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Ein stiller Zeuge misst den Lärm

Mobile Station soll Schallbelastung messen Ein stiller Zeuge misst den Lärm

Seit Ende Mai wird in Holzhausen der Lärmpegel registriert, bisher ohne Überschreitung der zulässigen Werte.

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Von der Stegerstraße in Holzhausen sind die Windräder auf dem Hilsberg gut zu sehen.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Nächste Woche will „Bürgerwind“ die Ergebnisse einer freiwilligen Umweltverträglichkeits-Untersuchung den Behörden vorstellen, dann will man noch die dreimonatige Äußerungsfrist der beteiligten Vereine und Verbände abwarten, bevor der Antrag zur Errichtung von drei Windrädern bei Rachelshausen am Landratskreuz gestellt wird, berichtet Bürgerwind-Geschäftsführer Joachim Wierlemann.

Danach soll es schnell gehen. Die Hoffnung ist, das Zeitfenster für die Rodungen in diesem Jahr noch nutzen zu können. Auf den Baubeginn wirke sich weder die ausstehende Verhandlung der Klage gegen den Windpark Hilsberg – die Juristen der „Bürgerwind“ gehen davon aus, dass die Entscheidung des Eilverfahrens vor dem Verwaltungsgericht bestätigt wird – noch das Gespräch mit den Vertretern der Bürgerinitiative (BI) Holzhausen aus, erklärt Wierlemann.

Man habe mit dem Standpunkt der BI gerechnet, sehe die Situation aber nicht so kritisch wie die BI. Hinsichtlich des Schlagschattens stünden die Räder weiter von Holzhausen weg als die bisher aufgestellten und vom Schall wäre wohl eher Rachelshausen betroffen, aber auch da dürfte sich der Pegel „im Rahmen“ halten.

Die BI habe das Gespräch, an dem auch Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer beteiligt war, angeregt, erklärt BI-Vorsitzender Reinhold Leinweber, der den Verlauf als „ganz gut“ bezeichnet. Zumindest hätten die BI-Vertreter ihre Bedenken vortragen können.

Beim Treffen dabei war auch Holzhausens Ortsvorsteher. Hans Joachim Kramer vertrat die geänderte Meinung des Ortsbeirates. Aus einer positiven Haltung der Windkraft gegenüber ist nun eine abwehrende geworden, „aber nur wegen des Lärms“, betont Kramer. Vor allem bei Winden aus süd- bis südwestlicher Richtung seien die Windräder in Holzhausen „ziemlich laut“ zu hören. Dann würden auch in der Nacht die erlaubten 35 Dezibel überschritten, glaubt Kramer.

Aufgrund der Erfahrungen empfiehlt der Ortsbeirat der Gemeinde Dautphetal, den Windpark Rachelshausen abzulehnen, weil „noch mehr Lautstärke nicht mehr tragbar ist“. Zumindest, so die Erwartungshaltung des Holzhäuser Ortsbeirates, wären die Gladenbacher, weil sie nach den Endbachern Windräder beim Hilsberg errichten, als erste zur Reduzierung der Leistung verpflichtet, falls es zu laut werde.

Schon Mitte April wandte sich der Ortsbeirat an die Gemeinde Dautphetal, forderte diese laut Kramer zu Lärmmessungen auf. Im März sah Kramer die BI in der Pflicht: „Die Bürgerinitiative muss jetzt dahinter stehen, dass jede übermäßige Lautstärke gemeldet wird. Das RP (Regierungspräsidium) muss veranlassen, dass Windräder leiser werden und die Werte nicht überstiegen werden. Eventuell müssen die Windräder länger stehen.“

Denn schon kurz nachdem die fünf Anlagen auf dem Hilsberg in den Regelbetrieb übergingen, trauten viele Holzhäuser ihren Ohren nicht. Je nach Windrichtung, Zeit und Wohnort waren die Endbacher Windkraftanlagen mehr oder weniger zu hören.

BI-Vorstandsmitglieder drücken die Taste

Zum Beispiel in der Hainbornstraße, wo Sigrid und Hartmut Büchner wohnen. „Wir hören die Windräder nicht immer“ sagt Sigrid Büchner. „Das hängt auch vom Wind ab. Aber wenn sie laufen, dann ist das sehr heftig. Der Lärm macht uns krank.“

Oder die Bössers, die ein Haus in der Stegerstraße haben. Ursula Bösser berichtet, dass sie auch unter dem Schlagschatten leide. Besonders bei tiefstehender Sonne belaste sie in Büro und Schlafzimmer ein stets kreisender Schatten. „Wenn ich auf meinem Balkon sitze und den Lärm der Windkrafträder höre, kriege ich die Wut. Man wird hier zum „Wutbürger“, sagt sie.

Anwohner beim Waldschwimmbad beschreiben den Lärmpegel wie bei einem Flugzeug, das nicht vorbeifliegt. Im Wochenendgebiet macht der Lärm Christian Siegel nervös und ungeduldig, während seine Frau aggressiv werde. Während Gisela und Heinz Ulbrich sich nicht mehr in den Garten setzen mögen, wenn die Windräder wieder einmal deutlich zu hören sind. „Man denkt, es kommt was, ein Sturm ist im Anmarsch“, sagt Gisela Ulbrich.

Das Problem dabei ist, dass sich der Lautstärkepegel in Windeseile verändert. Eben noch laut, kann es Minuten später bei nachlassendem Wind oder veränderter Windrichtung schon wesentlich leiser sein. Zumindest die Bemühungen der BI haben gefruchtet: Mittlerweile kann es jeder in Holzhausen sehen, dass das RP dort mit einer mobilen Anlage des Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) die Lautstärke messen lässt. Seit Ende Mai sei das der Fall, bestätigt die stellvertretende RP-Pressesprecherin Ina Velte.

Messergebnisse bisher ohne Auffälligkeiten

Anhand der Aufzeichnungen der Messstation könne nun überprüft werden, ob es zu Überschreitungen der im Bescheid festgelegten Grenzwerte kommt. Die Anlage erfasse jegliche Lärmeinwirkung, die zu einer Überschreitung der Grenzwerte führt und werde mittels Taste betätigt, die eine Tonaufzeichnung startet, mit der sich die Lärmquelle zuordnen lässt. Die Betätigung der Tonaufzeichnungstaste ist Mitgliedern des BI-Vorstands überlassen.

Sie sollen diese Taste drücken, wenn nach ihrer Einschätzung die Windkraftanlagen besonders laut sind. Zudem sollen sie Datum und Uhrzeit in ein Protokoll eintragen. Die Tonaufzeichnungstaste wurde inzwischen mehrfach betätigt, erklärt Velte.

Die von der Anlage erhobenen Daten – Lärmpegel- und Tonaufzeichnungen mit Wetterdaten – können vom HLUG mit einer speziellen Software gerichtsfest ausgewertet werden, erklärt die RP-Sprecherin. Und: Die Langzeitlärmmessstation wird vom HLUG und vom RP durch Vorortkontrollen überwacht.

Anfang Juli lag die erste Auswertung der Messergebnisse vor. „Nach einer Bewertung durch das HLUG gibt es keine Hinweise, dass eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte vorliegt“, erklärt Ina Velte. Sowohl die Dauermessungen als auch die Auswertungen gingen aber weiter. Die Station werde an zwei weiteren Orten im Dorf eingesetzt, ergänzt Velte. Die RP-Sprecherin weist noch darauf hin, dass zwar alle künftig eingehenden Beschwerden dokumentiert werden, die Einreicher jedoch lediglich eine Eingangsbestätigung per E-Mail mit dem Hinweis auf die Dauermessung erhalten.

von Gianfranco Fain und Heribert Theis

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