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Ein Mühlrad erzeugt "grünen" Strom

Regenerative Energien Ein Mühlrad erzeugt "grünen" Strom

Die "Gellenbachmühle" in Bischoffen wurde im 12. Jahrhundert erstmalsurkundlich erwähnt. Das Mühlrad erzeugt jährlich 35000 Kilowattstunden Strom.

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Die „Gellenbachmühle“ wurde erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt.Foto: Klaus Peter

Bischoffen. Auf der Grenze zwischen Bischoffen und dem Hohenahrer Ortsteil Altenkirchen befindet sich die „Gellenbachmühle“, die auch als Dreiländermühle bekannt ist. In unmittelbarer Nähe verlief die Grenze des Königreichs Preußen, des Großherzogtums Hessen und des Herzogtums Nassau.

Die ehemalige Mühle steht auf Bischoffener Gemarkung, die später errichtete Scheune auf Altenkirchener Gebiet. Auf dem Hof des Anwesens befindet sich ein Grenzstein aus dem Jahre 1795, der damals sowohl die Grenze des Königreiches Preußen als auch des Großherzogtums Hessen markierte. Heute dient der Stein auch als Grenzstein für die Gemeinden Hohenahr und Bischoffen.

Die „Gellenbachmühle“ war bis 1888 im Besitz des Grafen zu Solms, bevor sie an die Müllerfamilie Jakob Lautz verkauft wurde. Eine weitere urkundliche Erwähnung des Archivs in Braunfels (Hayle, Seite 372) stammt aus dem Jahre 1356. In den ersten Jahren ihres Bestehens war die „Gellenbachmühle“ eine Erbleihmühle und musste dem Grafen jährlich eine gewisse Menge Früchte abgeben. Die Scheune wurde erst im Jahre 1695 gebaut.

1888 erwarb Jakob Lautz, Sohn des Friedrich Lautz, von der Weißbindermühle, das Anwesen vom Fürsten zu Solms-Lich-Braunfels. Als der Müller 1906 verstarb, führte seine Frau Katharina, geborene Koch, die Geschäfte, bis ihr Sohn Wilhelm die Mühle übernahm.

Ab 1915 bestand eine Erbengemeinschaft aus den Kindern Helene Schäfer, geborene Lautz, sowie Karl, Otto, Richard und Wilhelm Lautz. Wilhelm Lautz betrieb nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg die Mühle weiter bis sie 1920 versteigert wurde. Den Zuschlag erhielt damals Hugo Schwollow aus Stolp in Pommern, der das Anwesen für 97000 Mark ersteigerte. Drei Jahre später verkaufte er die Mühle für 200000 Mark an Obermüller Ludwig Schmidt aus Höxter. Nach dessen Tod betrieb sein Sohn Franz die Mühle bis zu dem Mühlensterben Anfang der 1970er-Jahre weiter.

Der heutige Besitzer Michael Zerbe aus Lich kaufte das Anwesen 1995. Wie er auf OP-Anfrage berichtete, habe er schon geraume Zeit - über Hessens Grenzen hinaus - ein solches Objekt gesucht, das über Wasserrechte verfügt, aber auch über Ländereien, um eine kleine Landwirtschaft zu ermöglichen.

Vor seinem Kauf habe die Mühle 20 Jahre leer gestanden und sei deshalb in einem sehr desolaten Zustand gewesen. Das sehr marode Mühlrad habe er saniert und mit entsprechender Technik versehen. Seit 1995 produziert es rund 35 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die nicht benötigte Strommenge wird in das Netz eingespeist.

Die Vorbesitzer der Mühle habe zur Stromerzeugung einen eigenen Generator verwandt. Etwa 90 Prozent der notwendigen Sanierungsarbeiten seien bereits abgeschlossen, berichtete Zerbe, wobei noch die Sanierung der Fassade ausstehe.

von Klaus Peter

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