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Edle Stoffe veredeln historisches Stück

Musical Edle Stoffe veredeln historisches Stück

Rund 100 historische Kostüme werden für das Musical "Eingefädelt" benötigt, 60 stammen aus dem Fundus von Anja Klaus aus Schwarzenborn.

Biedenkopf . Seit ihrem 15. Lebensjahr näht Anja Klaus Kostüme. Ihr Fundus zählt 300 liebevoll gefertigte Kleidungsstücke. In seltenen Fällen entsteht ein Kleid innerhalb von zehn Stunden, meist nimmt sich Klaus aber mehr Zeit - viel mehr Zeit: Ein Kleidungsstück muss wachsen. Die Ideen entstehen in ihrem Kopf. Bei historischen Kleidern orientiert sie sich aber an Vorlagen. Kleine Details sind wichtig: Ob ein Ausschnitt rund oder eckig ist oder ob ein Kleidungsstück eine Rückenschnürung erhält, entscheidet sie nach vorhandenem Bildmaterial.

60 Kostüme aus der Epoche Mittelalter haben sich die Verantwortlichen für das Musical „Eingefädelt“ bei Klaus bereits reserviert. Ein paar Kleider muss sie allerdings noch schneidern.

Dass die Kostüme nicht ganz authentisch sind, stört Birgit Simmler, Kulturreferentin der Stadt Biedenkopf, nicht. Entscheidend sei die Optik. Bei einem Stück, von Tuchhändlern handelt, seien Naturfasern das A und O.

Servicepersonal bewirtetin historischen Kostüme

Benötigt werden Kleidungsstücke, die die verschiedenen Schichten repräsentieren: das bäuerliche Leben, den Mittelstand, das Kleinbürgertum und die herrschende Klasse. Für letztere muss Klaus noch prunkvolle Kleidungsstücke nähen. Nach langem Grübeln hat sie den Entschluss gefasst, einen schlichten Grundstoff zu verwenden und ihn mit Borten „aufzuhübschen“. „Davon habe ich mittlerweile eine ganze Kiste voll“, sagt Klaus und zeigt Zuversicht, das Problem zur Zufriedenheit der Musical-Verantwortlichen zu lösen.

Ein bis zwei Kostüme bei Hof werden für das Musical gebraucht, das in der unruhigen Zeit der frühen Reformation spielt. Die Hauptdarstellerin Katha, gespielt von Yana Gercke, ist gezwungen, einen neuen Platz für sich zu finden. Denn sie wird zu einer zentralen Gestalt in einem abenteuerlichen Plan zur Befreiung des Hessischen Landgrafen Philipp des Großmütigen aus der Gefangenschaft. Die drei Abendvorstellungen vom 23. bis zum 25. August sind bereits ausverkauft. Es sind nur noch Restplätze bei den Nachmittagsvorstellungen am 24. und 25. August frei.

Aber nicht nur die Darsteller werden die Zuschauer im Schlosshof des Biedenkopfer Landgrafenschlosses in einer andere Zeit entführen. Auch das Servicepersonal wird die Gäste in historischen Kostümen bewirten. Da es gar nicht so einfach ist, 100 historische Kostüme zu finden, war Simmler sehr dankbar für den Tipp aus der Theaterbranche, der sie auf Anja Klaus aufmerksam gemacht hat. Bereits beim ersten Treffen war man sich einig darüber, miteinander ins Geschäft zu kommen.

„Sie war sehr gut vorbereitet und hat uns gezeigt, was in ihrem Fundus aus welcher Epoche stammt“, sagte Simmler. Klaus fertigte extra für das Stück „süße Marktkostüme“ an und verfüge über ein großes Arsenal an Accessoires: Kopfbedeckungen und Umhänge. Dadurch sei ein schnelle „Verwandlung“ der Darsteller möglich.

Bei offizieller Anprobe werden Kostüme geändert

Zunächst müssen die Kostüme den Trägern angepasst werden. Klaus fertigt in Konfektionsgröße: 36 bis 38. Bei den Kleidungsstücken wird entweder Saum ausgelassen oder auch umgenäht oder es wird entsprechend enger gesteckt. Die erste offizielle Anprobe ist für den 2. bis 4. August terminiert.

Für Klaus ist der Auftrag ein ganz besonderer. Bisher verleiht sie die Kostüme größtenteils durch Mund-zu-Mund-Propa­ganda oder über das Internet. Die Einnahmen decken mittlerweile sogar ihre Kosten. Was als Hobby begann, ist zu einem Nebenerwerb geworden - aber nur, weil der Fundus immer größer wurde. Zunächst hat Klaus die Kostüme eher ungern abgegeben. Mit der Idee des Verleihens hat sich Klaus ein Jahr Zeit gelassen. Inzwischen trennt sie sich schon mal von ihren Einzelstücken und verschenkt sie an Theatergruppen.

Ihr erstes Kostüm nähte sie auf der alten Tretnähmaschine ihrer Oma aus einer alten Gardine ihre Mutter. 2014 feiert Klaus das zehnjährige Bestehen ihres Nebenerwerbs. Zum Teil näht Klaus auch auf speziellen Kundenwunsch, zum Beispiel für Prinzenpaare. Stammvereine kommen jedes Jahr wieder zu ihr. „Sie mögen meine Ideen“, sagt Klaus selbstbewusst.

Ihr Atelier „Kostümzauberwelt“ befindet sich im Keller ihres Wohnhauses und ist zu einem Ort geworden, an dem Klaus gern viele freie Stunden verbringt.

von Silke Pfeifer-Sternke

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