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Dreifache Mutter muss drei Jahre in Haft

Kind wäre fast verhungert Dreifache Mutter muss drei Jahre in Haft

Die 24-jährige dreifache Mutter, die vor zwei Jahren ihre fast einjährige Tochter beinahe verhungern und verdursten ließ, wurde gestern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Eine 24-Jährige wurde am Mittwoch vor dem Landgericht Marburg wegen versuchten Totschlags zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie hatte 2012 ihre fast einjährige Tochter fast verhungern und verdursten lassen. Ihr Verteidiger Alexander Pfaff forderte eine Bewährungsstrafe.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wenn ich könnte, würde ich alles wieder rückgängig machen. Ich gebe mir Mühe, in Zukunft eine bessere Mutter zu sein“, sagte die Angeklagte unter Tränen vor der Urteilsverkündung.

Die Schwurgerichtskammer am Landgericht unter dem Vorsitz von Dr. Carsten Paul sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte ihr Kleinkind über einen Zeitraum von zwei Wochen vernachlässigt hat. Wegen versuchten Totschlags und Misshandlung einer Schutzbefohlenen wurde die Angeklagte zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Vier Monate der Strafe gelten als verbüßt, da sich das Verfahren über zwei Jahre hingezogen hat. Regungslos nahm die Angeklagte das Urteil auf.

Ihre kleine Tochter wog am 16. Februar 2012 nur noch 3600 Gramm, war mit Kot verschmiert und zeigte kaum noch Lebenszeichen. Auf Fotos war „jeder einzelne Knochen zu sehen“, betonte Staatsanwalt Sebastian Brieden. Ohne medizinische Versorgung hätte das Kind noch eine Lebenserwartung von 1 bis 2 Tagen gehabt.

Nur wegen des couragierten Eingreifens einer Familienhelferin des Jugendamtes und einer Ärztin des Universitätsklinikums Marburg ist das Kind noch am Leben. Das Jugendamt nahm es und seine Schwester am Nachmittag des 16. Februar 2012 aus einer Wohnung in Gladenbach in seine Obhut.

Staatsanwalt plädierte auf versuchten Mord

Eine Schuldunfähigkeit der Angeklagten aufgrund ihrer seltenen Bluterkrankung sah die Kammer nicht. Grausamkeit und rohe Gesinnung stellte sie auch nicht fest. Stattdessen wurde von einer Überforderung der damals 22-Jährigen ausgegangen, die als Alleinerziehende zwei Kleinkinder zu versorgen hatte. Als Triebfeder für die Tat wertete die Kammer die offenkundig vorliegende Meinung der Angeklagten, ein „sozial angepasstes Verhalten“ zeigen zu müssen. Die Angeklagte hatte vor der Tatzeit zahlreiche Hilfsangebote ausgeschlagen. Zudem hatte sie vor Verwandten und der Familienhelferin gelogen, um den schlechten Zustand des Kindes zu verheimlichen.

Staatsanwalt Brieden wertete dieses Verhalten als besonders schlimm. Er ging davon aus, dass sehr wohl das Merkmal der Grausamkeit vorliegt. Er plädierte auf versuchten Mord und forderte sechs Jahre und vier Monate Haft. Die Angeklagte habe den Tod ihres Kindes billigend in Kauf genommen und ihm Qualen zugefügt. Sie habe um die unzureichende Versorgung ihrer Tochter gewusst, die wegen Hunger und Durst unter Schmerzen litt.

„Es war eine zutiefst egoistische Entscheidung gegen das Kind, das die Angeklagte jedes Mal neu bestätigte, wenn sie Hilfsangebote torpediert hat“, sagte Brieden.

Verteidiger Alexander Pfaff plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Er sprach von einem Fall, der in mehreren Gesichtspunkten berührt. Von einer Mutter werde erwartet, dass sie funktioniert und dass sie ihr Kind beschützt. Die Angeklagte habe sich zur Tatzeit allerdings auf einer Talfahrt befunden: Trennung vom Ehemann, unerkannte Schwangerschaft und Überforderung. Obwohl die Schwester das Jugendamt eingeschaltet habe, habe sich die Versorgung verschlechtert - auch ihre eigene.

„Sie hat das Kind geliebt“, sagte Pfaff. Sie sei körperlich aber nicht dazu in der Lage gewesen, es zu versorgen. Aus seiner Sicht war fraglich, ob seine Mandantin erkannte, wie schlecht es um ihre Tochter bestellt war, die bis auf das Gewicht eines vier Monate alten Babys abgemagert war.

von Silke Pfeifer-Sternke

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