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Die Verteidigung ist in Bereitschaft

Landgericht: Kindesmissbrauch Die Verteidigung ist in Bereitschaft

Der Missbrauchsprozess gegen einen 56-Jährigen aus einer Südkreisgemeinde wurde mit der Vernehmung des Freundes der Tochter des Angeklagten fortgesetzt.

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Der Missbrauchsprozess gegen einen 56-Jährigen geht in eine weitere Runde.

Quelle: dpa

Marburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die damals Zwölfjährige sexuell missbraucht zu haben. Nach der Aussage der jungen Frau hat das Gericht ein Glaubwürdigkeitsgutachten in Auftrag gegeben.Die Verteidigung geht von Autosuggestion aus. Das bedeutet, die Zeugin glaube zwar, was sie erzähle, hat es aber tatsächlich nicht erlebt.

Die Sachverständige wird ihr Gutachten erst am 10. August erstatten, die Verteidiger deuteten jedoch an, dass das schriftliche Vorgutachten positiv für ihren Mandanten ausgefallen ist. „Angesichts des Gutachtens hält die Verteidigung erst einmal still, ist im Standby-Modus“ (Bereitschaft), so einer der Anwälte bei der Zeugenbefragung.

Gleichwohl berichtete der Freund der heute 23-Jährigen, sie habe ihm Ende 2012 von einem Missbrauch durch den Vater im Badezimmer berichtet. „Ich war geschockt, ich dachte, es ist die perfekte Familie“, sagte er.

Angeklagter spielt Vorfälle herunter

Nachdem seine Freundin zusammen mit anderen mutmaßlich Geschädigten – diese Vorwürfe sind verjährt – die Sache öffentlich gemacht hatte, sei sie zu ihrem Vater zitiert worden, er sei mitgekommen, so der 27-jährige Freund. Es sei um eine Bürgschaft gegangen, die der 56-Jährige für ein neues Auto seiner Tochter übernommen hatte und die er – laut dem Zeugen – drohte, zurückzunehmen.

Die Vorfälle hätte der Angeklagte heruntergespielt. Es seien Erziehungsmaßnahmen gewesen, das sei in anderen Völkern so üblich, habe er gesagt. Auch gegenüber der Untersuchungsrichterin soll der Mann geäußert haben, das Kind sei neugierig gewesen und habe ihn anfassen wollen.

Um zu beweisen, dass auch seine Ehefrau von dem Missbrauch wusste, gleichwohl dem „Flittchen“, sprich der Tochter, die Schuld gibt, beantragt die Nebenklage die Verlesung von Textnachrichten. In einer soll die Mutter der Stiefschwester ihres Mannes, die ebenfalls als Kind missbraucht worden sein will, die Schuld daran geben.

Es heiße, sie habe schon als Zwölfjährige Kerle in ihr Zimmer geholt, sei nackt ums Haus gelaufen und sei dann zu Papa ins Bett gehüpft. Die Verteidigung bezeichnete den Beweisantrag als „Rauchbombenantrag“.

Der Prozess wird am 23. Juli fortgesetzt.

von Heiko Krause

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Anwälte sehen Widersprüche

Im Missbrauchsprozess gegen einen 56-Jährigen aus einer Südkreisgemeinde belastete eine weitere Zeugin den Angeklagten. Die Verteidigung wertet ihre Aussage als „äußerst unglaubwürdig“.

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