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Elmshäuser äußern ihre Skepsis

Flüchtlingsunterkunft Elmshäuser äußern ihre Skepsis

Bis zu 30 Flüchtlinge könnten ab Dezember vom Kreis im ehemaligen Landgasthof Freund untergebracht werden. Um mehr zu erfahren, kamen 85 Elmshäuser zum Informationsabend ins Dorfgemeinschaftshaus.

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Der ehemalige Landgasthof Freund wird gerade umgebaut. Der Landkreis will darin 24 bis maximal 30 Flüchtlinge unterbringen. Darüber informierten Vertreter des Landratsamtes rund 85 Bürger im Dorfgemeinschaftshaus des Dautphetaler Ortsteils.

Quelle: Gianfranco Fain

Elmshausen. Keinen leichten Stand hatten am Dienstagabend die Vertreter des Landratsamtes bei der Bürgerinformation im Dautphetaler Ortsteil Elmshausen. 85 Ortsbewohner kamen, um aus erster Hand mehr über die Pläne des Kreishauses mit dem ehemaligen Landgasthof Freund zu erfahren.

Dort würden zum 1. Dezember voraussichtlich 24 Flüchtlinge einziehen, es könnten aber auch bis zu 30 werden, erklärte Marian Zachow. Der Erste Kreisbeigeordnete sagte aber auch, es spreche einiges dafür, dass der Einzug erst zum 1. Januar erfolge. Der Landgasthof wurde von einem Investor gekauft, der darin ursprünglich Mietwohnungen einrichten wollte. Die Umbauarbeiten laufen: es entstehen 13 Zimmer, 2 Gemeinschaftsräume und eine große Küche.

Zuhörer zweifelt an Zachows Schilderungen

Nachdem Zachow und Jochen Koenemann. Leiter der Stabsstelle Ausländer, Migration und Flüchtlinge im Landratsamt, einen Überblick über die Flüchtlings-Situation und die Betreuungs-Initiativen des Land­kreises (die OP berichtete mehrfach) gegeben hatten, prasselten die Fragen auf die Vertreter des Landkreises herein. Und die waren in der Mehrzahl eher kritisch. Mit Bemerkungen wie „nun seid mal ein bisschen offener“ oder „Wir haben Elmshausen als ein soziales Dorf kennen gelernt, ich glaube, wir vertragen diese Leute“ versuchten einige Bürger gegenzuhalten, doch die Skeptiker waren mit ihren Fragen und Beiträgen in der Überzahl. Einer zweifelte gar die Worte Zachows an. Der Erste Kreisbeigeordnete habe alles sehr positiv darge­stellt. „Ich nehme Ihnen das nicht alles ab“, sagte der Mann mittleren Alters. „In Cappel gab es schon Reibereien. Das, was Sie sagen, kann nicht sein.“

Wenn es so wäre, dann würde er nicht hier stehen, erwiderte Zachow. Natürlich habe es Zwischenfälle im Cappeler Notlager gegeben, aber die seien durch Sprachprobleme bedingt und dadurch, dass hunderte Menschen verschiedener Herkünfte auf engstem Raum zusammengepfercht seien.

„Wir färben nichts schön“, sprang Sozialarbeiter Andreas Tauche dem Kreisbeigeordne­ten bei. Man sehe die auftretenden Probleme und „wenn einer problematisch ist, wird er am nächsten Tag aus der Gruppe genommen“, erklärte der Sozial­arbeiter, der auch die Flüchtlinge in Elmshausen betreuen wird.

Bürgermeister Bernd Schmidt ergänzte, dass es mit den Flüchtlingen, die in der Gemeinde eine Unterkunft bekommen haben, so gut wie keine Probleme gebe. Man müsse offen auf die Menschen zugehen, fügte Schmidt an.

Ein weiterer Gast verdeutlichte, dass er die Ortswahl in Zusammenhang mit Integration nicht verstehe. Damit sprach er die Infrastruktur und die Anbindung des Ortes an: „Die Kreisstraße führt in eine Sackgasse.“ Man sei wohl eher Sachzwängen gefolgt, mutmaßte der Mann.

Unterbringung in kleinen Orten funktioniert

Ja, weil sich die Zahlen vervielfacht haben, könne man nicht mehr nach Qualität aussuchen, sondern müsse nehmen, was zu bekommen sei, gab Zachow zu. Aber man habe auch die Erfahrung gemacht, dass „die Unterbringung in abseits gelegenen Orten auch gut funktioniert“. Und die Distanz zu Buchenau sei noch zumutbar. Zudem habe der Vermieter sich bereiterklärt, einen Fahrdienst einzurichten.

Daraufhin wurde gefragt, ob man bis zu 30 Menschen im ehemaligen Landgasthof als menschenwürdige Unterbringung erachte. Tauche erklärte, dass man versuche, die Unterbringungsmöglichkeiten optimal zu belegen, damit die Flüchtlinge nicht in Zeltlagern bleiben müssen, und dass es bezahlbar sein müsse. Laut Zachow erhält der Kreis vom Land eine Pauschale von rund 80 Prozent, 5 Millionen Euro der Kosten „bleiben am Kreis hängen“.

Im Fortlauf antwortete vorwiegend Tauche zu praktischen Fragen: Zum Beispiel, dass auch Vereine von den Flüchtlingen profitieren können, was zugleich ein Beitrag zur Integration sei, oder dass die Ansprechpartner für ehrenamtliche Helfer die Sozialarbeiter vor Ort seien und dass er den Eindruck habe, dass sich die Flüchtlinge integrieren wollen, auf der Suche nach Frieden, Demokratie, Kultur und Wohlstand seien. Und er appellierte an die Elmshäuser: „In den Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge kommen, ist Gastfreundschaft ein hohes Gut.

von Gianfranco Fain

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