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"Dickwurz-Deiwel" ziehen durchs Dorf

Dickwurzfest "Dickwurz-Deiwel" ziehen durchs Dorf

Rund 50 Kinder und ihre Eltern bastelten am Samstagabend mit dem Vorstand des Heimatvereins Weidenhausen "Dickwurz-Deiwel" im Regionalmuseum "Hinz Hoob".

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Stolz präsentieren Jakob Pitz (von links), Theresa Plitt und Ryan Niklas Burk ihre „Dickwurz-Deiwel“ auf dem Hof des Regionalmuseums „Hinz Hoob“ in Weidenhausen. Gespannt warten Lukas Janik (links) und sein Bruder Noah darauf, dass ihr Vater das Teelicht im Inneren der ausgehöhlten Futterrübe anzündet (kleines Foto).Fotos: Salomé Weber

Weidenhausen. „Das ist gar nicht so einfach“, stellt Emma Martin fest, als sie mit einem Esslöffel das Fruchtfleisch aus einer Futterrübe schabt. Konzentriert wiederholt sie den Vorgang bis die Rübe komplett ausgehöhlt ist.

„Das hat Spaß gemacht“, sagt sie und ist stolz darauf, dass sie es ganz alleine und ohne technische Hilfsmittel geschafft hat. Auch ihre Tischnachbarin Hanna Thieme hat Freude an dem Bearbeiten der „Dickwurzeln“, wie sie im heimischen Dialekt genannt werden: „Ich finde das ist etwas ganz Besonderes, denn das macht nicht jeder“, sagt die Achtjährige.

Der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins, Helmut Bernhardt, hat das Gespräch der Kinder mit angehört und betont mit einem Lächeln: „Die Freude und das Leuchten, das die Kinder in den Augen haben, wenn sie die Dickwurz-Laternen basteln - das ist der Grund, warum wir unser Fest auch in diesem Jahr wieder anbieten.“

Im vergangenen Jahr hatte der Heimatverein Weidenhausen das „Dickwurzfest“ zum ersten Mal angeboten. „Schon damals war der Andrang groß“, erinnert sich die Vorsitzende Hannelore Müller. In diesem Jahr sind rund 50 Kinder mit ihren Eltern gekommen, um aus den, vom Heimatverein zur Verfügung gestellten, Zuckerrüben schaurig-schöne „Dickwurz-Deiwel“ zu gestalten. Durch die Kommerzialisierung des amerikanischen Halloween-Brauchs und den damit verbundenen Marketingstrategien, die an vielen Orten auf die zu erwerbenden Produkte rund um das Gruselfest aufmerksam machen, sei der Brauch aus dem Hinterland in Vergessenheit geraten, sagt die Vorsitzende weiter. Die Veranstaltung soll den alten Hinterländer Brauch wieder aufleben lassen und die Menschen in der Region an ihre Traditionen erinnern.

„Ich weiß noch, dass wir früher im Herbst Dickwurzteufel geschnitzt haben und damit durch die Nachbarschaft gezogen sind. Weniger um die Leute zu erschrecken und vielmehr um Spaß zu haben“, berichtet Müller.

Nach dem Bearbeiten der Dickwurzeln mit Löffeln, Messern und Nägeln thronen die „Dickwurzdeiwel“ auf einem großen Stock. Stolz tragen die Kinder ihre kleinen Kunstwerke über den Hof des Regionalmuseums. Als es dunkel wird, brechen sie gemeinsam mit den Erwachsenen in Richtung Dorfgemeinschaftshaus auf, um mit ihren Lichtern den Herbstabend zu erhellen.

„Auch in Zukunft wollen wir uns verstärkt um die Kinder bemühen, um sie an das Museum und die heimatlichen Traditionen heranzuführen“, sagt die Vorsitzende. Denkbar seien zum Beispiel Bastelnachmittage, das Basteln von Weidenpfeiffchen im Frühjahr oder Naturerkundungen. Außerdem habe sie schon einmal darüber nachgedacht, den Kindern den Weidenhäuser Dialekt näher zu bringen, damit dieser nicht in Vergessenheit gerate, ergänzt Müller mit Blick in die Zukunft. Welche dieser Ideen umgesetzt wird, wird sich zeigen. Fest steht allerdings, dass das „Dickwurzfest“ auch 2014 stattfinden wird.

von Salomé Weber

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