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Die ersten Schlagopfer sind gefunden

Windpark Hilsberg Die ersten Schlagopfer sind gefunden

Die Windräder am Hilsberg über Holzhausen haben offenbar erste Todesopfer gefordert. Zwei Vögel, ein Rotmilan und ein Fichtenkreuzschnabel, sowie eine Zwergfledermaus wurden verendet vorgefunden.

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Der von Otto Lixfeld gehaltene Rotmilan lag im Bereich des Windrades am Standort 2 tot am Boden.

Quelle: Heribert Theis

Bottenhorn. Spaziergänger haben am Wochenende einen Rotmilan unter der Windkraftanlage am Standort 2 und einen seltenen Fichtenkreuzschnabel sowie eine Zwergfledermaus am Standort 5 verendet vorgefunden.

Otto Lixfeld, Vorsitzender des Vogelschutzvereins Holzhausen, wurde darüber informiert. Er sah sich die Situation und die toten Tiere vor Ort an und hat keinen Zweifel daran, dass die Tiere durch die Rotoren der Windräder ums Leben gekommen sind.

Die Fledermäuse lebten in deren Nähe in Bäumen und würden nachts auf Nahrungssuche gehen. Bei Annäherung an die Windräder würden die Lungenbläschen dieser kleinen Tiere platzen und den Tod zur Folge haben. Auch die Vögel hätten schon seit Jahren ihre Brutstätten im Bereich der Windkraftanlagen, erklärt er.

„Der Tod der Tiere ist eine traurige Nachricht, ich bin tief betroffen“, sagt Lixfeld. „Wir haben gerade für den Rotmilan eine besondere Verantwortung“, fährt der Vogelschützer fort. In Europa, und darin sei Deutschland das Kerngebiet, würden 60 bis 70 Prozent des Weltvorkommens der Rotmilane beherbergt. Daraus ergebe sich bei uns eine Pflicht zum Schutze dieser Vögel.

Bereits Anfang April beginnt die Eiablage der Milane. Am Brutgeschäft sind immer beide Elternteile beteiligt erläutert Lixfeld. Wenn ein Partner ausfalle, werde das Brüten beendet. Somit sind laut Luxfeld in diesem Jahr allein durch den Tod des aufgefundenen Rotmilans zwei weitere Tiere verloren, weil Milane in der Regel zwei Eier ablegen. „Leider haben die Milane bei Windrädern kein Meideverhalten“, erklärte Vogelschützer Lixfeld. „Sie fliegen bedenkenlos in den Gefahrenbereich hinein.

„Aus diesem Grunde besagt die Absprache aller Vogelwarten Deutschlands, dass Windräder nur in einem Abstand von mindestens 1500 Metern von den Brutgebieten der Rotmilane aufgestellt werden sollten“, führt er fort. Dies sei aus dem sogenannten „Helgoländer Papier“ ersichtlich, welches die Vogelwarte gemeinsam erstellt haben.

Die am Wochenende aufgefundenen Tiere seien nur „die Spitze des Eisberges“, betont Lixfeld. Es müsse davon ausgegangen werden, dass Raubwild, wie Fuchs, Marder, Wiesel, Krähenvögel und auch Ratten im Bereich der Windräder stets einen „gedeckten Tisch“ vorfinden. Verendete Tiere könnten daher nur zufällig gefunden werden.

Um weitere Tieropfer zu vermeiden, wünscht sich Lixfeld ein Monitoring. Es müssten an den Windkraftanlagen Sensoren angebracht werden, die den Flug der Tiere erkennen und dann die Rotoren abschalten.

Laut Lixfeld stehen Fichtenkeuzschnabel und Zwergfledermaus (kleine Fotos: Theis) neben anderen am Hilsberg vorkommenden Tierarten unter Naturschutz. Auch der Rotmilan sei eine geschützte Art. Diese Tierarten könnten sich bei der Auswahl ihres Lebensraums naturgemäß nicht nach den Standorten von Windkraftanlagen richten. Die Betreiber von Windkraftanlagen müssten sich demzufolge nach dem Lebensraum der Tierarten richten.

von Heribert Theis

 
Hintergrund

Kommt ein Flugtier in die Nähe eines Rotorblattes, saugt es ein Unterdruck an und tötet es. Der Unterdruck entsteht durch die Luftströmung an den Rotorblättern und schwankt wie die Geschwindigkeit des Windes. Die Druckschwankungen verstärkt noch der Turm-Effekt: Wenn ein Rotorblatt am Turm vorbeisaust, fällt der Winddruck ab und das Rotorblatt springt vor und zurück. Das hört man als Wummern. Die Sogwirkung verdeutlicht ein Versuch. Hält man zwei Blatt Papier in geringem parallelen Abstand und bläst hindurch, so zieht sie der Sog aufeinander zu. Ist eines davon ein Karton (Rotor), zieht der Sog das Papier (Vogel) auf den Karton. Werden Tiere von einem Rotorblatt getroffen, sind sie tot. Aber auch die heftigen Druckschwankungen lösen innere Verletzungen wie Luftminen bei Menschen im 2. Weltkrieg aus, deren Lungen zerrissen wurden.

Quelle: Dr. Friedrich Buer, „Windräder töten Vögel und Fledermäuse . . .“

 
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