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Dicke gehen bei Krankenkassen ins Geld

Serie: "Weniger ist mehr" Dicke gehen bei Krankenkassen ins Geld

Eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen übergewichtig sind, belastet die Krankenkassen. Deshalb wird kräftig in Präventionsprogramme investiert.

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Übergewicht - Abspecken

Gladenbach.. In der Wohlstandsgesellschaft nimmt das Angebot an Lebensmitteln ständig zu - genauso wie der Appetit und das bleibt nicht folgenlos. Dem Gesundheitswesen entstehen bei kranken Übergewichtigen Mehrkosten pro Jahr von 20,26 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, die von 16 Millionen adipösen Menschen in Deutschland ausgeht. Diese Kosten übersteigen bei weitem die Mehrkosten der Erkrankungen bei Alkoholmissbrauch (zehn Milliarden Euro) und bei Tabakgenuss (acht Milliarden Euro).

Anfang 2000 litten laut „International Obesity Task Force“ (IOTF) weltweit 1,1 Milliarden Menschen an Übergewicht, davon waren 300 Millionen adipös. Deutschland rangiert auf der Hitliste mit den meisten Übergewichtigen europaweit eher im oberen Bereich.

Patienten mit einem BMI von 30 bis 35 kosten die deutschen Krankenkassen bis zu ihrem Lebensende rund 173000 Euro mehr als Normalgewichtige. Je höher der BMI, umso höher steigen die Kosten. Zu diesem Ergebnis kommt die TK. Als Krankheitsbilder bei Übergewicht nennt die TK Rücken-, Gelenk- und Stoffwechselprobleme sowie Herz- und Kreislauferkrankungen, wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Migräne, häufige Erkältungen und psychische Probleme wie Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen. Übergewicht und Fettleibigkeit kann verschiedene Ursachen haben: zum Beispiel Stress, Bewegungsmangel, falsche Ernährung, Schlafmangel, depressive Erkrankungen oder Essstörungen. Eine Lösung scheint im Abspecken zu liegen. Das wirke sich laut einer Studie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) positiv aus. Deshalb seien Präventions-Programme so wichtig.

Stark übergewichtigen Versicherten bietet die Barmer Ersatzkasse das Abnehmprogramm M.O.B.I.L.I.S an. Die Universitätsklinik Freiburg und die Deutsche Sporthochschule Köln bieten das Abspecken unter wissenschaftlicher Aufsicht an. Die Teilnahme kostet 785 Euro, wovon die BEK 685 Euro übernimmt.

Mit Blick auf die zu erwartenden Kosten bei Übergewichtigen oder adipösen Mitgliedern haben die Krankenkassen weitere Angebote in der „Schublade“, um „Schadensfälle“ zu vermeiden. Die Barmer Ersatzkasse fördert zum Beispiel Gesundheitskurse, die mehr Bewegung versprechen, gesunde Ernährung zum Ziel haben oder Stress abbauen. Mit 75 Euro werden pro Jahr zwei Kurse gesponsert; maximal 150 Euro. Im Angebot gibt es Nordic Walking, Rückenschule, Pilates, Aquafitness, Ernährungskurse, Hatha-Yoga, Tai Chi oder Qi Gong. Die TK erstattet ebenfalls bis zu einer Höhe von 75 Euro die Teilnahme an zwei derartigen Kursen pro Jahr. Zudem werden die Kosten für fünf Termine bei einer Ernährungsberatung übernommen. Kostenfrei hingegen sind diese Präventions-Angebote für AOK-Versicherte: Ernährungs-, Sport- und Entspannungs-Kurse gibt es zum Nulltarif.

Tipps und Tricks rund um das Thema Gesundheit, Ernährung und Bewegung können Versicherte der TK, BEK, AOK und vieler anderer Krankenkassen auch online erhalten.

Ein TK-Online-Fitness-Coach bietet mehr als 350 Übungen an, der Ernährungs-Coach gibt individuelle Einkaufs- und Kochtipps. Der Versicherte muss sich nur registrieren und schon kann es los gehen. Im Selbststudium kann man sich durch die Angebotsvielfalt klicken: vom Stressmanagement über Bewegung und Sport bis zu Mediterraner Küche.

Ein persönlicher Fitness-Trainer fällt nicht in die Kategorie der Präventionsangebote von Krankenkassen. Das hält der Schweinsberger Coach Volker Kleinert auch nicht für notwendig: „Wenn man den Trainer selbst bezahlen muss, übernimmt man auch die Verantwortung für den Erfolg.“

Wenn trotz aller Bemühungen allerdings der Erfolg ausbleibt, gibt es für Fettleibige oft nur einen Ausweg: Sie legen sich unters Messer - so wie der Marburger Martin Ganser (die OP berichtete in der Serie), der mit einer Schlauchmagen-OP 100 Kilogramm abspeckte. Erste Anlaufstelle ist die Klinik in Sachsenhausen. Sie ist als „Exzellenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie“ zertifiziert. Die Nachfragen nach Magen-Operationen steigen. Seit 2008 stiegen die Ausgaben der Krankenkassen für solche Eingriffe laut DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) um mehr als das Doppelte. Lehnen Krankenkassen diese Option ab, müssen Patienten tief in die Tasche greifen: Eine Schlauchmagen-OP kostet rund 10000 Euro.

von Silke Pfeifer-Sternke

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