Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Die letzte Ruhe wird erheblich teurer

Gebühren für Bestattungen und Friedhofsnutzung steigen Die letzte Ruhe wird erheblich teurer

Beim sensiblen Thema der Friedhofsgebühren wollen die Gemeindevertreter 
 offenbar nicht der reduzierten Vorgabe des Gemeindevorstands folgen.

Voriger Artikel
Juliradeln vom Naturkundehaus bis zur Therme
Nächster Artikel
Fahrer und Beifahrer schwer verletzt

Der Friedhof im Lohraer Ortsteil Kirchvers.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Es ist für die Gemeinde Lohra Segen und Fluch zugleich, dass sie in der Umstellung von der kameralistischen auf die doppische Buchführung führend ist. Dadurch verfügt sie zwar über die Möglichkeit einer genauen internen Leistungsverrechnung, doch diese bringt auch unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht.

Jüngstes Beispiel sind die Friedhofsgebühren, die letztmals im Jahre 2003 angepasst wurden. Eine Aktualisierung fassten Gemeindevorstand und auch Gemeindevertretung im Hinblick auf die Haushaltskonsolidierung der hoch verschuldeten Gemeinde zwar schon vor Jahren ins Auge, entschieden dann aber, die Möglichkeiten der neuen Zahlenauswertungen abzuwarten, um belastbare Zahlen zu haben und einer Anpassung womöglich nicht gleich eine weitere folgen zu lassen.

Seit dem vergangenen Jahr liegen die Zahlen vor und wurden unter Verschluss gehalten. Zu brisant erschien vielen das Ergebnis, ergaben sich doch in wenigen Fällen Gebührenminderungen, aber eben auch Verteuerungen bis zum Vierfachen der derzeit noch gültigen Sätze – wenn man von einem Kostendeckungsgrad von 100 Prozent ausgeht. Dieser bedeutet, dass die Gemeinde keinen Gewinn an der Totenkultur macht.

Doppelt, drei- und auch vierfach teurer

Da aber selbst der vom Land Hessen geforderte und vom Gemeindevorstand erst vorgeschlagene Kostendeckungsgrad von 80 Prozent in den gemeindlichen Gremien nicht durchsetzbar erschien, kam das Thema vor der Kommunalwahl nicht auf die Tagesordnung der Gemeindevertretung.

Nun liegt die Beschlussvorlage des Gemeindevorstandes für die Gemeindevertretersitzung am Donnerstag, 14. Juli, vor. Die neue Fassung der Gebührensatzung sieht einen Kostendeckungsgrad von 60 Prozent vor. Das bedeutet zum Beispiel eine Senkung der Kosten für die Sargträger von 250 auf 100 Euro oder die Vergünstigung einer Urnenbestattung um rund zwei Drittel auf 55 Euro, aber die Vervierfachung der Nutzungsgebühr für die Friedhofshallen von 40 auf 165 Euro oder eine Verdopplung der Bestattungsgebühr in einem Reiheneinzelgrab von 550 auf 1200 Euro. Ähnliche Steigerungssätze gibt es bei den Grabnutzungsgebühren – der Pachtzahlungen für die Nutzung der Friedhofsflächen.

Im Vergleich mit umliegenden Gemeinden, die ihre Gebühren noch keiner Leistungsverrechnung zugrundelegen, ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Teils liegen die Gebühren deutlich unter den neuen, in Lohra kalkulierten, Sätzen – zum Beispiel bei der Nutzung der Leichenhallen oder der Bestattung in ein Reiheneinzelgrab in manchen aber auch über den neuen Lohra-Sätzen, wie zum Beispiel bei der Nutzungsgebühr für ein Urnengrab.

Von erheblichen Gebührenunterschieden im „direkten Vergleich mit Kommunen ähnlicher Größe bei denselben Bestattungsarten“ ist denn auch in der Beschlussvorlage zu lesen. Diese waren im Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstagabend aber nicht der Grund für längere Diskussionen, es ging vielmehr um Details, an denen sich hauptsächlich die Vertreter der BfB-Fraktion stören.

Hauptausschuss gibt 
keine Empfehlung

Neben redaktionellen Änderungen geht es vor allem um die Klärung einzelner Punkte wie zum Beispiel dem großen Gebührenunterschied zwischen der auf 30 Jahre angelegten Nutzung eines Reiheneinzelgrabs für 1155 Euro und der eines Rasenreiheneinzelgrabs für 2190 Euro, oder dass es zwischen einer Erst- und Zweitnutzung eines Reihendoppelgrabs keinen Gebührenunterschied gibt, oder weshalb die Gebühr für die Nutzung einer Baumgrabstätte für Urnen mit 55 Euro so niedrig ist. Verwaltungmitarbeiter Lars Plitt sagte zu, diese Fragen mit dem Büro, das die Kalkulation vorgenommen hat, zu klären und die Antworten den Ausschussmitgliedern zukommen zu lassen.

Als Kathrin Neuser (BfB) die Kosten für die Nutzung der Friedhofshallen kritisierte, weil es erhebliche Unterschiede gebe wie zum Beispiel in Kirchvers und anderen Orten, wo es sich um kalte und zugige, weil nicht verschließbare Hallen handele, nahm die Diskussion Fahrt auf.

Sozialdemokrat Armin Habermann warnte davor, mit den Friedhofshallen ein Grundsatzfass aufzumachen. Er plädierte dafür, „das Grundprinzip der Solidarität beizubehalten“. Denn die Gemeinde müsse alle Friedhofshallen aufrecht erhalten.

Der SPD-Fraktionschef Kurt Schwald sprach von einer „knallharten Rechnung“, aber man habe 13 Jahre lang nichts gemacht und müsse nun gegensteuern, auch um die Konsolidierung des gemeindlichen Haushalts weiter voranzubringen.Auch Karl Kleefenz sprach sich dafür aus, nicht „alles einzeln aufzudröseln“. Der Vertreter der Grünen findet die Gebührenkalkulation „sehr nachvollziehbar“.

Werner Waßmuth schlug eine mögliche Lösung vor. Man könne darüber nachdenken, wie Friedhofshallen definiert werden sollen, sagte der CDU-Fraktionschef. Letztlich gab der Ausschuss ob der ausstehenden Informationen keine Empfehlung für die Gemeindevertretersitzung, die am Donnerstag, 14. Juli, um 19 Uhr im Bürgerhaus Lohra beginnt.

CDU und SPD kündigen Änderungsantrag an

Dann steht auch die Beantwortung einer BfB-Anfrage an. Die Fraktion will wissen, wie sich der Personalaufwand der Gemeindeverwaltung und des Bauhofes für die Erstellung eines Einzelgrabes zusammensetzt. Zur Begründung heißt es, die Kosten müssten transparent und schlüssig dargestellt werden, um eine Akzeptanz bei den Gebührenpflichtigen zu erreichen.

Ferner wird es dann auch um einen Änderungsantrag der CDU- und SPD-Fraktion gehen. Diese wollen die Gebührenerhöhung auf 50 Prozent der Kostendeckung begrenzen und nach jährlicher Prüfung in 10-Prozent-Schritten weiter anpassen, bis ein Ausgleich des Gebührenhaushalts erreicht ist

von Gianfranco Fain

 
Die Tabelle zeigt einen Auszug aus den vom Gemeindevorstand vorgeschlagenen Gebührenänderungen für Bestattungen und die Nutzung der Friedhöfe in der Gemeinde Lohra.
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr