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Endbach sagt teuren Wiesenkauf ab

Windpark Hilsberg Endbach sagt teuren Wiesenkauf ab

Die Gemeinde Bad Endbach hätte eine rund 850 Quadratmeter große Wiese am Fuße des Hilsbergs teuer bezahlen müssen, um den Weg zur Baustelle der Windkraftanlagen doch noch zu verbreitern, wie Standortgegner argwöhnen. Gestern Abend verweigerte der Gemeindevorstand seine Zustimmung zum 30000-Euro-Geschäft.

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Seit Donnerstag wurde der Zufahrtsweg zur Hilsberg-Baustelle um gut 2 Meter verbreitert und befestigt. Dazu hat die Gemeinde das Grundstück im Innenkreis der Kurve gekauft. Das Grundstück am Bachlauf rechts vor der Kurve (helle Fläche) sollte von der Gemeinde Steffenberg erstanden werden. Die verlangte dafür 30000 Euro.

Quelle: Gianfranco Fain

Bad Endbach. Dass die Gemeinde Bad Endbach und die Standortgegner alle erlaubten Mitteln einsetzen, um ihre Ziele rund um den Bau des Windparks am Hilsberg zu erreichen, ist Eingeweihten bekannt. Manchmal kommt es aber auch zu Konstellationen, die einer Dreiecksgeschichte gleichen, bei der es am Ende einen fröhlichen, einen erleichterten und einen bedröppelten Beteiligten gibt.

Manchmal wechselt das Glück aber auch überraschend die Seiten, zum Beispiel wenn der Gemeindevorstand Bad Endbachs beschließt, einen in die Wege geleiteten Grundstückskauf doch nicht zu vollziehen. Das geschah gestern Abend vor der Gemeindevertretersitzung, während der Bürgermeister Markus Schäfer den Entschluss verkündete. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sich der Steffenberger Bürgermeister fröhlich die Hände reiben, stand doch ein nicht alltägliches Geschäft in Aussicht, das Peter Pfingst angesichts der klammen Gemeindekasse jedoch „als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnete“. Der Gemeinde lag nämlich ein Angebot der Nachbarkommune Bad Endbach vor, die für 30000 Euro eine rund 875 Quadratmeter große, sumpfige Wiese kaufen wollte, deren Bodenrichtwert etwa bei 85 Cent pro Quadratmeter liegt. Über den Verkauf sollte die Steffenberger Gemeindevertretung am Donnerstag entscheiden.

Das Angebot hatte eine Vorgeschichte, die in der Steffenberger Beschlussvorlage zu lesen ist: Am 3. Februar bot Bad Endbach an, für 744 Euro das Grundstück, Flur 12, Flurstück 159, sofort zu kaufen. Da dies allerdings erst vom Parlament genehmigt werden müsse, schlug der Gemeindevorstand Steffenbergs vor, den Boden zum Preis von 744 Euro auf 3 Jahre zu verpachten.

Preis für Grundstück steigt von 744 auf 30000 Euro

Danach passierte erstmal nichts, bis sich am 18. Februar die Bürgerinitiative Holzhausen (BI) meldete, um das Grundstück zu pachten. Da die Gemeinde Bad Endbach nichts mehr von sich hören ließ, vergab der Gemeindevorstand das Grundstück für vier Jahre für eine Pacht von 850 Euro pro Jahr an die BI.

Am 4. März meldete sich wieder die Gemeinde Bad Endbach mit dem Angebot, dass Grundstück für 10000 Euro zu kaufen. In Nachverhandlungen, so die Beschlussvorlage, wurde der Preis auf 30000 Euro festgelegt. Das sei das Ergebnis der Verhandlungen mit Bad Endbach, bestätigt Pfingst, der den Preis aufgrund der Begehrlichkeit für angemessen hält.

Schäfer bezeichnet diesen dagegen gestern gegenüber der OP als einen, der „das Übliche zwischen Gemeinden überschreitet“. Steffenberg habe sogar 50000 Euro gefordert, erklärte er am Abend den Gemeindevertretern. Es sei nur verhandelt worden, da man nicht sicher war, ob man das Grundstück als Zwischenlagerplatz benötige. Da der Preis aber völlig überhöht sei, und das Grundstück durch den Pachtvertrag mit der BI für die Nutzung blockiert ist, werde nun auf den Kauf verzichtet.

Kauf um jeden Preis zur Anfahrts-Verbreiterung?

Überflüssig ist der Kauf auch dadurch geworden, dass die Gemeinde Bad Endbach sich zwischenzeitlich mit der Grundstücksbesitzerin einer gegenüberliegenden Parzelle handelseinig wurde. Ab Donnerstag ließ die Gemeinde Bad Endbach dort gleich den Radius der Zufahrtskurven vergrößern. Mittlerweile ist der Zufahrtsweg um gut 2 Meter verbreitert und befestigt. Dies diene auch dazu, um mit den Betonmischern zu testen, ob der Weg die Belastungen der Schwertransporte mit den Windradteilen aushalte, erklärt Bauamtsleiter Thomas Reuter.

Etwas enttäuscht sind dagegen einige Standortgegner, die im Glauben waren, Pächter der von der Gemeinde gekauften kleinen Parzelle zu sein. Somit zerplatzte ihr Traum, die Anlieferung der Windradteile verhindern zu können. Sie vermuteten, dass die Gemeinde Bad Endbach mit dem Bau des Windparks begonnen hat, ohne sich die Wegerechte zu sichern, und deshalb das von der BI gepachtete Grundstück um jeden Preis kaufen zu müssen.

Andere Lösung für Windrad-Lager gefunden

Das wertet Bürgermeister Markus Schäfer als „Versuch der Stimmungsmache“. Er betont: Die Flächen sollte zur Lagerung der Windräder dienen. Diese sollen nämlich sofort nach Fertigstellung im Enercon-Werk nach Bad Endbach transportiert werden. Damit, so Schäfer, mache sich die Gemeinde unabhängig von den Situationen auf den Anlieferwegen und die Windräder könnten sofort aufgestellt werden, wenn die Fundamente tragfähig sind. „Das wird uns helfen, den Windpark planmäßig zu errichten“, sagt Schäfer. Nun sei eine andere Lösung gefunden worden, fügte er an, ohne diese näher zu benennen.

Von Gianfranco Fain

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