Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Eine Frage der Mobilität

Ortsbeiratssitzung Eine Frage der Mobilität

Die Mobilität im ländlichen Raum zu erhalten, ist Markus Hemberger eine Herzensangelegenheit. Am Beispiel von Kirchvers zeigt der Ortsvorsteher auf, welche Entwicklung zu erwarten ist.

Voriger Artikel
Mann bedroht Jugendliche
Nächster Artikel
Sparbrief-Aktion beginnt am Montag

Für Kirvchers‘ Ortsvorsteher Markus Hemberger ist eine Anbindung Lohras an Marburg und auch an Gießen ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Mobilität im ländlichen Raum.

Quelle: Thorsten Richter

Kirchvers. Viele junge Menschen verlassen die Dörfer – auch in Kirchvers ist der demografische Wandel spürbar. Immer mehr Häuser stehen leer, oft findet man Single-Haushalte vor.

Diese Entwicklung zu verlangsamen, ist für Ortsvorsteher Markus Hemberger ein zentrales Anliegen. In der Ortsbeiratssitzung am kommenden Mittwoch stellt Hemberger seine Gedanken dazu vor. Er hat ein fünfseitiges Konzept erstellt, indem er die Mobilität heute und in der Zukunft unter die Lupe nimmt.

Um der Entwicklung die Stirn zu bieten, sieht Hemberger drei Möglichkeiten: die Infrastruktur in den Dörfern zu erhalten, insbesondere Läden, Ärzte, Bürgerhauser, Kindergärten und Schulen; die Förderung der Freizeitangebote durch die Vereine, insbesondere das Waldschwimmbad; die Erhaltung der Mobilität für Kinder, Jugendliche und Ältere.

Ortsvorsteher befürchtet Einschränkungen im Busverkehr

Hemberger hat die aktuelle Situation analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass fast alle Straßen in einem guten Zustand sind und es eine gute Anbindung nach Gießen, Marburg, Wetzlar und an die Autobahn gibt. Auch der öffentliche Nahverkehr erhält von ihm eine gute Bewertung, bis auf die Tatsache, das die Buslinie nach Gießen (L-GI 43) eventuell nicht erhalten bleibt.

Auch touristisch hat Kirchvers einiges zu bieten: den Wanderweg „Schau ins Land, den Elisabethpfad – wird häufig genutzt von Pilgern –, und den Rundwanderweg um Kirchvers. In Zukunft kommen aber Veränderungen auf den Lohraer Ortsteil zu. Hemberger rechnet im Busverkehr mit erheblichen Einschränkungen.

Wenn zum Beispiel der AST-Verkehr an den Wochenenden reduziert wird, verliert die Südkreisgemeinde an Attraktivität. Für ihn ist es ein Muss, die Buslinie nach Gießen zu erhalten. Er plädiert dafür, die Linie 38 bis Krumbach zu verlängern, da es dort einen Anschluss nach Gießen gibt. Scheitern könnte diese Vorhaben schon allein an der Kreisgrenze. Es scheint nicht absehbar, dass sich der Kreis Gießen finanziell an einer solchen Linie beteiligen würde.

Hemberger denkt an „Solidaritätszuschlag ÖPNV“

Damit mehr Menschen den Bus nutzen sei es wichtig, dass es gut lesbare Fahrpläne sowie Mobilitätsberater vor Ort und dafür weniger eine Digitalisierung im Fahrkartenverkauf gibt – dass zum Beispiel Fahrkarten nur über Handys verkauft werden. Hinzu kommt laut Hemberger eine verbesserte Gestaltung der Bushaltestellen mit ausreichend Licht, Fahrradständern und Überdachungen.

Als Finanzierungsmöglichkeit schwebt dem Ortsvorsteher ein „Solidaritätszuschlag ÖPNV“ vor, der beim Kauf von Zeitkarten verrechenbar sein könnte. Um ein solches Konzept überhaupt umzusetzen, sei es notwendig, dass der öffentliche Nahverkehr durch die öffentliche Hand organisiert wird, da Bund, Land und Kommunen keine Gewinnmaximierung anstreben. Der Einsatz von ehrenamtlichen Bürgerbussen könne kontraproduktiv sein, glaubt Hemberger. Dennoch sei das Vorhaben der Gemeinde Lohra zu unterstützen, allerdings unter der Maxime, dass der Bürgerbus nicht in Konkurrenz zu dem Busverkehr zum Einsatz kommen dürfe.

Zur Sicherung der Mobilität zieht Hemberger ein Projekt des Nordhessischen Verkehrsverbundes ins Kalkül. Fahrten einer Buslinie, die zusätzlich in den Fahrplan aufgenommen worden sind, wurden von Autofahrern übernommen, die in einem Pool organisiert waren und die für die gefahrenen Kilometer bezahlt wurden. Alternativ kamen auch Taxiunternehmen zum Einsatz. Allerdings habe diese Projekt auch Nachteile und sei deshalb keine adäquate Alternative: Die Kosten seien nicht planbar, und die Personenbeförderung durch Private der falsche Weg.

Auch die „Mitnahmebank“ in Amöneburg ist für Hemberger indiskutabel, weil sie dem Wesen des öffentlichen Nahverkehrs zuwiderlaufe. Das bestehende Radwegenetz hält er hingegen für ausreichend, er kritisiert aber, dass eine direkte Verbindung nach Gießen fehlt. Hembergers Hauptanliegen ist es deshalb, die bestehenden Strukturen zu erhalten.

  • Der Ortsbeirat Kirchvers tagt am Mittwoch, 4. November, ab 18 Uhr im Bürgerhaus.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr