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Einnahmen decken die Kosten nicht

Bürgermeisterwahl Einnahmen decken die Kosten nicht

Öffentliche Einrichtungen kosten die Städte und Gemeinden sehr viel Geld. Und zwischen den Ein­nahmen und Kosten klafft – auch in Gladenbach – eine große Lücke. Das ist unstrittig.

Gladenbach. Die Gebührenhaushalte für die Dorfgemeinschaftshäuser und Bürgerhäuser sind allen Städten und Gemeinden ein Klotz am Bein. In Gladenbach kommen diese öffentlichen Einrichtungen bei den defizitären Gebührenhaushalten nach den Kindergärten gleich an zweiter Stelle: Im Haushalt 2005 schlugen sie mit einem Minus von 286 000 Euro zu Buche. Obwohl inzwischen die Kulturscheune Frohnhausen hinzukam, ist das Defizit im aktuellen Haushalt „nur“ mit 281 237 Euro kalkuliert. Ungeachtet dessen gibt es in einigen der Häuser Sanierungs- und Renovierungsbedarf.

 Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim stellte schon vor zehn Jahren in Frage, ob über eine deutliche Erhöhung der Benutzungsgebühren unter dem Strich tatsächlich geringere Verluste eingefahren werden, und suchte nach alternativen Lösungen. Sehr schnell kann das einfache Plus-Minus-Denken auch als Milchmädchen-Rechnung enden. Das könnte dann passieren, wenn sich Vereine, Verbände und Privatleute dazu entschließen, angesichts höherer Kosten für Bürgerhäuser und ähnliche Einrichtungen wieder mit den Veranstaltungen in Gaststätten zu gehen, so es diese denn noch gibt.

Kulturscheune in Frohnhausen hat Vorbildcharakter

Die Folge wäre eine weiter zurückgehende Belegung der Häuser und damit noch weniger Geld auf der Einnahmeseite. Dieser Kreislauf hätte unweigerlich zur Folge, dass kleine Dorfgemeinschaftshäuser geschlossen werden müssten, weil sie keiner mehr nutzt.
Das hat Ex-Bürgermeister Klaus Bartnik schon bei der Einbringung des Nachtragshaushaltes 1993 prophezeit.
Auch in Gladenbach wird man künftig nach Lösungen suchen, die möglichst vielen gerecht werden. Im 700 Einwohner zählenden Stadtteil Runzhausen ist die Stadt schon vor Jahren neue Wege gegangen: Ein Förderverein hat das Bürgerhaus gepachtet und betreibt das Haus selbstständig. Ganz ohne Zuschüsse funktioniert das freilich nicht. 

Vorbildcharakter hat auch der Trägerverein der Kulturscheune in Frohnhausen. Ein bisher sehr gut funktionierendes Modell, dessen hoher Motivationsfaktor allerdings daraus resultiert, dass das Haus mit enormer Eigenleistung der Dorfbevölkerung errichtet wurde.
Aber können künftig alle Gemeinschaftshäuser erhalten werden?

Lydia Werner (Parteilos) Peter Kremer (Parteilos) Christiane Becker (CDU)
Wünschenswert wäre dies schon. Diese öffentlichen Räume bieten für private, kulturelle und kommerzielle Zwecke vielfältige Nutzungsmöglichkeiten
an, die von den Bürgern genutzt werden können.
Zudem bieten sie einen zentralen Anlaufpunkt für die Menschen innerhalb der einzelnen Ortschaften.
Dies ist meiner Meinung nach sehr förderlich für das Gemeinwesen und die Integrität der Gemeinschaften.
Es liegt allerdings auch in der Verantwortung der Bürger, regen Gebrauch von den Dorfgemeinschaftshäusern/Bürgerhäusern zu machen.
Die Auslastung der einzelnen Dorfgemeinschaftshäuser/ Bürgerhäuser in Summe ist ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Hauses. Es liegt daher im Interesse der Bürger, die Auslastung auf einem möglichst hohen Niveau zu halten, damit die Bereitstellung und Erhaltung der Dorfgemeinschaftshäuser/Bürgerhäuser auch finanziert werden kann. Der private Partykeller ist zugegebenermaßen schon eine schöne Sache.
Allerdings lässt es sich z. B. mit Familie und Freunden auch in einem Dorfgemeinschaftshaus/Bürgerhaus zu jeglichem Anlass kostengünstig feiern.
Von dem Angebot zur Endreinigung des Dorfgemeinschaftshauses/Bürgerhauses kann gegen eine geringe Gebühr Gebrauch gemacht werden, so dass auch am Tag danach noch Freude aufkommt, wenn man den privaten Bereich nicht noch aufräumen muss.
Das zentral gelegene Haus des Gastes in der Kernstadt von Gladenbach ist ebenso wichtig. Durch die großzügig gestalteten Räumlichkeiten ist das Haus des Gastes sehr gut für größere Veranstaltungen geeignet, wie Einschulungen, Musikveranstaltungen oder sonstige kulturelle Veranstaltungen.
Zudem bietet es eine Ausweichmöglichkeit bei möglichen Termin-Kollisionen bei der Buchung der Dorfgemeinschaftshäuser/Bürgerhäuser.
Die Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser (DGHs) wurden ab den 1950er-Jahren teils mit öffentlichen Geldern gebaut und hatten für die Dorfgemeinschaft eine wichtige Funktion.
Die ortsansässigen Vereine haben die DGHs für ihre Veranstaltungen genutzt.
Im Laufe der Jahre haben
viele Vereine aber ihre eigenen Vereinshäuser gebaut oder Vereinslokale gefunden. Dadurch wurde die gemeinschaftliche Nutzung der Häuser immer geringer.
Auch für die großen Familienfeiern wurden sie zunächst reichlich genutzt. Aber die Gesellschaft hat sich gewandelt, vielfach feiert man nun in Gaststätten und Restaurants, die ebenfalls große Festgesellschaften bewirten können.
Man ist mit dem Bezahlen der Rechnung fertig – kein Aufräumen und Saubermachen mehr. Deshalb lässt die Nutzung vieler DGHs sehr zu wünschen übrig.
Und trotzdem werden dort vereinzelt noch große Veranstaltungen durchgeführt. Deshalb ist es sicherlich auch zukünftig sinnvoll, die DGHs am Leben zu erhalten.
Wahrscheinlich wird es aber ein Umdenken in Bezug auf die Verwaltung der Häuser geben müssen.
Ohne ehrenamtliches Engagement wird die (fehlende) Wirtschaftlichkeit sich weiter zusehends verschlechtern.
Deshalb müssen andere Lösungen gesucht werden, gegebenenfalls nach einem Trägermodell, wie es derzeit in Frohnhausen mit der Kulturscheune praktiziert wird.
Nur, alle anderen DGHs sind in den Standards nicht mit Frohnhausen vergleichbar. Frohnhausen wurde nach neusten Energiestandards gebaut, alle anderen Häuser sind energetisch und optisch auf anderem Niveau.
Vielfach sind auch die Feuerwehren noch in diesen Häusern untergebracht, auch deshalb ist eine Schließung oder der Verkauf äußerst kritisch zu betrachten.
Als Ortsvorsteherin hat man natürlich einen intensiveren Bezug zum eigenen Bürgerhaus als vielleicht manch anderer. Daher sage ich spontan: „Ja!“
Allerdings sind wir eine Schutzschirm-Stadt und die Unterhaltung der Bürgerhäuser gehört zu den „freiwilligen Leistungen“ einer Kommune.
Diese könnte man einsparen, weil man nicht gesetzlich verpflichtet ist, sie zu tätigen.
Das Haus des Gastes ist im Stadtkern das einzige für größere Veranstaltungen nutzbare Gebäude. Hier finden die öffentlichen Sitzungen statt und die Tourist-Information und die Bücherei haben hier ihren Sitz. Wir sollten es also möglichst erhalten.
Natürlich wird ständig nach Einsparungen gesucht, Investitionen werden schon lange nur im kleinen Rahmen und sparsam getätigt. Sowohl im Haus des Gastes als auch in unseren Bürgerhäusern.
Da ein Großteil der Kosten der Bürgerhäuser in der Abschreibung begründet ist (65 Prozent), liegt die Idee nahe, die Bürgerhäuser zu verkaufen. Die Abschreibung würde dann entfallen.
Dies sähe ich allerdings als ein schwieriges Unterfangen, da sich derartige Immobilien nur schwer verkaufen lassen.
Ein Ansatz wäre, die Vermietung der Häuser voranzu­treiben, um für eine bessere Auslastung zu sorgen.
Eine kreative Vermarktung der Bürgerhäuser muss her. Man könnte sich um Dauermieter bemühen, die zum Beispiel einzelne Räume für Büros oder Lagerräume anmieten könnten. Ein Großteil der fixen Kosten könnte so erwirtschaftet werden.
Auch die Gründung von Fördervereinen, wie in Frohnhausen, wäre denkbar. Freiwillige Helfer könnten z. B. kleinere Reparaturen oder Pflegearbeiten im Außenbereich übernehmen. Im Umgang mit den Bürgerhäusern müssen wir uns einig sein und gemeinsam dafür kämpfen, dass wir die Häuser noch lange nutzen können!
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