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Einbrechen, aufbrechen und abrechnen

Landgericht Einbrechen, aufbrechen und abrechnen

Zigaretten, Bargeld, Alkohol und sogar Süßigkeiten: Bei ihren Raubzügen durch den Landkreis war eine dreiköpfige Diebesbande nicht gerade wählerisch.

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Gewaltsam verging sich die Diebesbande in mehreren Ortschaften an Zigarettenautomaten, die sie aus der Verankerung rissen und später an einem versteckten Ort aufbrachen.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Marburg. Es ist der 17. Mai dieses Jahres. Die Polizei ist an einem Tatort, der Gaststätte Fischer in Biedenkopf, und untersucht den gemeldeten Einbruch. Das Verbrechen ist bereits geschehen - die Fensterscheibe eingeschlagen und das Innere der Kneipe verwüstet, als das Diebestrio unvermittelt zurückkehrt.

Einen Spielautomaten und ein Sparfachkästchen hatte die Bande bereits entwendet und auf einem nahegelegenen Feldweg aufgebrochen. Das darin befindliche Bargeld entdeckt die Polizei später in einer Plastiktüte in einem der beiden Tatfahrzeuge.

Warum die zwei Männer und die Frau in dieser Nacht das Risiko eingingen, auch noch die zwei übrigen Automaten aus der Gaststätte holen zu wollen, konnten sie während der gestrigen Verhandlung am Landgericht Marburg nicht mehr eindeutig wiedergeben.

In dieser Nacht stellen die Beamten die beiden Fahrzeuge nach einer kurzen Verfolgungsjagd. Die anschließenden Festnahmen markieren das abrupte Ende einer Einbruchsserie, die sich durch den ganzen Landkreis Marburg-Biedenkopf und Teile des Schwalm-Eder-Kreises zieht.

Fast immer ging das Liebespärchen und dessen Bekannter nach dem gleichen Muster vor. Die Frau (37) fuhr ein Auto mit ihrem Lebensgefährten (50) als Beifahrer und stand bei den Einbrüchen zumeist „Schmiere“. Ihr Bekannter (61) aus Schrecksbach steuerte das zweite Fahrzeug. In dieser Konstellation fuhren sie ihre Ziele an.

Vor dem Schöffengericht wurden gestern konkret elf Fälle behandelt, die der Bande zur Last gelegt werden. Los ging die Serie im Mai 2012 mit dem Einbruch in einen Getränkehandel, bei dem das Trio Zigaretten und Alkohol erbeutet haben soll. Darauf folgte der Einbruch in das Sportheim Rauischholzhausen. Dort soll das Pärchen ohne Unterstützung des 61-Jährigen gehandelt und einen Fernseher im Wert von 1000 Euro entwendet haben, ein paar Flaschen Alkohol und herumliegende Süßigkeiten. Das Gerät hat das Pärchen, nach eigener Aussage, dann für 150 Euro an den Mitangeklagten verkauft.

Im Dezember 2012 erbeutete das Trio dann Altmetall und Speisfässer im Wert von etwa 1500 Euro aus einer Lagerhalle in Treysa. Für den Abtransport waren zwei Fahrten mit den beiden Pkw nötig, sagte die 37-Jährige aus. Unklar bleibt, ob bei diesem Fall noch eine vierte Person zugegen war.

Weiterer Vorwurf der Anklageschrift ist der Einbruch in einen kurz vor Neustadt gelegenen Imbiss. Dort stahlen die beiden Männer im Beisein der Frau einen Spielautomaten, der mit etwa 2500 Euro befüllt war.

Zigarettenautomaten rissen die beiden Männer im April und Mai dieses Jahres in Neukirchen und Kirchhain-Schönbach aus der Verankerung, um sie anschließend aufzuflexen und auszuräumen. In Stadtallendorf-Erksdorf rückten die Frau und der 61-Jährige einem dieselbetriebenen Bagger zu Leibe und zapften mittels einer Pumpe etwa 50 Liter Kraftstoff ab. Der aus Wittelsberg stammende 50-Jährige gab gestern an, bei allen Taten unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden zu haben. „Ich war fast immer besoffen - habe in der Zeit schon beim Frühstück Schnaps getrunken“.

Zuvor hatte der 61-Jährige Mitangeklagte ausgesagt, er habe mit der Beute, die immer in der Neustädter Wohnung der Angeklagten aufgeteilt wurde, seine Automaten-Spielsucht finanziert. Dass sein Komplize viel getrunken habe, sei ihm nicht aufgefallen: „Er hat höchstens mal ein, zwei Bier getrunken“.

Alle drei Angeklagten sind mehrfach vorbestraft, seit Jahren arbeitslos und kennen sich von einem Schrotthandel, wo sie erste Kontakte zueinander knüpften. Wie es zur der kriminellen Zusammenarbeit gekommen sei, wusste jedoch keiner der Angeklagten genau zu beantworten.

Hingegen gaben alle drei die gegen sie erhobenen Vorwürfe weitgehend zu - es blieben nur wenige Detailfragen zu den Einbrüchen offen. Der 50-Jährige gab zudem an, noch weit mehr Straftaten begangen zu haben. Dies habe er auch schon der Polizei mitgeteilt.

Die beiden Männer sitzen seit dem Vorfall in der Biedenkopfer Gaststätte in Untersuchungshaft. Davon verschont blieb bisher die 37-Jährige, die sich als Hausfrau und Mutter um ihre vier Kinder kümmert. Eines der Kinder stammt aus der Beziehung mit dem 50-Jährigen. Die Verhandlung wird morgen in Marburg fortgesetzt.

von Dennis Siepmann

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