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Eine bewusste „Grenzüberschreitung“

Feiertags-Einkäufer Eine bewusste „Grenzüberschreitung“

Allerheiligen. Feiertag. Zumindest in Nordrhein-Westfalen. Denn während in Hessen das alltägliche Leben weitergeht, ruht es im Nachbarland. Viele Wittgensteiner nutzen den freien Tag für einen Einkaufsbummel jenseits der Grenze.

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Mit vollgepackten Autos auf den Heimweg – an der letzten Ampel vor der Grenze trennen sich die Wege von Hessen, die rechts abbiegen, und Westfalen, die links fahren.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Wallau. Oma Helga weiß es noch genau: damals in den Siebzigern – da gab es an Allerheiligen eine Autoschlange, die von Wallau bis fast nach Bad Laasphe reichte. Alle wollten sie rüber nach Hessen. Und wie verhält es sich heute mit den „Grenzüberschreitungen“, beziehungsweise gestern?

Die erste Station ist Gladenbach. Hier ist es zunächst einmal nass – bis in den Abend hinein regnet es. Wahrlich kein Wetter, das zum ausgedehnten Shoppen einlädt. Da sehnt man sich doch eher sehnt Couch und Kaffee. „In Gladenbach war dieser Feiertagsansturm sowieso noch nie so zu verspüren“, sagt Anke Bellersheim, vom gleichnamigen Kaufhaus.
Viele würden dann wohl doch eher den Weg nach Marburg oder Gießen suchen, weil es dort eben eine größere Auswahl an Geschäften gäbe.  Zustimmung erhält Bellersheim vom Vorsitzenden des Gewerbevereins Gladenbach, Axel Baum. Er betont, dass wohl eher Metropolen angefahren würden.

Während so manche Hinterländer Gemeinden das Kommen oder Fernbleiben der nordrhein-westfälischen Kundschaft scheinbar emotionslos hinnimmt, verfolgen die Gewerbetreibenden in Wallau einen anderen Plan. Im Kalender von Volker Schwarz ist der 1. November zumindest dick markiert. Der Vorsitzende  des Verkehrs- und Gewerbevereins weiß um die sich bietende Möglichkeit für den heimischen Handel.

Mit Licht und Feuer die Kundschaft locken

Die Bewegung am 1. November habe eine lange Tradition, sagt Schwarz. Nur habe man in Wallau bemerkt, dass die potenzelle Kundschaft aus dem Nachbarland in den vergangen Jahren häufig den Weg über die Umgehensstraße genommen habe. Und somit auch vorbei an den Geschäften im Ort.

Die Lösung: eine gut beworbene Veranstaltung, die die westfälische Kundschaft ins Dorf lockt. Titel des Ganzen: „Einkaufen im Lichtermeer“. Das Konzept: Die Läden verlängern ihre Öffnungszeiten bis 22 Uhr. 30 Unternehmen engagieren sich aktiv und es gibt mehrere Programmpunkte wie etwa eine Feuerjonglage in der feierlich ausgeleuchteten „Einkaufsmeile“. Doch steht bei der Aktion nicht der Profit im Vordergrund, betont Schwarz. „Die Ausgaben sind enorm – uns geht es hierbei um die Imagepflege für Wallau. Wir wollen, dass die Menschen sich wohlfühlen und natürlich auch wiederkommen“.

So waren denn auch Autos mit westfälischen Kennzeichen gestern äußerst präsent  – besonders im Altkreis Biedenkopf. Ebenso voll wie die Parkplätze waren auch die Geschäfte. Teilweise kamen sogar Parkeinweiser zum
Einsatz – so etwa auf dem Herkules-Gelände in Biedenkopf. Allerheiligen bleibt ein Feiertag – besonders für heimische Unternehmer und clevere „Grenzgänger“.

von Dennis Siepmann

Doris und Helga Bernshausen , befragt in Wallau: Die Frauen aus Feudingen kommen am 1. November gern zum Einkaufen über die Landesgrenze. „Bei uns sind dann alle Dörfer wie ausgestorben – und wir sind einfach gern in guter Gesellschaft“, schmunzelt Doris Bernshausen. Schon seit fast 40 Jahren fahren Mutter und Tochter an Allerheiligen über die Grenze um in Hessen Erledigungen zu machen oder einfach zu bummeln.
Heinrich Nöllig , getroffen in Biedenkopf: „Das hat schon Tradition“, betont Nöllig, der mit seiner Frau Brigitte aus Girkhausen nach Biedenkopf gekommen ist. Früher kamen beide mit den Kindern. „Das war ein zusätzlicher freier Tag, an dem wir hier etwas erleben konnten!“ Außerdem lockten die Geschäfte auf der anderen meist mit besonderen Aktionen oder Schnäppchen. Auch diesmal: „Bei uns war die Zeitung wieder voller Werbung“.
Roland Petry , getroffen in Biedenkopf: Der Bad Berleburger hat sich diesmal spontan entschieden, über die Grenze nach Biedenkopf zu fahren. „Ich bin die ganze Woche berufstätig“, sagt Petry. Der Feiertag in seinem Bundesland verlängere das Wochenende um einen ganzen Tag. Den nutze er dann gern zum Einkaufen. „Und das mache ich dann wirklich in aller Ruhe, ganz ohne Stress und Hektik!“

Umfrage: Benedikt Bernshausen

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