Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Eine Quelle für die Brandschützer Ein alter E-Bass kehrt zurück

Granny Meat Stone Shit Ein alter E-Bass kehrt zurück

Sie spielen selbstgemachte Rockmusik. Eigentlich nur als Freizeitausgleich. Doch am 31. August wagen sich „Granny Meat Stone Shit“ zum ersten Mal aus dem Proberaum auf die öffentliche Bühne.

Döm - döm - döm - - döm - döm -  dödöm - - döm - döm - döm- - döödöm. Kennen Sie die Anfangssequenz des berühmten Deep-Purple-Songs „Smoke on the Water“? Falls nicht, fehlt Ihnen eine echte rockmusikalische Erfahrung. Eine Erfahrung allerdings, auf die die Familienmitglieder von Markus Becker aus Schlierbach vor fast 20 Jahren gern verzichtet hätten. Wie oft am Tag kann ein 13-Jähriger die ersten Noten eines Songs spielen? Sehr sehr oft, lautet die Antwort, wenn es sich dabei um einen Spross handelt, der einmal Rockmusiker werden will und deshalb Bass-Unterricht bekommt.
Tatsächlich wurde Markus Becker einige Jahre später Maurer, dann Maurermeister, dann Bautechniker. Dann kamen Frau und Kind hinzu. Und der alte schwarze E-Bass der Marke MC COY war irgendwo unterwegs ins Erwachsenenleben in Vergessenheit geraten. Erst lag er unterm Bett, dann gut verpackt auf dem Dachboden. Dort, wo manche Jugendträume liegen. Und als eines Tages mal ein bisschen Geld benötigt wurde, hat der ehemals leidenschaftliche Bass-Schüler und ausdauernde „Smoke-on-the-Water“-Zupfer seinen Bass verkauft. Dass der Bass es sich nicht so einfach gefallen lassen würde, von seinem Besitzer getrennt zu werden, sollte sich erst Jahre später herausstellen. Jahre, in denen das Leben von Martin Seitz und Sven Köhl ähnlich spielte.

Eine Überraschung in der Silvesternacht

Martin Seitz (33 Jahre, Schlierbach) wurde Fleischereitechniker, lernte, wie die beste Wurst und der passende Räucherrauch dafür erzeugt werden. Und er vergaß irgendwann, dass er einst einfach nur Schlagzeug spielen wollte. Sven Köhl (35, Bischoffen) wurde Installateur- und Heizungsbaumeister. Er lernte, mit welchen Techniken man dafür sorgt, dass die Menschen es im Winter warm haben. Und vergaß darüber seine Gitarre und seine frühere Band „Recycle“.  Dann kam das Jahr 2006. Markus Becker dachte an seinen alten E-Bass – und daran, dass er gern einmal wieder darauf spielen würde. Ein befreundeter Musiker versprach, „mal zu schauen, ob bei seiner Band noch ein Bass herumsteht, einer, der gerade nicht gebraucht wird“.
Jahreswechsel 2006 /2007. In der Silvesternacht kehrt Markus Beckers alter Bass über den befreundeten Musiker „zufällig“ wieder zu ihm zurück. „Keine Ahnung, wo er in der Zwischenzeit überall war“, sagt der heute 32-Jährige, „aber jetzt habe ich ihn ja wieder, meinen alten Bass, den mir meine Eltern geschenkt haben“. In jener Nacht dachte er: „Das ist ein Zeichen.“ Seine heutigen Bandkollegen grinsen über diesen Gedanken. Doch war damit der Initialfunke da.

 

„Ich hab dann Sven und Martin gefragt, ob sie Lust haben, wieder Musik zu machen“, erzählt Markus Becker. Sven Köhls Gitarre wurde nach Jahren der Verbannung wieder unterm Bett hervorgeholt.
Ein Schlagzeug gab’s vorerst nicht. Deshalb spielte der künftige Drummer von „Granny Meat Stone Shit“ beim ersten Treffen der angehenden Band auf einer Hantelbank. „Das ging. Wir haben dann einfach so miteinander gejammt – und das hat Spaß gemacht“, erinnert sich Martin Seitz, der heute stolzer Besitzer eines „Spirit of Maiden“-Schlagzeugs ist, das von Maiden-Drummer Nicko McBrain signiert wurde.
 Einen Bandnamen gab’s lange nicht. Auch keine eigenen Songs. Das Spielen der Instrumente musste erst wieder erlernt werden. Aber alle drei hatten Lust, wieder Musik zu machen. „Zum Abschalten, zum Runterkommen, nur für uns – Proberaum zu und der Rest der Welt bleibt draußen.“ So beschreibt es Sven Köhl. Geprobt wurde in der folgenden Zeit in Weidenhausen. Die befreundeten Bands „Cold Distance“ und „Burning Saints“ stellten ihren Proberaum zur Verfügung. Freunde probierten sich zwischenzeitlich als Sänger. Und an einem Abend kam Boris Przewlocka „einfach mal zum Zuhören“ vorbei. Wenige Minuten später wurden ihm Textzettel und ein Mikro in die Hand gedrückt. „Gesungen hab‘ ich vorher nur unter der Dusche und im Auto“, bekennt der 40-jährige Erdhäuser Bankkaufmann. Nach dem einen Abend am Mikrofon hatte er „Blut geleckt“. Und zur nächsten Probe eine Woche später war er wieder da.

„Stell dich den  Dingen und rocke“

Bei den Bandproben immer mit dabei sind die großen musikalischen Vorbilder. Judas Priest, Motörhead, Ted Nugent, The Red Hot Chilli Peppers, Pearl Jam und Rage against the Machine. Manchmal mit dabei ist Jochen Interthal, studierter Musiker, Gitarrist bei „Samsas Traum“ und das kritische Ohr, dem kein Misston entgeht.
Heute sind „Granny Meat Stone Shit“ (deutsch: Großmutter, Fleisch, Stein, Sch…), die ihren Bandnamen von ihren Berufen und vom Bandältesten Boris abgeleitet haben, routinierte Freizeitmusiker. „Proberaum zu und der Rest der Welt bleibt draußen“ – das gilt noch immer, wenn sich die vier Hinterländer freitagabends zum Musik machen treffen, in ihrem „Horsehouse“, im umgebauten Pferdestall hinter schalldichten Wänden.

Dort sind Songs wie „Final Day“ entstanden. Ein Stück über den Raubbau der Menschen am Planeten Erde. Es stammt aus der Feder von Drummer Martin Seitz, der die meisten Texte schreibt. „Die Katastrophe von Fukushima hat mich dazu inspiriert.“ Zur Musik steuert jeder seinen Teil bei. Und meistens geht’s um Themen aus dem alltäglichen Leben der vier Musiker, um die Herausforderungen des Alltags und die manchmal erdrückenden Lasten. „Stand up and rock“ lautet der Song dazu – und er ist zugleich die Handlungsempfehlung gegen Stress und Sorgen: Stell dich den Dingen und rocke!
Internet: „Granny Meat Stone Shit“ sind bei Facebook mit einer Fanpage vertreten.

KONZERT:

Am kommenden Samstag geht’s für die vier Hinterländer Musiker erstmals raus aus dem Rückzugsraum „Horsehouse“ auf die Bühne. Als Vorgruppe für „Die verflixte Band“ spielen „Granny Meat Stone Shit“ am 31. August ab 21 Uhr in Wetzlar im Kulturzentrum Franzis, Franziskanerstraße 4 – 6. Karten gibt es an der Abendkasse.

von Carina Becker

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr