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Ein Leben lang für andere da sein

Friedensdorf Ein Leben lang für andere da sein

Heute wird dem Ehepaar Anna und Heinz Paul aus Friedensdorf die Pflegemedaille des Landes Hessen verliehen für die aufopfernde Pflege ihres Sohnes Horst.

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Die 80-jährige Anna Paul, die liebevoll für andere gesorgt hat, erlitt 2008 einen Schlaganfall und ist seither auf die Hilfe anderer angewiesen. Der geistig behinderte Sohn Horst (rechts) wurde von ihr und Ehemann Heinz aufopfernd gepflegt. Dieses Engagement wird heute mit der Verleihung der Pflegemedaille gewürdigt.

Quelle: Privatfoto

Friedensdorf. Heute erwartet Familie Paul einen besonderen Gast: Die hessische Staatssekretärin Petra Müller-Klepper wird in die Gärtnerstraße kommen, um dem Ehepaar die Pflegemedaille des Landes Hessen zu verleihen.

Siegfried Ortmüller hatte das Ehepaar Paul beim Hessischen Sozialministerium vorgeschlagen. Er kennt die Familie seit Jahrzehnten, deren Leben sich mit der Geburt des erstgeborenen Sohnes Horst am 9. Februar 1956 grundlegend verändert hat.

Horst ist geistig behindert zur Welt gekommen. Er benötigt sein Leben lang Hilfe in allen Lebenslagen, weil er auf dem geistigen Niveau eines einjährigen Kindes steht.

Für das Ehepaar Paul war diese Tatsache kein Grund zu verzweifeln. Sie betreuten Horst bis zu seinem 15. Lebensjahr ausschließlich in der gewohnten Umgebung daheim.

1965 kam Tochter Gudrun zur Welt, sechs Jahre später Tochter Christa. 1976 erkrankte Anna Pauls Vater Heinrich Bamberger im Alter von 75 Jahren an Altersdemenz. Die intensive Pflege des Sohnes Horst hat Anna Paul nicht davon abgehalten, auch ihren Vater liebevoll und aufopfernd zu Hause zu versorgen und zu pflegen.

Nach dem Tod von Heinrich Bamberger benötigte seine Frau Margaretha zunehmend Pflege und Unterstützung. Anna Paul kümmerte sich ebenso liebevoll um sie, wie damals um ihren Vater.

Bis zu Margarethas Tod 1983 betreute Anna Paul ihre Mutter im eigenen Heim. Unterstützt wurde sie von ihrem Mann Heinz, allerdings konnte er nur zeitweise etwas der Belastung auf seine Schulter laden, weil er beruflich im Schichtdienst arbeitete.

Sechs Jahr nach dem Tod der Mutter erhielt Anna Paul eine erschütternde Diagnose: Brustkrebs. Zweimal musste sie operiert werden, ein halbes Jahr erhielt sie die für den Körper belastende Chemotherapie. Übelkeit und Haarausfall ertrug sie, ohne zu klagen. Sie habe trotz allem anderen Kraft und Freude geschenkt und somit die schwere Krankheit besiegt, berichtet Tochter Christa Pohl-Grüssges.

Auch Anna Pauls Ehemann erkrankte 1990 schwer. Nach einer Herzmuskelentzündung folgte ein langer Aufenthalt im Krankenhaus, anschließend eine Reha. Seine Gesundheit war dermaßen angeschlagen, dass er in den Ruhestand versetzt wurde. 1996 und 1998 wurden ihm neue Hüftgelenke eingesetzt. Während dieser Zeit war Anna Paul für ihn und auch für Sohn Horst eine wichtige Stütze.

Vor zehn Jahren starb Anna Pauls jüngere Schwester an Krebs. Die Ältere traf der Verlust besonders schwer. Sie habe ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer Schwester gehabt und die Nichten Martina, Uwe und “Guni“ seien viel im Hause der Pauls gewesen und sind es noch heute, berichtet Tochter Christa.

Am 12. September 2008, einen Tag vor dem 78. Geburtstag ihres Mannes, schlug das Schicksal bei Anna Paul erneut zu: Sie erlitt einen Schlaganfall und ist seit dieser Zeit voll und ganz auf die Pflege ihrer Familie angewiesen.

Ehemann Heinz, die Töchter Gudrun und Christa haben diese Aufgabe zusammen mit Annas Schwiegersohn Michael Regin gern übernommen.

“Bis zum heutigen Tag trägt Anna ihr Schicksal mit großer Zufriedenheit und schenkt uns allen auch jetzt noch durch ihre lieben Gesten ein Lächeln oder mit einem Händedruck und einer Umarmung, die Kraft, auch diese schwierige Situation gemeinsam zu meistern“, sagt Christa. Ihr Leben lang habe ihre Mutter die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, um für die da zu sein, die Hilfe brauchten.

von Silke Pfeifer-Sternke

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