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Durchblick in Bauzaun-Posse gesucht

Hinrichtungswerkzeuge Durchblick in Bauzaun-Posse gesucht

Im Streit mit der Stadt um die Verhüllung von Hinrichtungswerkzeugen in Miniatur deutete sich eine Lösungsmöglichkeit an. Mit Flüchtlingen soll erörtert werden, ob sie sich an den Darstellungen stören.

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Die Miniaturen von Hinrichtungswerkzeugen in einem Vorgarten in der Bahnhofstraße ließ das Ordnungsamt der Stadt Gladenbach für kurze Zeit durch einen Bauzaun verhüllen. Nun scheint eine andere Lösung möglich.

Quelle: Gianfranco Fain

Gladenbach. Ist das die Lösung, von der Bürgermeister Peter Kremer hoffte, dass sie gefunden wird? Am Freitagnachmittag trafen sich Christoph Schiefelbusch und Edmund Zimmermann zu einem Gespräch, das beide als „sehr positiv“ bezeichnen. Dazu gekommen ist es, weil der eine selbstgeschaffene Kunstwerke in seinem Vorgarten stehen hat und der andere sich um Flüchtlinge kümmert.

In dieser Eigenschaft war Zimmermann am Mittwoch in der Bahnhofstraße, um sich mit anderen Vertretern der Stadt ein Bild vom neu hergerichteten Haus zu machen, das nun bis zu 80 Flüchtlinge beherbergen wird. Dabei bemerkte der Kommunalpolitiker der Grünen einen mannshohen, mit einer Plane verhängten Bauzaun, der vor dem Eingang und Vorgarten des Nachbarhauses aufgestellt war. „Mit Erstaunen und Verärgerung“, wie Zimmermann berichtet. Er fragte nach einer Erklärung für dieses seltsame Schutzvorrichtung.

Gegenstände stehen dort schon mehr als zwei Jahre

Wie die OP am Donnerstag berichtete, hatte die Stadt den Zaun errichten lassen, aus Sorge, was bei den eventuell traumatisierten, vor Gewalt und Verfolgung geflüchteten Menschen der Anblick von Hinrichtungswerkzeugen auslösen könnte. Die Miniaturen eines Henkerbeils, eines Streithammers, eines Galgens, einer Guillotine und eines Kannibalenkochtopfs hatte Schiefelbusch angefertigt - und berief sich auf seine künstlerische Freiheit, als der Bürgermeister erst in Gesprächen bat, dann in Briefen vom Ordnungsamt um Abdeckung der Gegenstände ersucht und androht wurde, dies Schiefelbusch aufzuerlegen.

Der 45-Jährige sah das nicht ein, schließlich stehen die Gegenstände schon länger als zwei Jahre an ihrem Platz, ohne dass sich bisher jemand daran störte, und widersprach schriftlich, machte zudem den Schriftverkehr auf seiner Facebook-Seite publik. Rund 1200 Zugriffe bis Freitag, und davon nach Schiefelbuschs Angaben kein negativer, machten das Thema öffentlich. Die Stadt versuchte zu retten, was noch zu retten war, und ließ noch am Mittwochnachmittag den Zaun durch Bauhofmitarbeiter wieder abbauen. Doch da war die Sichtsperre schon Stadtgespräch, drohte zur Lokalposse zu werden, für die sich bereits überregionale Medien interessierten.

Alles bleibt erstmal, wie es ist

Der Zaun wurde deshalb abgebaut, um nicht Menschen, die sich gegen Flüchtlinge äußern wollen, eventuell ein Forum zu geben, begründete der Bürgermeister den Rückbau. Aufgebaut worden war er auf Empfehlung des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, als mildestes Mittel vor einer Abrissverfügung (die OP berichtete).

Nun bleibt erst einmal alles so, wie es ist - jedenfalls wenn es nach Schiefelbusch und Zimmermann geht. Man will zunächst versuchen zu klären, woher die Flüchtlinge nach Gladenbach kommen. „Das wäre wichtig zu erfahren“, sagt Zimmermann, nur: Der Kreis bekomme kurzfristig eine Mitteilung des zuteilenden Regierungspräsidiums in Gießen.

Einlenken bei stark gefährdeten Flüchtlingen

Flüchtlinge aus Eriträa und Somalia dürften die Kunstgegenstände keine Probleme bereiten, meint Zimmermann. Dies hätten ihm auch schon einige bestätigt, die in der Kreuzstraße untergebracht sind, berichtet Zimmermann aus seiner Arbeit bei der Flüchtlingshilfe. „Für Menschen aus Syrien, Irak oder dem arabischen Raum könnte es aber ein Problem sein“, sagt Zimmermann. „Wir haben da keine Erfahrung, das muss geklärt werden.“

Schiefelbusch hat jedenfalls schon zugesagt, im Falle von stark gefährdeten Menschen sofort zu reagieren. Dennoch: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Stadt eine fiktive Situation schafft.“

Nun bleibt abzuwarten, wie die Stadt reagiert. Der Bürgermeister hatte angekündigt, das Ergebnis des Gesprächs abzuwarten.

von Gianfranco Fain

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