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„Erfahren, dass ich nicht die Einzige war“

Landgericht: Kindesmissbrauch „Erfahren, dass ich nicht die Einzige war“

Mit den Aussagen zu den verjährten Taten will sich das Gericht einen Überblick verschaffen.

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Eine 23-Jährige beschuldigt ihren Vater, sie im Alter von 12 Jahren mehrmals sexuell missbraucht zu haben.

Quelle: Ambrozinio

Marburg. Vor dem Marburger Landgericht berichtete eine weitere Verwandte von einem 56-Jährigen aus einer Südkreisgemeinde, als Kind missbraucht worden zu sein. Angeklagt ist der 56-Jährige wegen Missbrauchs seiner damals 12-jährigen Tochter (die OP berichtete von den vorherigen Verhandlungsterminen). Mutmaßliche Übergriffe auf seinen Sohn, die Cousine seiner Ehefrau, die jetzt aussagte, und zu Lasten seiner Stiefschwester sind verjährt.

Letztere bezichtigt den Angeklagten auch exhibitionistischer Handlungen, die neben dem Besitz von kinderpornografischen Darstellungen ebenfalls in der Anklageschrift berücksichtigt sind. Trotz der Verjährung dieser Taten befragt das Gericht die Zeugen zu den frühen Vorfällen, wenn auch nicht im Detail, so doch, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Wie der Vorsitzende der Jugendschutzkammer, Richter Dr. Thomas Wolf, hervorhob, gehe es dabei auch um mögliche Auswirkungen der Schilderungen der weiteren Familienmitglieder auf die Aussagen der Tochter.
Wie die OP berichtete, soll zur Glaubwürdigkeit der heute 23-Jährigen bis August ein Gutachten erstellt werden. Vor Gericht hatte sie ihre Vorwürfe bekräftigt, sprach aber auch von Träumen, weshalb im Raum steht, sie könnte das Geschilderte nicht wirklich erlebt haben. Bei der Polizei hatte die ­39-jährige Zeugin von massiven sexuellen Übergriffen im ­
Alter von fünf bis zwölf Jahren berichtet.

"Das andere wollte ich gar nicht hören"

Einer schriftlichen Einlassung gemäß, hat sie mit dem Mann auch Pornofilme gesehen und dann nachgespielt. Vor Gericht betonte sie, „er hat immer wieder gesagt, das ist normal, wenn man sich lieb hat“.  Irgendwann habe es aufgehört und sie habe die Sache verdrängt, zumal sei sie davon ausgegangen, dass sie wegen des engen Verhältnisses zu der „Ersatzfamilie“ die einzige Betroffene gewesen sei.

Den Kontakt beendet habe sie nach einem Vorfall bei einem Familienfest, als der Angeklagte ihre kleine Tochter in sein Auto locken wollte. „Bei mir hat er auch während der Fahrt sein Ding ausgepackt und ich sollte es anfassen.“ Danach habe sie in mehreren Gesprächen, unter anderem mit der Tochter, erfahren, „dass ich nicht die Einzige war“. Über Details sei aber nie gesprochen worden.

„Ich wusste, was mir passiert ist, das andere wollte ich gar nicht hören.“ Mitarbeiter des Opfervereins „Weißer Ring“, zu denen alle vier Kontakt aufnahmen, hätten betont, dass, wenn die Vorwürfe stimmten, der Mann sicher nicht aufhöre, deshalb die gemeinsame Anzeige Ende 2012, so die Zeugin. Die Verteidigung zeigte sich verwundert, dass der 56-Jährige trotz der geschilderten Vorfälle Patenonkel der ältesten Tochter der Zeugin ist.

Eigentlich hätte es dessen Frau werden sollen, betonte deren Cousine. Die habe aber gewollt, dass es der Mann wird.

Der Prozess wird am Dienstag, 23. Juni, fortgesetzt.

von Heiko Krause

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„Habe eine völlig gestörte Gefühlswelt“

Die Verteidiger rügten erneut die Besetzung des Gerichts mit zwei Schöffen und nur zwei Berufsrichtern. Die Kammer wies auf die Möglichkeit der Revision hin.

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