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Neujahrsempfang

Ein Plädoyer für mehr Optimismus

Volles Haus beim vierten Neujahrsempfang der Stadt Biedenkopf und 
der Werbegemeinschaft 
Treffpunkt: Die Aula der Beruflichen Schulen
Biedenkopf wurde ihrem
Namen gerecht.
Bürgermeister Joachim Thiemig sprach vor dem Auditorium über die Ereignisse in Biedenkopf. Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Bürgermeister Joachim Thiemig sprach vor dem Auditorium über die Ereignisse in Biedenkopf.

© Silke Pfeifer-Sternke

Biedenkopf. Bestimmende Themen des Abends waren die Windenergie und die Flüchtlingssituation. Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, das Biedenkopfer Urgestein, ließ es sich nicht nehmen, in seiner Heimatstadt vor großem Publikum zu sprechen.

Er demonstrierte einmal mehr, dass ihm die freie Rede locker über die Lippen geht. Das Thema seines Vortrags hieß die „Zukunft im ländlichen Raum“ und seine Botschaft lautete: Optimismus.

Dies verdeutlichtete er anhand der Streitfrage, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Für den Pessimisten sei das Glas halbleer, der Optimist entscheide sich für halbvoll. „Die Deutschen haben keinen Grund, hasenfüßig zu sein“, sagte Schäfer, auch wenn sie dazu neigen. Dies gelte insbesondere in der Flüchtlingskrise. Merkels Aussage „Wir schaffen das“ stuft der Christdemokrat als Perspektivbeschreibung ein, bezogen auf die Problemlösungsstrategien in der Vergangenheit. „Wer soll das hinkriegen, wenn nicht wir?“, fragte er.

Zur Situationsbeschreibung der Zukunft im ländlichen Raum nahm er die Schlagworte Globalisierung, demografischer Wandel und Digitalisierung zu Hilfe. Aufgrund des Geburtenrückgangs werde es immer schwieriger, die Babyboomer im Rentenalter zu finanzieren. Spitzzüngig sprach er davon, dass vermutlich in ein paar Jahren die Rente mit 70 als Frühverrentungselement genutzt werde.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandel sei es umso wichtiger für das Hinterland, die Chancen, die sich angesichts der Technisierung und der Globalisierung böten, zu nutzen. Flächendeckendes Breitband-Internet hält er für einen entscheidenden Vorteil und dieses sei mittlerweile im Landkreis allerorten verfügbar.

Schäfer (Foto: Hartmut Bünger) legte aber auch den Finger in die Wunde. Gerade in ländlichen Regionen sei es vermutlich in der Zukunft nicht überall möglich, dass die Kommunen ihre Infrastruktur aufrecht erhalten können. Er machte dies anhand von Arztpraxen deutlich, für die es in manchen Orten keine Nachfolger mehr gibt. Es müsse darüber diskutiert werden, wie Aufgaben künftig verteilt werden können, sagte der Finanzminister.

Und auch im Hinblick auf 
die Meinungsverschiedenheiten wie beim Thema Windenergie sei es notwendig, eine neue Diskussionskultur zu schaffen. Mit diesen Worten knüpfte Schäfer an die Rede von Bürgermeister Joachim Thiemig an, der genau dies gefordert hatte – nur mit anderen Worten. Die geteilten Meinungen zur Windenergie sei keine Störung des Zusammenlebens, sondern Teil der Demokratie, erklärte Thiemig.

Treffpunkt-Vorsitzender trifft Nerv der Zuhörer

Falsch sei es dagegen, die Mandatsträger der Stadt persönlich oder über soziale Netzwerke zu verunglimpfen und zu beschimpfen und ihnen vorzuwerfen, sie handelten ausschließlich im eigenen Interesse. Thiemig verwies darauf, dass die Entscheidung für den Windpark allein im Interesse der Biedenkopfer Bürger getroffen worden sei.

Als weitere Themen sprach der Bürgermeister den in diesem Jahr geplanten Innenausbau des Gebäudes Markt 2 an, für das es bereits Miet-Interessenten gibt. Auch den Erfolg des Musicals „Der Postraub“, das in diesem Jahr erneut aufgeführt wird, hatte Thiemig auf der Agenda und sprach auch über die gut funktionierende Ehrenamtsarbeit in der Flüchtlingshilfe.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte der „Hausherr“ der Beruflichen Schulen, Karl Heinz Schneider, die Besonderheiten der Schule herausgestellt. Anschließend zog der Werbegemeinschaftsvorsitzende Heinrich Gonglach eine positive Bilanz über die Vereinsaktionen im abgelaufenen Jahr. Für seine erste Rede vor großem Publikum erhielt er viel Beifall, weil er mit seiner unbeschwerten Lockerheit stets den Nerv der Zuhörer traf.

von Silke Pfeifer-Sternke


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