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Ein Förster betreut heute 2000 Hektar Wald

Forstwirtschaft Ein Förster betreut heute 2000 Hektar Wald

Der Wald galt lange Zeit als Sparkasse des Bauern. Das ist zwar heut nicht mehr so, gleichwohl hat der Forst für Landwirte und die Gesellschaft eine große Bedeutung.

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Der Wald hat eine Vielzahl von Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Die nachhaltige Sicherung der Funktionalität des Waldes ist eine zentrale Aufgabe der Forstwirtschaft.Foto: Hartmut Berge

Gladenbach. Beim Treffen der Landseniorenvereinigung Biedenkopf referierte Karl-Otto Bamberger, ehemaliger langjähriger Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Gladenbach und Privatwaldbesitzer im Altkreis Biedenkopf über die Bedeutung des Privatbauern- und des Privatwaldes für die Gesellschaft.

Dr. Konrad Schulz, Vorsitzender der Landseniorenvereinigung, begrüßte im Hotel Schloßgarten zahlreiche Landsenioren und vor allem als „Waldmensch Nr. 1“ Karl-Otto Bamberger.

Sicherlich konnten sich viele der Landsenioren noch gut an die Entwicklung der heimischen Forstgeschichte mit den Gründungen der Forstbetriebsvereinigungen und der Forstbetriebsgemeinschaft Gladenbach erinnern. Doch Hintergründe und wichtige Aspekte dazu hatte Karl-Otto Bamberger aus Hartenrod in seinem Referat parat und vermittelte diese anschaulich und spannend.

„2013 ist ein denkwürdiges Jahr. Vor 200 Jahre fand die Aufhebung der Leibeigenschaft statt. Vor 75 Jahren erfolgte in Niedersachsen die erste Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft. Der Hessische Waldbesitzerverband und die Betreuung des Privatwaldes blicken auf eine 60-jährige Geschichte zurück.

Wald und Mensch gehören zusammen. Wald ist etwas Besonderes und ein Rohstoff, der alles übertrifft“, so Bamberger. Für die Erstellung eines Bauerngehöftes mit Haus und Stallungen von etwa 20 Meter Länge seien früher etwa 400 Bäume „verbaut“ worden. Schon vor 300 Jahren habe Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft aufgrund des herrschenden Raubbaus erkannt und in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“ - erschienen 1713 auf der Leipziger Ostermesse - festgehalten. Letztendlich sei dem 1764 in Gladenbach geborenen Förstersohn Georg Ludwig Hartig das heutige Forstsystem mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu verdanken.

Dazu gehören die Sortierung in Stamm- und Schichtholz, Bemessung nach Festmeter, Abstufung nach Klassen und das Meistkaufgebot.

Der Privatwald jedoch habe bis dahin keine echte Verwaltung erfahren. Dies habe sich mit der Gründung der Land- und Forstwirtschaftskammer 1950 und 1952 mit der Einrichtung der Forstwirtschaftlichen Beratungsstelle in Gladenbach geändert.

Mit Umstrukturierungfiel Kammerbeitrag weg

Damals entstand mit der Gründung von Forstbetriebsvereinigungen ein neuer Gedanke, den der Gladenbacher Forstamtsleiter Herbert Hoffmann umsetzte. Die erste Forstbetriebsvereinigung unter dem Vorsitz von Jakob Ullrich gründete sich in Kehlnbach und weitere 54 folgten. Bamberger beleuchtete auch die Einrichtung des Feldwegezweckverbandes unter dem Vorsitz des damaligen Gladenbacher Bürgermeisters Karl Waldschmidt, wo in diesen Jahren viel im Feld- und Waldwegebau bewegt worden sei.

Am 16. Oktober 1969 haben die Ankündigung der Auflösung der Land- und Forstwirtschaftskammer und die Einrichtung von Einheitsforstämtern durch Staatssekretär Frank Seibold im Gladenbacher „Deutschen Haus“ viele Diskussionen nach sich gezogen. Doch der in Aussicht gestellte Wegfall des Kammerbeitrages sei ein „Zugpferd“ gewesen. Im Nachhinein betrachtet, resümierte Bamberger: „Wir haben im Hinterland Glück gehabt und der Land- und Forstwirtschaft verbundene Förster erlebt.“

Das 1978 erschienene neue Forstgesetz habe zum ersten Mal die Verankerung des Privatwaldes mit sich gebracht. Der Privatwald - bis dato auch Privateigentum - sei nun für Begehungen durch Personen, wenn auch auf eigene Gefahr, geöffnet worden.

Bamberger ging auf die Entwicklung der Forstämter im Altkreis Biedenkopf ein und bezeichnete es als eine Zumutung, dass mittlerweile ein Revierförster für nahezu 2000 Hektar Wald zuständig sei. Dazu führte er seine Heimatgemeinde Bad Endbach mit 1800 Waldbesitzern an. Hessen Forst Biedenkopf betreut annähernd 21 Hektar Wald, davon sind 39 Prozent Privatwald. „Der Wald als Sparkasse des Bauern“, unter diesem Aspekt stellte Bamberger folgende Berechnung zum Vergleich an. Der Festmeter Fichte habe nach dem Zweiten Weltkrieg 100 Mark eingebracht, dem gegenüber stand ein Maurer-Stundenlohn von 1,50 Mark, - zuzüglich 80 Prozent Unternehmerzuschuss. 2011 lagen der Ertrag für Fichtenholz bei etwa 48 Euro und der Lohn eines Maurers bei 43 Euro. Dennoch haben der Wald und der Ertrag daraus vielen nach dem Zweiten Weltkrieg „nach vorne geholfen“. Der Wald in seiner Vielfalt gerade im Hinblick auf die Umwelt sei ein großer „Leistungsträger“, denn der Erhalt der Umwelt geschehe durch einen gesunden Wald.

Das nächste Treffen der Landsenioren findet am 12. November ebenfalls im „Schloßgarten“ statt, Erika Wrede, geborene Franz, aus Reimershausen wird an einem „lebenden Objekt“, ihrer Mutter Katharina Franz, die Marburger Tracht vorstellen wird. Katharina Franz ist die einzige verbliebene Trägerin dieser Kleidung.

von Helga Peter

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