Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Ein gutes Auge für Details

Künstler-Serie Ein gutes Auge für Details

"Learning by doing" ist das Motto der Rollshäuser Hobbykünstlerin Daniela Schmidt. Fotoapparat und Pinsel sind ihre ständigen Begleiter.

Rollshausen. Seit ihrer Kindheit malt und fotografiert die Rollshäuserin Daniela Schmidt mit Leidenschaft. Landschaften, Tiere und Menschen sind ihre Lieblingsmotive. Als sie etwa zehn Jahre alt war, absolvierte die heute 39-Jährige einen Malkurs in Lohra. Ihre Oma habe damals den Stein ins Rollen gebracht: „Es scheint mir im Nachhinein so, als hätte sie das Potenzial geweckt und gefördert”, sagt Daniela Schmidt.

Später besuchte sie einige Aquarell-Kurse, stellte aberirgendwann fest: „Das war nichts für mich.” Zwar gebe es tolle Aquarellwerke, von denen sie sehr begeistert sei – sie selbst aber malt lieber mit kräftigen Farben, hauptsächlich mit Acryl und Modelliermasse.

„Wenn ich malen will, brauche ich Zeit und Ruhe. Wenn ich das nicht habe, brauche ich mich gar nicht erst vor die Leinwand zu stellen”, sagt Daniela Schmidt.

Anders verhält es sich mit ihrem zweiten großen Hobby: der Fotografie. Ihre Kamera, eine Canon EOS 400 D, zückt sie nicht selten spontan im Vorbeigehen. „Ich versuche, immer meine Kamera dabei zu haben und ärgere mich oft, wenn ich sie vergessen habe.” Auch an ihrem Arbeitsplatz, einer Kindertagesstätte im Marburger Stadtteil Richtsberg, sei sie „diejenige, die immer mit dem Fotoapparat herumläuft”.

Kein Wunder, dass mittlerweile auch Arbeitskolleginnen mit Fotoideen auf sie zukommen. „Es zieht immer weitere Kreise”, sagt Daniela Schmidt und nennt ein Beispiel: Von einer Freundin und Arbeitskollegin, die ein Kind erwartet, sei sie kürzlich gefragt worden, ob sie deren Bauch fotografieren könne. Eine Vielzahl an Fotos sei schließlich entstanden. Fotos aus verschiedenen Perspektiven, auf denen auch der Partner ihrer Freundin zu sehen ist, der den Bauch der Schwangeren bemalt.

„Es ist schön zu sehen, wie er sich dabei einen abgrinst”, erzählt Daniela Schmidt schmunzelnd. Ihre Freundin habe die Fotoserie schließlich einer weiteren Arbeitskollegin gezeigt. Und die sei so begeistert gewesen, „dass sie sich ebenfalls an mich wandte“ – mit einer Idee für eine weitere Serie von „Menschfotos”.

Zwar unterscheiden sich die Situationen, in denen Daniela Schmidt fotografiert, von den Situationen, in denen sie malt – Gemeinsamkeiten zwischen Malerei und Fotografie gebe es aber dennoch: Etwa die Vorliebe für Abstraktes und die Konzentration auf Details, beispielsweise bei Blüten- und Insektenaufnahmen.

„Ein Auge für Details hatte ich schon immer, aber das Bewusstsein dafür wuchs noch mit der Zeit.” Die Hobbykünstlerin betont auch: „Einige Motive kommen zu mir, andere ergeben sich auf der Suche.” Ihr Motto laute „Learning by doing.”

Ganze drei Foto-Bücher stellte Daniela Schmidt nach einer USA-Reise zusammen. An die Reise erinnert auch das Schwarz-Weiß-Foto von einer Farm in Maryland, das Idylle und Geschichte gleichermaßen ausstrahlt.

Wie sich ein Perspektivwechsel bei ein- und demselben Motiv auswirken kann, beweisen zwei Schwarz-Weiß-Fotos von einer Ruhebank in Florida, die – im Schatten stehend – von Sonnenstrahlen erhellt wird. Auf einem der Bilder fallen dem Betrachter die hohen Bäume auf, die die Bank umgeben. Die hohen Bäume und ihr Schatten vermitteln einen Eindruck von Geschlossenheit. Offenheit hingegen stellt ein weiteres Ruhebank-Foto dar, denn auf diesem ist ein anderer Hintergrund – ein See – zu erkennen.

Generell verändert Daniela Schmidt ihre Fotos nicht. Lediglich farblich verfälsche sie gelegentlich Bilder, indem sie eine Schwarz-Weiß-Einstellung wähle, sagt sie. Es sei ihr ein Anliegen, dass die Betrachter ihrer Fotos das Gleiche zu sehen bekommen wie sie selbst beim Fotografieren. Meistens sind ihre Eltern die ersten, die ihre Werke zu sehen bekommen und kommentieren. Die Reaktionen seien meistens positiv, so auch in der Verwandtschaft: „Meine Tante wünscht sich einen Fotokalender von mir.” Einen guten Eindruck hat meistens auch ihre Freundin, der die Makroaufnahmen von Kleintieren besonders gefallen. Vor gut zehn Jahre verkaufte Daniela Schmidt ihr erstes Werk, eine Tiermalerei mit afrikanischen Motiven. „Die von der Natur hervorgebrachte Farbpalette fasziniert mich”, sagt Schmidt. Zweimal beteiligte sie sich an der Gemeinde-Ausstellung in Lohra. Darüber hinaus stellte sie im Blumenhaus Sprenger aus.

von Björn-Uwe Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel