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Ein Dorf steht auf der Straße

Dorfgemeinschaftshaus-Verkauf Ein Dorf steht auf der Straße

Ortsvorsteher Patrick Voyé rief zu einer öffentlichen Ortsbeiratssitzung in das Dorfgemeinschaftshaus auf und gut 200 Weipolts­häuser kamen. Sie positionierten sich für den Erhalt und den Umbau ihres Dorfgemeinschaftshauses.

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Vor der Ortsbeiratssitzung versammelten sich rund 200 Weipoltshäuser vor ihrem Dorfgemeinschaftshaus, um ihren Protest gegen einen Verkauf des Hauses kundzutun.

Quelle: Anita Ruprecht

Weipoltshausen. „Wir wollen unser Dorfgemeinschaftshaus (DGH) als soziales Zentrum und Mittelpunkt unseres Dorfes erhalten“, sagte Wolfgang Waldschmidt, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins Weipoltshausen am Mittwochabend. Der Kultur- und Heimatverein war im September 2013 von Weipolts­häuser Bürgern und Vereinen zur Intensivierung der kulturellen und sozialen Arbeit in Weipoltshausen gegründet worden, um das DGH zu sanieren und für die Dorfbevölkerung zu erhalten.

Vor gut 40 Jahren sei die alte Schule von Weipoltshausen verkauft worden und von diesem Erlös und vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden der Weipoltshäuser Bevölkerung sei das DGH gebaut worden. Zudem habe jeder Weipoltshäuser Haushalt damals 50 Deutsche Mark für den Bau des Hauses gespendet, berichtete die über 90-jährige Christel Kraft, eine der ältesten Einwohnerinnen des Lohraer Ortsteils, die den Bau des Hauses noch hautnah miterlebte. Es sei eine Schande, dass jetzt die Gemeinde Lohra das Dorfgemeinschaftshaus verkaufen wolle, beendete sie ihre Rede.

Als Verzögerungs- und Hinhaltetaktik bezeichnete Waldschmidt die Politik der Gemeinde im Hinblick auf die Dorferneuerung. Für die energetische Sanierung des DGHs könne die Gemeinde im Zuge der Dorferneuerung 270000 Euro erhalten, müsste noch 130000 Euro zuzahlen und dann könne für 400000 Euro das Gebäude ordentlich saniert werden. ­Danach könnte der Verein ­beziehungsweise die Weipolts­häuser Bevölkerung das Haus übernehmen, sagte Waldschmidt.

Die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit der Vereine, die im DGH stattfinde, sei nicht mit Geld aufzuwiegen, sagte Hans Rücker, Vorstandsmitglied des TSV Weipoltshausen.

Die Schließung der DGHs möchte er nicht mitverantworten, sagte der ehemalige Gemeindevertreter Klaus Debus. Aus diesem Grund habe er sein politisches Mandat niedergelegt. Er schlug seinen Weipoltshäuser Mitbürgern vor, das Haus zu übernehmen, es in Eigenregie zu betreiben und sich von der Gemeinde hinsichtlich des Dorfgemeinschaftshauses unabhängig zu machen.

Nadine Kessler, Vorstandsmitglied des Kultur- und Heimatvereins, schlug vor, eine Petition an den hessischen Landtag zu schicken. „Wir haben acht Jahre versucht, in Sachen Dorferneuerung mit der Gemeinde zu kooperieren, haben in unzähligen Arbeitskreissitzungen Vorschläge und Modelle für das DGH erarbeitet, und wir sind zu keinem Konsens mit der Gemeinde gekommen, sagte Michael Ganz, Vorstandsmitglied im Kultur- und Heimatverein. Er schlug auch vor, das Haus durch die Dorfgemeinschaft zu übernehmen.

Weipoltshäuser wollen vor Gremien Präsenz zeigen

„Wir sollten uns demnächst wirklich die Zeit dafür nehmen und bei allen öffentlichen Sitzungen der politischen Gremien Präsenz zeigen, damit unsere Kommunalpolitiker nicht glauben, sie könnten mit uns machen was sie wollen“, sagte Ortsbeiratsmitglied Kathrin Neuser.

Nach den nahezu zeitgleich stattfindenden Ausschusssitzungen in Lohra (siehe Bericht auf Seite 5), stießen noch einige Kommunalpolitiker zu der Versammlung. „Nur wenn ihr politische Verantwortung tragt, könnt ihr was bewegen, aber nicht wenn ihr fahnenschwingend irgendwo rumlauft“, sagte der Weipoltshäuser Peter Heinze, der für die Grünen Mitglied im Gemeindevorstand ist.

Vor gut 30 Jahren sollte das Kirchverser Schwimmbad zugeschüttet werden, weil der Betrieb für die Gemeinde zu teuer wurde, sagte Heinze. In der Folge davon sei die BfB (Bündnis für Bürgernähe) gegründet worden, ein Förderverein in Kirchvers entstanden und das Schwimmbad sei bis heute eine attraktive Freizeitanlage in der Gemeinde Lohra.

BfB-Fraktionsvorsitzender Harald Rink habe in der Ausschusssitzung als einziger Kommunalpolitiker gegen einen Verkauf der Dorfgemeinschaftshäuser Damm, Nanz-Willershausen, Rodenhausen und Seelbach gestimmt, die heute in der Sitzung der Gemeindevertretung zur Disposition stehen. Man müsse der Politik zeigen, dass sie mit den Bürgern nicht machen könne was sie wolle, sagte Rink.

Gegen 22.30 Uhr beschloss Voyé die Ortsbeiratssitzung, und fasste die Ergebnisse zusammen: Die Eingabe einer Petition mit 300 gesammelten Unterschriften aus Weipoltshausen an den hessischen Landtag, die Teilnahme von Weipoltshäuser Bürgern an der Sitzung der Gemeindevertretung mit Protestplakaten und die Intensivierung der Arbeit des Kultur- und Heimatvereins zur Übernahme des Dorfgemeinschaftshauses.

von Anita Ruprecht

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