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Erddeponie wird zum grünen Wall

Renaturierung Erddeponie wird zum grünen Wall

Die Betriebsgenehmigungen für die Erddeponien bei Rüchenbach sinda bgelaufen. Sie werden aber aus verschiedenen Gründen weiter betrieben. Im Herbst sollen sie renaturiert werden.

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Im vorderen Teil der Deponie wird bereits Oberboden aufgefüllt. Ein halbes Jahr werden die Arbeiten noch dauern.Fotos: Berge

Die Deponien in der Gemarkung Rüchenbach bieten seit ihrem Bestehen reichlich Diskussionsstoff. Nicht zuletzt weil insbesondere im Dorf, aber auch unter den Gladenbacher Stadtpolitikern Unkenntnis über den aktuellen Stand der Genehmigungen und weiteren Planungen herrscht, gab es gestern morgen einen gemeinsamen Termin mit Vertretern der Stadt, Ortsvorsteher Michael Rorbach und Klaus Barth, dem Betreiber einer der beiden Deponien.

Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim erinnerte daran, dass der Landkreis für das Erteilen und Überwachen zuständig sei. Der Rathauschef klärte auf, dass auf diesen Deponien nicht nur Erde aus Gladenbach gelagert werde. Das sei auch nicht Grundlage der Genehmigung gewesen. Die Unternehmen seien auf größerem Gebiet tätig.

Er sei dafür verantwortlich, dass die Renaturierung noch nicht erledigt sei, sagte Klaus Barth und erklärte den Zeitverzug damit, dass er den Sportplatz in Gladenbach gebaut habe. Dort waren gewaltige Erdauffüllungen nötig, bis mit dem eigentlichen Sportplatzbau begonnen werden konnte. 40000 Kubikmeter Erde mussten dort aufgefüllt und verdichtet werden. Vor fast auf den Tag genau zwei Jahren, als die Arbeiten voll im Gange waren, hatte Klaus Barth im Gespräch mit der OP angedeutet, dass er sich zeitlich in einer Zwickmühle befinde. Das hat sich inzwischen bestätigt.

„Wir fangen jetzt an, die Flächen aufzubauen“, kündigte er an. Die oberste Schicht werde in eine Anlage geworfen, um den einen oder anderen Betonbrocken auszusieben, dieses Material werde gebrochen, um es wieder zu verwenden. Dann werde nach und nach - Oberboden - bepflanzbare Erde aufgetragen, die Böschungen auf die nötige Neigung gezogen.

„Es dauert aber sicher noch ein halbes Jahr, bis wir hier fertig sind“, kündigte er an. Gepflanzt werde dann frühestens im Herbst.

Erste Genehmigungvor 26 Jahren erteilt

Merklich ruhiger als noch vor Jahren ging bereits die vorletzte Fristverlängerung für den Betrieb der an der Bundesstraße 255 gelegenen Deponien vonstatten.

Als Genehmigungsbehörde hatte der Landkreis Marburg-Biedenkopf Ende 2008 die Stadt Gladenbach um eine Stellungnahme zum Antrag der beiden Firmen gebeten. Der Magistrat holte sich zunächst den Rat des Ortsbeirates Rüchenbach ein, der mit dem Thema Erddeponien bestens vertraut ist. Das Gremium äußerte seine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung um weitere fünf Jahre. Während eines Ortstermins Anfang Dezember 2008 sprachen die Ortsbeiratsmitglieder mit Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim und Bauamtsleiter Ulrich Weber über eine Verkürzung des Verlängerungszeitraums.

Der Ortsbeirat erwartete, dass die Deponiebetreiber die in den Genehmigungen festgelegten Auflagen über „Höhe, Böschungswinkel und Renaturierung“ tatsächlich nachkommen. Der Ortsbeirat regt an, dass mit der Renaturierung der Flächen „möglichst frühzeitig begonnen wird“. Damit solle der Bevölkerung signalisiert werden, dass die Betreiber bestrebt sind, die Deponien schnellstmöglich in dem geforderten Zustand zu schließen. Das Gremium sprach sich dafür aus, dass in der Genehmigung für die Deponie Michel, wie bereits für die Deponie Barth, eine Begrünung vorgeschrieben wird. Und er empfahl, für zehn Jahre die Pflege der Flächen vorzuschreiben, um eventuellen Samenflug von unerwünschten Pflanzen (Unkräutern) zu verhindern.

Ginge es nach dem damaligen Ansinnen des Ortsbeirats, dann hätten die Firmen zur Sicherstellung der Renaturierung eine Kaution hinterlegen müssen. Der Ortsbeirat regte darüber hinaus an, die Deponien nach ihrer Stilllegung mit ganzjährig grünen Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen.

Zudem müsse der Zufahrtsweg zu den Deponien in einen ordentlichen Zustand gebracht werden. Unter diesen Vorgaben stimmte der Ortsbeirat „einer letztmaligen Verlängerung der Frist“ bis zum 31. Dezember 2012 zu. Ende 2009 gab auch der Magistrat - unter entsprechenden Auflagen und im Einvernehmen mit den Firmen - eine positive Stellungnahme zu den Anträgen ab. Der Landkreis hatte 2005 der Firma Barth für „geplante Aufschüttungen in der Gemarkung Rüchenbach“ die Betriebsgenehmigung erteilt.

Diese Genehmigung galt für die Erddeponie der nicht mehr existierenden Firma Weigand und auch für eine bestehende Deponie der Firma Barth. Die Firma hatte das Weigand-Gelände erworben. Der Landkreis hatte 2003 die Genehmigung der Firma Michel zur Errichtung von „Aufschüttungen und Abgrabungen“ auf Antrag des Unternehmens ebenfalls bis zum 31. Oktober 2008 verlängert. Dem längst nicht mehr existierenden Erdhäuser Unternehmen Weigand war mit Baugenehmigung von 1988 der Betrieb einer „Entnahme- und Lagerstätte für Böden“ in der Rüchenbacher Gemarkung erlaubt worden.

Firma Barth erwarb Weigand-Gelände

Die Baugenehmigung war zwar nicht befristet, aber mit Auflagen verbunden. So müssen nach Abschluss der Auffüllung bis zu einem bestimmten Niveau die Grundstücke wieder in eine landwirtschaftliche Nutzung zurückgeführt werden. Der zu Beginn entfernte Mutterboden muss ordnungsgemäß, in ausreichender Dicke, aufgebracht werden. Nach Intervention der Stadt und einer Ortsbesichtigung der Bauaufsicht kamen die Verantwortlichen 2003 zum Ergebnis, dass die Erd-Entnahme abgeschlossen sei, und so viel Bodenmaterial auf dem Gelände lagere, dass mit der Wiederherstellung der ursprünglichen Bodenverhältnisse begonnen werden könnte. Die Geltungsdauer der Baugenehmigung war damit ausgeschöpft.

Die Firma Weigand gab es aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Im Zweifelsfall hätte die Stadt die hoch aufgefüllte Deponie auf das vertraglich geforderte Geländeniveau zurückführen müssen. Nur der neue Betreiber konnte gewährleisten, dass die Deponie nach Ablauf der Genehmigung wieder auf das geforderte Maß zurückgebaut wird. Deshalb stimmte der Magistrat damals einer Betriebsverlängerung der „Weigand-Deponie“ zu, forderte aber, dass alle drei Deponien 2008 wieder renaturiert werden.

Renaturierung erfolgt in Absprache mit Forstamt

Nach der Verlängerung aus dem Jahr 2008 hätte die Renaturierung bis Ende 2012 abgeschlossen sein müssen. Auf Anfrage der OP teilte die Kreisverwaltung im Dezember 2012 mit, dass einem neuerlichen Antrag auf Betriebsverlängerung stattgegeben worden sei. Bis Frühjahr 2013 müsse die Deponie nach einem festgelegten Pflanzplan rekultiviert sein, hieß es. Weil im vergangenen Jahr von Renaturierungsarbeiten nichts zu sehen war, vielmehr weiterhin Erde auf die besagten Deponien gelagert wurde, richtete der Stadtverordnete Peter Kremer (SPD) eine Anfrage an den Magistrat. Er wollte unter anderem wissen, wann zuletzt Verlängerungen ausgesprochen wurden und neue Anträge gestellt wurden.

Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim teilte in seiner schriftlichen Antwort mit, dass nach den zuletzt erteilten Verlängerungen der Deponiegenehmigung keine neuen Verlängerungen beantragt worden seien. Beide Deponien müssten nach Ablauf der Genehmigungen nicht in den ursprünglichen Zustand zurückgebaut aber rekultiviert werden. Das bekräftigte im November 2013 auch Markus Morr, Pressesprecher der Kreisverwaltung auf erneute Anfrage der OP. Die Rekultivierung erfolge unter anderem in Absprache mit dem Forstamt Biedenkopf, sagte er.

von Hartmut Berge

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