Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Mann für viele Vorsitze

Werner Waßmuth Ein Mann für viele Vorsitze

Aus Lohra kommt der Vorsitzende vieler Ausschüsse und Versammlungen. Der Aufstieg in diese Positionen ist erarbeitet, hat sich aber auch „so ergeben“.

Voriger Artikel
Genauer Zahl der Plätze muss noch ermittelt werden
Nächster Artikel
Piste frei auf der Biedenkopfer Sackpfeife

In seinem Büro bereitet Werner Waßmuth die Sitzungen der Ausschüsse und Verbände vor, denen er vorsteht.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. „Und der Vorsitzende­ ist ...“ – In vielen Ausschüssen, Versammlungen von Verbänden oder Vereinen gibt es darauf nur eine Antwort: Werner Waßmuth. Fast immer der einzige Kandidat auf den Vorsitzendenposten, wird er in der Regel einstimmig gewählt. „Die sind doch häufig froh, dass jemand das freiwillig macht“, sagt der Wahl-Lohraer.

Der 66-Jährige teilt auch diese Freude, bekennt er doch: „Mir macht das Spaß.“ Gemeint ist die ehrenamtliche Tätigkeit und die Freude, „wenn ich etwas für andere erreichen kann“. In seinen vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die ihn in viele Ämter brachten und oft mit den Aufgaben des Vorsitzes auf etlichen Posten betrauten, wuchs er „so rein“.

Ein Großonkel weckte in dem Jugendlichen das politische Interesse, ein Berufsschullehrer – ein SPD-Mann – brachte seinen Schülern die aktuellen Themen näher und so trat er noch während seiner Ausbildung zum Betriebswirt in die CDU ein. Kaum in der Partei, hieß es vom damaligen Vorsitzenden in Lohra „und Du machst den Vorsitzenden“, was mit dem Auftrag verbunden war, einen Ortsverband der Jungen Union zu gründen. Das war 1976. Als wenige Jahre darauf der Kreisvorsitz der Jungen Union vakant war, hieß es wieder: „Das machst Du!“

Froh über jedes Gremiumsmitglied aus der Praxis

Da der Vorsitzende der Jungen Union 1981 auf einem sicheren Listenplatz gesetzt war, startete Waßmuths Kreistags-Karriere. „Und dann ergab es sich immer so weiter“, erzählt der gebürtige Hertingshäuser. Die Tour durch die Kommissionen und Ausschüsse begann. Damals kamen die Neulinge grundsätzlich auf die letzte Bank, zeichnet Waßmuth ein Bild. Das heißt, mit ihnen wurden die Posten besetzt, die die Platzhirsche scheuten. Für Waßmuth bedeutete dies zum Beispiel auch, Mitglied in der Frauenkommission zu werden. „Die war völlig anders besetzt als heute“, blickt er zurück und grinst: „Unvorstellbar ­wäre das heutzutage.“

Dann folgte 1993 mit der Rückkehr der CDU an die Macht in der damaligen Koalition der Sprung auf den Posten, den Waßmuth noch heute mit Leib und Leben ausfüllt: Nach vier Jahren als Stellvertreter avancierte er zum Fraktionsvorsitzenden der Kreistags-CDU. Vor und um die Jahrtausendwende absolvierte der Freizeitpolitiker alle seine ehrenamtlichen Aufgaben wie so viele noch zeitgleich mit seinen beruflichen Verpflichtungen. Das war damals noch möglich, weil viele Termine in den Abendstunden lagen. „Heute sind es bis zu 90 Prozent tagsüber, was die Übernahme solcher Aufgaben für Berufstätige schwierig macht“, weiß Waßmuth, der grundsätzlich über jeden Mann aus der Praxis in den Gremien froh ist.

2010 gab es den Bundesverdienstorden

Doch auch seit seinem gesundheitlich bedingten Ausscheiden aus dem Berufsleben kann sich der Vollblutpolitiker nicht ­beklagen: Ausschusssitzungen, mindestens sieben Kreistagssitzungen im Jahr, Fraktionstermine, Koalitionsrunden, Arbeitskreise, Koordinierungsgespräche und vorbereitende Arbeiten im heimischen Büro – „200 Termine im Jahr kommen mindestens zusammen“, berichtet­ er. Auf durchschnittlich drei Stunden pro Tag schätzt er seinen Einsatz. Zudem ist das Mitwirken in Vereinen wegen seines Netzwerkes begehrt. Dennoch fällt ihm die Arbeit nicht schwer. „Eins ergibt das andere“, weiß er aus seiner Tätigkeit in mehreren Gremien. Zudem gehe es oft darum, „die Truppen zusammenzubringen“. Da gerate die Parteipolitik in den Hintergrund, weil „wir oft in die selbe Richtung denken“.

Für seinen ehrenamtlichen Einsatz erhielt Waßmuth schon alle dafür zu vergebenden Auszeichnungen, zuletzt 2010 den Bundesverdienstorden. Der hat seinen festen Platz an einem Anzug, „aber den trage ich nicht oft“. Weitermachen will Waßmuth, „solange mir das Spaß macht und bevor mir einer sagt, dass ich aufhören muss“.
Bis dahin können sich diejenigen, die ihn wählen, darauf verlassen, dass der Vorsitzende von Ausschüssen und Versammlungen die Fäden in der Hand hält. „Ich kann es nicht leiden, wenn einer zum dritten Mal dasselbe sagt“, bekennt Waßmuth. Wohl auch deshalb dauert kaum eine der von ihm geleiteten Sitzungen länger als eine Stunde.

von Gianfranco Fain

 Wichtige Aufgaben

 

Lokalpolitik: 1976 bis 1979 Vorsitzender der Jungen Union Lohra, seit 1977 Gemeindevertreter in Lohra und Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, seit 1987 Vorsitzender des CDU Gemeindeverbandes Lohra, 1997 bis 2006 Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, seit 1993 Fraktionsvorsitzender.

Kreispolitik: ( Foto: Thorsten Richter) 1979 bis 1985 Kreisvorsitzender der Jungen Union, seit 1981 Kreistagsabgeordneter und Mitglied in diversen Ausschüssen, seit 1989 stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Marburg-Biedenkopf, seit 1993 Vorsitzender der Kreistagsfraktion, seit 1993 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Integral, 2007 bis 2016 Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses im Kreistag, seit 2016 Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

Überregional: seit 1997 Mitglied der Regionalversammlung Mittelhessen und seit 2016 Vorsitzender des Haupt- und Planungsausschusses.

Verbände: seit 1996 Vorsitzender der Verbandsversammlung interkommunaler Gewerbepark Salzbödetal, seit 2011 Vorsitzender der Verbandsversammlung des Müllabfuhrzweckverbandes Biedenkopf, seit 2011 Vorsitzender der Verbandsversammlung der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda.

Vereine: 1977 bis 1998 Geschäftsführer des Gewerbe- und Verkehrsvereins Lohra, seit 1999 Vorsitzender der Erwin-Ney-Stiftung, seit 2009 stellvertretender Vorsitzender des Familien- und Seniorenrates Lohra.

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr