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Einigkeit gegen Geschäftsstellen-Abbau

Gemeindeparlament vs. Sparkasse Einigkeit gegen Geschäftsstellen-Abbau

Die drei Fraktionen des Dautphetaler Gemeindeparlaments sind sich einig. Gegen die angekündigte Schließung der Sparkassenfilialen in Buchenau, Friedensdorf und Holzhausen wollen sie eine 
Resolution beschließen.

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Dautphetals Gemeindevertretung wirbt mit Resolution für Erhalt der Sparkassenfilialen in drei Ortsteilen.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Dautphe. Einstimmig für ein Resolution, so lautet die Empfehlung der sieben Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses an die am Montag tagende Gemeindevertretung Dautphetals.

Damit wollen CDU, Freie Wähler und SPD den Vorstand und den Verwaltungsrat der Sparkasse Marburg-Biedenkopf „nachdrücklich“ auffordern, die Schließung der drei Dautphetaler Geschäftstellen zunächst für ein Jahr auszusetzen. In dieser Zeit soll „gemeinsam“ ein Konzept erarbeitet werden, um die Versorgung Dautphetals mit Bankdienstleistungen durch die Sparkasse sicherzustellen sowie die „berechtigten Sparbemühungen“ der Sparkasse zu berücksichtigen.

Die Gemeindevertreter machen in der Resolution auf ihre Sichtweise aufmerksam: Durch die Schließung von drei Viertel der Sparkassenfilialen in der Gemeinde seien die knapp 12.000 Einwohner nicht mehr ausreichend versorgt. Mit dann 0,86 Geschäftsstellen pro 10.000 Einwohner läge Dautphetal unter dem kreisweiten Durchschnitt von 1,84 und wäre somit im Landkreis die am schlechtesten von der Sparkasse versorgte Gemeinde.

Feußner: keine allzu große Hoffnungen machen

Das „an die letzte Stelle stellen“ bezeichnete der christdemokratische Ausschussvorsitzende Helmut Wege als „schlechtes Zeichen für unsere aufstrebende Gemeinde“. „Die Sparkasse ist die Bank unserer Kommune und müsste deshalb anders denken“, fügte Wege an.

Sein Parteifreund Andreas Feußner äußerte sich wenig zuversichtlich: „Wir sollten uns keine allzu große Hoffnungen machen, dass der Beschluss revidiert wird“, sagte der Buchenauer Ortsvorsteher. Diese Erkenntnis zog er aus der nichtöffentlichen Ältestenratssitzung am Montag, bei der Andreas Bartsch als Vorsitzender des Sparkassenvorstandes die Entscheidung des Vorstandes und des Verwaltungsrates erläuterte. Der Tenor, so Feußner, sei, dass es zumindest in jeder Kommune eine Sparkassen-Geschäftstelle geben solle.

Wie die OP am 11. Oktober berichtete, verändert die Sparkasse fünf ihrer zehn Geschäftsstellen im Hinterland. Neben Gönnern und Hartenrod entfällt auch die Filiale in Friedensdorf, die Geschäftstellen in Buchenau und Holzhausen werden zu Selbstbedienungs-Centern, in denen nur Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker stehen.

Laut Bartsch geht es der Sparkasse mit der Neuausrichtung – die von Vorstand und Verwaltungsrat einstimmig beschlossen wurde – nicht darum, die Kosten zu senken, sondern um eine Anpassung an verändertes Kundenverhalten. Die Mehrheit, rund 80 Prozent, der Sparkassenkunden hole sich ihr Geld am Automaten, und die Hälfte nutze mittlerweile das Online-Banking.

Zahl der Parkplätze 
soll überprüft werden

Neben diesem aktuellen Anlass gab es aber zwei weitere Themen, an deren Beratung sich auch der Bauausschuss beteiligte. Es ging um zwei Anträge, die für die CDU so wichtig sind, dass sie die Wiederansetzung der bereits abgesagten Gemeindevertretersitzung erzwang (die OP berichtete).

Vor allem beim Prüfantrag zur Verbesserung der Parkplatzsituation an den Gemeinschaftshäusern in Holzhausen, Hommertshausen und Mornshausen sieht die CDU Handlungsbedarf. Besonders dringend scheint dies im Fall Holzhausen zu sein. „Man habe gehört, dass dort ein Grundstück oberhalb des Bürgerhauses verkauft werden soll“, erklärt Feußner die Dringlichkeit. Nicht nur das Gelände, sondern auch jede Erweiterungsmöglichkeit drohe somit für die Gemeinde verlorenzugehen.

Beide Ausschüsse empfehlen einstimmig die Annahme des Antrags, nachdem die CDU die Enthaltung bei einem Änderungsantrag der SPD zur Ausdehnung der Prüfung auf alle Gemeinschaftshäuser angekündigt hatte. Darüber wolle die CDU bei ihrer Fraktionssitzung beraten. Eventuell kommt es während der Gemeindevertretersitzung zu einem Änderungsantrag.
Ebenfalls einstimmig empfehlen beide Ausschüsse die Annahme eines Prüfauftrags samt Kostenermittlung hinsichtlich der Wiederherstellung der Zufahrt von der Erddeponie zum Sportplatz Mornshausen.

von Gianfranco Fain

 

Den Zeitpunkt verpasst

Mit der Wirkung von Resolutionen, die an Unternehmen gerichtet sind, hat die Gemeindevertretung Dautphetal schon im Fall Johnson Controls Erfahrung gesammelt. Deshalb verwundert es nicht, dass man zwar auch an die Sparkasse Marburg-Biedenkopf einen solchen Aufruf richtet, sich aber kaum Hoffnungen macht, erhört zu werden. Wozu dann die vergebliche Mühe, möchte man fragen. Zumal es zum wirtschaftlichen Interesse eines jeden Unternehmens gehört, sich an verändertes Kundenverhalten anzupassen.

Wenn man als Lokalpolitiker aber der Meinung ist, dass eine solche Umstellung nicht in das Gebaren eines kommunalen Geldinstitutes passt, so muss man eingreifen, bevor das Kind in den Brunen fällt. Die Möglichkeit dazu hätten die Kommunalpolitiker gehabt, umfasst doch der 15-köpfige Verwaltungsrat der Sparkasse neben der Landrätin und dem Oberbürgermeister der Stadt Marburg noch sechs Vertreter des Kreistages und zwei der Marburger Stadtverordnetenversammlung. Die haben aber alle für die Veränderung gestimmt.

Anscheinend sind die ehrenamtlichen Politiker vor Ort durch die öffentliche Bekanntgabe der Pläne überrascht worden. Dann würde aber etwas in der Kommunikation zwischen den politischen Ebenen nicht stimmen, entscheiden die einen, was für die anderen ein Horrorszenario ist, weil die Basis nicht gehört wurde. Dann liegt es an der Basis, zu vermitteln, woran ihr liegt. Vorher wäre besser, als hinterher Resolutionen zu verfassen.

 
 
 
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