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Kuhls verbinden Tradition mit Moderne

Direktvermarkter Kuhls verbinden Tradition mit Moderne

Kuhls Hof in Rodenhausen ist bereits Jahrhunderte alt. Vor zwei Jahren  stellten Norman und 
Katharina Kuhl den
Betrieb auf Bio um. Sie haben noch viel vor.

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Bio- und Freilandhaltung für alle – danach leben und arbeiten Norman und Katharina Kuhl, geben diese Überzeugung auch an ihre Söhne Henrik (rechts) und Jakob weiter.

Quelle: Ina Tannert

Rodenhausen. In idyllischer Lage am Ortsrand von Rodenhausen umgeben von zahlreichen Wiesen, Äckern und Waldgebieten liegt „Kuhls Hof“, der im hofeigenen Laden ausschließlich Bio-Produkte nach strengen Richtlinien verkauft.

2004 übernahmen Norman und Katharina Kuhl den elterlichen Betrieb. Vor zwei Jahren erfüllte sich das Paar einen „großen Traum“ – es stellte den Betrieb auf Bio um. Rein biologisch erzeugte Kartoffeln, Eier, Wurstwaren, Zwiebeln und Salat werden seitdem im kleinen Hofladen verkauft. Der Hof führt mittlerweile das Bioland-Siegel, soll ab dem kommenden Jahr zertifiziert sein. Die Umstellung nach strengen Vorgaben war eine große Herausforderung, „aber es ist einfach so sinnvoll, wir würden es nie wieder anders machen“, schwärmt das Paar.

„Wir wollen arbeiten wie die Menschen früher“

Nicht zuletzt angesichts des Preisverfalls in der Landwirtschaft war eine Entwicklung hin zum Biohof sinnvoll und notwendig, „Lebensmittel darf man einfach nicht verramschen“, betont Katharina Kuhl. Wichtig war den Betreibern vor allem als Selbstversorger, nachhaltig und tiergerecht wirtschaften zu können. „Wir wollen wieder so arbeiten wie die Menschen früher“, lautet ihr Credo; eben wie Bauern vor Jahrhunderten, nur mithilfe modernder Technik.

Ihre Tiere haben für die Familie dabei nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen ideellen Wert: Auf zahlreichen Wiesen, Koppeln und in Ställen tummeln sich überall um und auf dem Hof zahlreiche Galloway- und Limousin-Rinder, Alpine Steinschafe, Pferde, Hühner und Schweine in Freilandhaltung, denen Kuhls vor kurzem eine Stall-Terrasse samt Sonnensegel bauten.

Mit besonders strengen Bio-Regeln, wie der Vorgabe von mindestens vier Quadratmetern Auslauf pro Huhn, kommen sie gut zurecht. „Das ist auch gut so, entweder ich mache es richtig oder gar nicht – wenn es den Tieren nicht gut geht, habe ich ein Problem“, sagt Katharina Kuhl.

Ihre Überzeugung gibt sie auch an ihre drei Kinder weiter, die bereits tatkräftig mit Hand anlegen bei der Hofarbeit. Auf Drängen von Sohn Henrik wurden die seltenen Alpinen Steinschafe angeschafft, um die sich der Zwölfjährige kümmert. Mit der Wahl der seltenen Rasse­ wollen Kuhls auch zu deren ­Erhalt beitragen. Massentierhaltung lehnt das Paar strikt ab, setzt voll auf artgerechte Freilandhaltung und kurze Transportwege. Geschlachtet werden die Tiere in einer Fleischerei im Nachbarort Weidenhausen, gewürzt wird mit Bio-Gewürzen. Regionalität, Bio und Nachhaltigkeit sind fester Bestandteil im Hofalltag.

„Es ist sowieso traurig, dass zwischen Konventionell und Bio unterschieden wird, es sind alles Tiere“, ärgert sich Katharina Kuhl. Das Futter für die Tiere baut die Familie selbst an, mit dem Mist werden die ­Felder gedüngt. Rund um den Hof wachsen Weizen, Gerste, ­Hafer, Ackerbohnen, Kartoffeln, Klee und Salat – alles aus biologischer Erzeugung. Den Kreislauf komplettiert die Forstwirtschaft, Holz für den Heizkessel der Familie stammt aus dem ­eigenen Wald.

Überschuss an Getreide verkauft der Hof an Bioland. Auf der Verkaufstheke landet nur das „was wir selbst anbauen“, erzählt das Paar. Sechs Tage in der Woche hat der kleine Hofladen geöffnet, dann herrsche stets Hochbetrieb auf dem Hof. Die Nachfrage ist groß: Kunden schauen sich gerne auf dem Gelände um, besuchen die Tiere und erkundigen sich über die Haltungsform und die Wurst­herstellung.

Betreiber wünschen sich Kooperation mit Schulen

„Die traditionelle, freie Haltung wie früher kommt an bei den Leuten, die wollen den ursprünglichen Geschmack der Wurst wieder haben“, sagt Norman Kuhl. So hoch die Nachfrage auch ist, stetig weiter wachsen soll der Hof nicht, „wir wollen weg von dem Prinzip: immer mehr und immer größer – wir setzen auf Qualität und Regionalität“.

Mitarbeiter im eigentlichen Sinne hat der Hof noch nicht, nach wie vor bewirtschaften­ Kuhls ihren Betrieb im Neben­erwerb. Für die Zukunft ­
wünscht sich das Paar eine ­Zusammenarbeit mit Schulen, um das Leben auf einem nachhaltig arbeitenden Bauernhof bekannter zu machen. Demnächst soll ein mobiler Hühnerstall für die wachsende Geflügelschar gekauft werden.

Weitere Pläne für den noch jungen Biohof haben Kuhls daneben noch so einige, etwa die Vermarktung ihrer Produkte in Bio- und Feinkostläden und auf ­Wochenmärkten. Langfristig plant das Paar auch den Internethandel zu fokussieren, die Bio-Produkte online anzubieten und damit „die Tradition mit der Moderne zu verbinden“.

  • Öffnungszeiten Hofladen: Montag bis Freitag: 15 Uhr bis 18 Uhr; Samstag 9 bis 13 Uhr.

von Ina Tannert

Betriebsdaten
Name: Kuhls Hof
Gründungsjahr: 2014 umgestellt auf Biobetrieb
Fläche und Anbau: 33 Hektar Wiesen und Äcker; 5 ½ Hektar Wald
Tierhaltung: Rinder, Pferde, Schweine, Schafe, Hühner
Vermarktung: Hofladen; Verkauf Getreide an Bioland
 
 
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