Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Die „besondere Eigenständigkeit“ lebt

Mundartgedichte Die „besondere Eigenständigkeit“ lebt

60 Senioren erlebten einen adventlichen Nachmittag mit Mundartgeschichten und -gedichten. Professor Hans Friebertshäuser, der aus Weidenhausen stammt, trug sie in seiner Muttersprache vor.

Voriger Artikel
Biedenkopfs Kämmerer muss Haushaltentwurf ändern
Nächster Artikel
Resolutionen sollen Umdenken einleiten

Professor Hans Friebertshäuser trugt während eines adventlichen Nachmittags 60 Senioren Mundartgedichte und -geschichten aus dem Hinterland vor.

Quelle: Helga Peter

Gladenbach. Zu einem Adventsnachmittag im Hotel „Am Schloßgarten“ begrüßte Dr. Konrad Schulz, Vorsitzender der Landseniorenvereinigung Biedenkopf, etwa 60 Gäste, darunter vor allem Professor Hans Friebertshäuser mit seiner Gattin. Gespannt erwarteten die Landsenioren den angekündigten Vortrag von Friebertshäuser mit Geschichten und Gedichten aus dem Hinterland. Stammt dieser doch aus der Region in der er 1929 in Weidenhausen geboren wurde.

Die Landsenioren-Zusammenkunft war keinesfalls eine „ernste Stunde“. Vielmehr trugen die humorvollen Beiträge sowohl von Dr. Konrad Schulz als auch von Friebertshäuser dazu bei, dass die Lachmuskeln bewegt wurden.

Umzingelt von feindlichen Mächten: Das Hinterland

In einem kurzen Abriss stellte Schulz die Geschichte des Hinterlandes vor, die aus der Erbteilung nach Philipp I., dem Großmütigen, resultiert, nach der am 1. April 1623 ein Landstrich von 60000 Kilometern mit 80000 Hektar dem Großherzogtum Darmstadt zugesprochen wurde. Dieser Landstrich erhielt aus der Sicht von Darmstadt den Namen „Hinterland“. Im Jahre 1866 entfielen daraus das Amt Vöhl am Edersee und 1932 auch Battenberg sowie Königsberg, sodass diese Einheit nunmehr 40000 Hektar umfasste und 60000 Einwohner zählte. Schulz berichtete auch, dass das Hinterland, umzingelt von feindlichen Mächten, sich zu einem Raum mit einer besonderen Eigenständigkeit entwickelte.

Friebertshäuser trug in seiner Muttersprache, der Weidenhäuser Mundart, zunächst Kurztexte mit landläufigen Sprichwörtern und Redensarten vor. So war die Rede vom „Gaul, der die Hower (Hafer) verdient, gritt se nitt“, womit landläufig gemeint ist, dass oft der, der Leistung erbringt nicht den angemessenen Lohn erhält. Ein anderes Sprichwort: „Em geschenkte Gaul, guckt mer nit ens Maul“ sagt aus, was es mit dem Wertbemessung von Geschenken auf sich hat.

Friebertshäuser, in Weidenhausen „Deis Hans“ genannt, ging auch auf die ortsüblichen Hausnamen ein, mit denen gerade bei Namensgleichheit Personen exakt zugeordnet wurden. Nicht außer Acht ließ er dabei die Spitznamen einiger Dorfbewohner. Diese Ausführungen sorgten sehr für Heiterkeit unter den Zuhörern, die sich an Weidenhäuser Persönlichkeiten, wie „Beethoven“, einen begabten Musiker, oder den „General“ noch gut erinnern konnten.

Verdorbenes Deutsch würden Mundarterzählungen oft genannt. Dies könne so vehement nicht gesagt werden, führte der Philologe und Dialektologe, der im Hinterländer Sprachraum Dialekte erforschte und kartierte, aus. Vielmehr sei er beglückt, wenn er mit Alterskameraden diese Sprache sprechen könne.

Auch Mundartgedichte von „außerhalb“

Auch heimische Mundartgedichte kamen nicht zu kurz. So trug Friebertshäuser ein Mundartgedicht von Heinrich Bastian (geboren 1875 in Fronhausen) vor, das die Stadt Biedenkopf und den Grenzgang beschrieb. Weiter ein Gedicht, das sich mit der Schläue eines Bauernjungen um eine versprochene Weihnachtsgans befasste. Dies beschrieb die im Ebsdorfer Grund beheimatete Dichterin Martha Frohwein-Büchner.

Für Nachdenklichkeit sorgte auch eine Advents- und Weihnachtsgeschichte des deutschen Schriftstellers Heinrich Ruppel, der 1974 in Ziegenhain starb. Nicht zuletzt trug Friebertshäuser die lyrischen Worte von Erich Fries vor, der die ganz eigenen Gewohnheiten der Menschen im Advent beschrieb und dabei festhielt: „Jeder hat seine Eigenheit, an dem man ihn erkennt. Für alle ist jedoch zu gleicher Zeit im Augenblick Advent.“

von Helga Peter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr