nach Hause, sind viel unterwegs. Es ist ein stressiger Job. Trotzdem bin ich immer mit dem Herzen dabei. Den Stress zu bewältigen gelingt einem leicht, wenn die Musik eben die größte Leidenschaft ist.

OP : Du hast noch nicht gesagt, ob du gern im Rampenlicht stehst?

Wallentin : Ich mache mir keinen Stress. Allerdings, wenn alle Faktoren stimmen, dann würde ich auch hauptberuflich Musik machen. Aber momentan bin ich sehr zufrieden mit meinem Job und mit meinem Studium. Ich habe tolle Arbeitskollegen, bei denen es mir gut geht. Es ist also kein Beinbruch, wenn es so bleibt und ich nicht von der Musik allein leben kann. Wer davon leben will, der muss schon total verbissen sein und alles auf eine Karte setzen, sonst klappt es nicht. Ich bin eigentlich ein absoluter Liebhaber von Struktur, aber in der Musik nicht. Der Weg, der zum Erfolg führt, hängt auch oft vom Gefühlsleben und der Tagesform ab.

Freizeit im Stadion

OP : Was machst du, wenn du nicht am Schlagzeug sitzt?

Wallentin : Ich gehe gern zu Konzerten oder schleppe meine Freundin mit ins Fußballstadion. Ich bin Fan von Hannover 96. Ich wurde Fan, weil die familiäre Seite meines Vaters aus Hannover stammt. Falls ich mal nichts mit Musik mache oder im Fußballstadion sitze, bin ich gern mit der Familie zusammen. Für 2016 sind schon wieder viele Termine geblockt. 30 bis 40 Bandauftritte stehen schon fest.

Live sehen werde ich auch wieder Udo Lindenberg. Ich kenne zwar nicht viele, die in meinem Alter seine Lieder hören, aber ich finde es wahnsinnig gut, dass der Typ in seinem Alter das Publikum noch richtig mitreißt – und das bei dem Lebensstil. Wenn einer die Musik lebt, dann ist es Udo Lindenberg. Von ihm bin ich mehr als beeindruckt!

OP : Wie bist du zum Schlagzeug gekommen?

Wallentin : Angefangen habe ich als ich sieben Jahre alt war. Meine Mutter hatte mich vorher mit zum Flötenunterricht genommen. Das fand ich damals super ätzend. Aber für Trommeln habe ich mich immer interessiert. Die ersten Jahre habe ich Unterricht genommen, dann habe ich damit aufgehört. Erst vor drei Jahren habe ich wieder angefangen, Unterricht zu nehmen. Mein Lehrer ist echter Profi, hat bereits für einige große Künstler gespielt, und er kann mir einige Erfahrungen weitergeben!

OP : Hat du für deine Auszeichnung schon einen Platz gefunden?

Wallentin : Ich muss noch einen Bilderrahmen kaufen. Noch liegt die Urkunde im Umschlag. Sobald ich im Februar umgezogen bin, hänge ich sie in mein Büro.
Die OP bedankt sich bei Jan-Patrick Wallentin für das freundliche Gespräch.

von Silke Pfeifer-Sternke

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