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Die Suche nach der Ursache beginnt

Perfstausee Die Suche nach der Ursache beginnt

„Das hat etwas von Detektivarbeit“, sagt Lothar Kirschbauer. Der Wissenschaftler aus Koblenz untersucht den Perfstausee. Die zentralen Fragen: Woher kommen die Keime? Und: Kann man hier wieder baden?

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Der Perfstausee ist wegen anhaltender Probleme mit der Wasserqualität kein offizielles Badegewässer. Um die Ursache der Verschmutzung festzustellen, entnahmen Studenten der Hochschule Koblenz Proben aus den Zuflüssen.

Quelle: Christian Hoge

Breidenstein. Die ersten ­Untersuchungen des Professors und seiner Studenten von der Hochschule Koblenz dienten am Mittwoch zur Orientierung. Ein detailliertes Untersuchungsprogramm wird die Gruppe noch festlegen.

„Proben werden wir dann möglichst monatlich nehmen - zu verschiedenen Jahreszeiten und bei unterschiedlichem Wetter“, erklärt Kirschbauer. Er ist in Koblenz Professor für Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau. Ein besonderes Augenmerk legt die Gruppe auf Tage mit Starkregen. Denn die Werte des Sees waren immer nach solchen schlecht.

In den vergangenen Jahren schwankte die Wasserqualität im Perfstausee stark. Seit Ende­ 2015 ist das Gewässer offiziell kein Badesee mehr, weil es die Vorgaben der Europäischen Union nicht erfüllte. „Das hört keiner so gerne - aber man darf nicht vergessen: Vorrangig ist der Perfstausee ein Regenrückhaltebecken. Die Nutzung als Badesee ist ein schöner Nebeneffekt, aber nicht die vordergründige Funktion“, erklärt Kirschbauer.

Dennoch richten sich viele Blicke auf die Arbeit der Gruppe von der Hochschule Koblenz. Auch wenn am Mittwoch noch nicht viel passierte: Die Studierenden maßen im See und an den zufließenden Gewässern den Durchfluss und nahmen Gewässerproben. Mit dem Kleinbus ging es von Stelle zu Stelle. Auch zum Vorbecken des Stausees, das inzwischen ein Naturschutzgebiet ist.

„Es macht Spaß, einmal ganz praktisch und über einen längeren Zeitraum an ein Thema heranzugehen. Das ist etwas anderes als die Theorie“, beschreibt Stefan Ohliger die Motivation der Gruppe. Er studiert Wasser- und Infrastrukturmanagement in Koblenz - mit an Bord sind außerdem angehende Bauingenieure.

Grundsätzlich sei die Arbeit bei Breidenstein „nichts für den Papierkorb“, hebt Professor Kirschbauer hervor. Ein Student schreibe zum Beispiel seine Bachelorarbeit über dieses Thema. Das Projekt unterstützt auch der beim Landkreis Marburg-Biedenkopf angesiedelte Wasserverband Oberes Lahngebiet, der den Perfstausee betreibt.

Einen Teil der Untersuchungen wertete die Gruppe schon am Mittwoch vor Ort aus. Andere Ergebnisse liefert das Labor in Koblenz. Mit erdrutschartigen Erkenntnissen rechnet Kirschbauer aber noch nicht: „Es ist jetzt noch zu früh, um etwas zu den Ursachen der Keime sagen zu können. Das wäre etwa so, als wenn ich in der Glaskugel lese.“

Ergebnisse und Vorschläge schon im nächsten Jahr

Im Blick haben die Forscher auch die als Wasserpest bekannte Elodea. Die Pflanze ist vermutlich durch illegal entleerte Aquarien im See gelandet - und wächst sehr schnell. „Besonders bei klarem Wasser wie hier. Für Schwimmer ist die Elodea natürlich ein Hindernis und eine Geruchsquelle“, weiß Kirschbauer.

Wichtig sei es, die jüngere Vergangenheit in der Region um den Perfstausee genau zu betrachten. „Viele Dinge könnten ein Auslöser sein. Deshalb müssen wir auch etwas historisch vorgehen und schauen, welche Ereignisse die aktuelle Situation beeinflusst haben könnten. Wir betrachten die letzten 15 Jahre sehr genau“, betont Kirschbauer.

Bereits im vergangenen Semester werteten die Studenten Karten und Satellitenaufnahmen der Gegend aus, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Zumindest Vermutungen, welche Auswirkungen das Umfeld des Sees hat, äußert Kirschbauer: „Wir haben uns das Einzugsgebiet angeschaut. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Landwirtschaft vielleicht keine große Rolle spielt.“ Die wichtigste Frage laute aber: Haben viele Faktoren einen Einfluss auf die Verunreinigung des Sees oder gibt es eine eindeutige Quelle?

Die Palette der denkbaren Ursachen ist groß: Es gibt oberhalb des Sees 30 Regenüberlaufbecken. Keime könnten von dort in den See gespült werden. Auch Wildvögel könnten einen Beitrag geleistet haben. „Das müssen wir abwarten. Momentan haben wir noch keine genaue Idee, woran es liegt“, sagt Student Ohliger, während er seine Kommilitonen bei den Messungen beobachtet.

„Eigentlich ist der Perfstausee ein schönes Gewässer. Uns stellt sich jetzt nur die Frage: Warum war das lange ein guter Badesee und nun plötzlich nicht mehr?“, rätselt Kirschbauer.

Eine Antwort darauf erfordere zunächst einmal Zeit. Der Wissenschaftler rechnet im Laufe­ des nächsten Jahres mit Ergebnissen. Wann das genau ist, hängt von den kommenden Monaten ab. Danach soll es Lösungsvorschläge geben. „Was dann gemacht werden kann, muss man schauen“, lässt Kirschbauer die weiteren Schritte offen.

von Christian Hoge

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