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Einbrüche in Altenheim und Läden

Landgericht Marburg Einbrüche in Altenheim und Läden

Vor dem Marburger Landgericht muss sich ein Gladenbacher erneut verantworten, dem eine Vielzahl an Diebstählen vorgeworfen wird. Das Amtsgericht Biedenkopf hatte ihn zu 15 Monaten Haft verurteilt.

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Quelle: dpa

Marburg. . In Handschellen führten die Beamten den Angeklagten in den Gerichtssaal. Der sehr schlanke, hoch gewachsene Mann mit kurzen, hellbraunen Haaren trug trotz des sommerlichen Wetters eine gefütterte graue Jacke mit Kapuze. Er sitzt seit März bereits für zehn Monate in Haft aufgrund einer Verurteilung in einem anderen Fall durch das Amtsgericht Wilhelmshaven.

Der 1984 in Norderney Geborene wohnt in einem Gladenbacher Ortsteil mit seiner Verlobten bei deren Eltern. 2013 kam eine Tochter zur Welt. Einen Schul- oder Berufsabschluss hat der Beschuldigte nicht, bis 2013 arbeitete er nach eigenen Angaben in verschiedenen Berufen als Fleischer, Gärtner und in einer Holzwerkstatt.

Im Mai 2013 hatte das Amtsgericht Biedenkopf den Mann zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Er war zwischen Juli und Dezember 2012 bei vier Ladendiebstählen in einem Kaufhaus und drei Supermärkten in Marburg und Gladenbach erwischt worden. Im selben Zeitraum soll er in Gladenbach in zwei Wohnungen und in zwei Zimmer eines Seniorenheims, in dem seine Freundin beschäftigt gewesen war, eingedrungen sein und dort Geld, EC-Karten sowie Zigaretten gestohlen haben.

In der ersten Berufungsverhandlung im September 2014 hatte das Landgericht Marburg dieses Urteil im Wesentlichen bestätigt. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hob allerdings das Berufungsurteil wegen eines formalen Fehlers im Februar auf, sodass nun erneut verhandelt werden muss.

Angeklagter verweigert weitere Aussagen

„Mein Mandant möchte keine Angaben mehr machen, es ist schon viel zu viel geredet worden“, erklärte Verteidiger Oliver Staab eingangs. Auch zu dem Geständnis nicht, von dem im ersten Urteil die Rede ist, wie Richter Dr. Carsten Paul, Vorsitzender der fünften Strafkammer, dem Beschuldigten vorhielt. „Dann müssen wir die Richterin befragen“, erklärte Paul, ebenso den Polizeibeamten, der die Vernehmung vorgenommen hatte.

Am ersten Verhandlungstag waren eine Bewohnerin und ein Bewohner des Gladenbacher Seniorenheims als Zeugen geladen, die, während sie schliefen beziehungsweise in Abwesenheit, in ihren Zimmern bestohlen worden waren. Die eine Zeugin, deren Mutter und Schwiegermutter auch schon in dem Heim gelebt hatten, berichtete, zuvor nie etwas von Diebstählen dort gehört zu haben. Sie vermutete, dass die in dem Heim beschäftigte Freundin des Angeklagten, die auch noch mit ihrer Enkelin befreundet gewesen sei, diesem einen Tipp gegeben haben müsse, wo eventuell etwas zu holen sei.

Aufnahmen einer Überwachungskamera führten auf die Spur des Täters

Während ihr lediglich 20 Euro und Zigaretten, zu ihrem nachträglichen Schreck aber während des Schlafes und „nur 20 Zentimeter von meinem Gesicht entfernt“, entwendet wurden, kamen dem anderen Ruheständler 400 Euro und die EC-Karte abhanden. Da er die Geheimnummer auf der Hülle notiert hatte, hob der Dieb in derselben Nacht 500 Euro an einem Geldautomaten ab und wurde dabei von der Überwachungskamera aufgenommen, was auf seine Spur führte.

Richter Paul las aus der Vernehmung vom Oktober 2012 vor, dass der Beschuldigte die Diebstähle zugab. Allerdings seien es nur 300, nicht 400 Euro gewesen. Diese habe er in einer Spielhalle verspielt, ebenso die 500 Euro aus dem Geldautomaten.

Eine Gladenbacher Edeka-Mitarbeiterin, die zum Diebstahl von Champagner, Schnaps, acht Energydrinks und Süßigkeiten befragt wurde, konnte sich kaum noch an den Vorfall erinnern.

Sehr detailliert schilderte dagegen der damalige Ladendetektiv des Rewe-Marktes den Ladendiebstahl, den er im August 2012 beobachtet hatte, und die Festnahme des Angeklagten und dessen ebenfalls beteiligter Freundin. Diese hatten Alkoholika, Energydrinks, Würstchen und Tabak in dem Rucksack des Beschuldigten verstaut und den Laden verlassen wollen. Nach der Festnahme hätten sich beide gegenseitig bezichtigt, den Diebstahl begangen zu haben, sagte der Zeuge.

  • Die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Marburg wird am 18. Juni um neun Uhr fortgesetzt. Dabei sollen weitere Zeugen sowie ein Sachverständiger zu einem DNA-Fund gehört werden.

von Manfred Schubert

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