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Detailtreue und Spaß am Ausprobieren

Detailtreue und Spaß am Ausprobieren

Die Malerei ist ihre Passion: Die 73-Jährige Jutta Blumenstein entwickelte im Lauf der Jahre ihreneigenen Aquarell-Stil.

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Jutta Blumenstein präsentiert in ihrem Wintergarten, den sie hin und wieder als Atelier nutzt, zwei ihrer zahlreichen Aquarell-Werke. Sie hat ein Faible für detailgetreue Tierzeichnungen.
Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Hommertshausen. Im Haus von Jutta Blumenstein ist kaum ein weißer Fleck an der Tapete. Der Besucher erkennt sofort: Hier lebt die Kunst. Die 73-jährige Hommertshäuserin entdeckte früh ihre Leidenschaft zur Malerei und hat sie später auch in ihrem Beruf als Lehrerin ausleben können. Ihr Vater wollte, dass sie die Apotheke übernimmt, Jutta Blumenstein wollte etwas anderes: eigentlich an die Kunstakademie in Karlsruhe. Als ihr der Weg dorthin endlich offen stand, entschied sie sich doch für etwas anderes und studierte Lehramt an der Universität in Gießen. Ihr „Meisterwerk“, eine fünfminütige Zeichnung ihrer Freundin ziert seit Jahrzehnten das Wohnzimmer. Es ist ein besonderes Bild. „Auf billigem Makulaturpapier“, wie Jutta Blumenstein erklärt. Entstanden ist es 1964 in Ölfarbe mit Terpentin.

Die anderen Ölgemälde sind Erbstücke. Jutta Blumenstein bevorzugt die Aquarell-Technik. Sie malt Stillleben und mit Vorliebe detailgetreu Tiere. Ihr Lieblingsmotiv aus der Tierwelt sind Wildschweine, richtiger „Sauen“ - obwohl sie die Tiere in natura noch nicht erlebt hat. Sie sei halt eine richtige Jägersfrau. Ihr Mann war lange Zeit Jagdpächter in Hommertshausen.

Hin und wieder sei sie mit auf die Jagd gegangen. Allerdings habe ihr Mann davon Abstand genommen, weil er, wenn sie gemeinsam auf dem Hochsitz saßen, vor ihren Augen kein Tier schießen wollte.

Viele Natur-Motive fotografiert sie ab und malt sie zu Hause nach. In einer großen Mappe bewahrt sie ihre Werke auf. Teilweise hat sie identische Motive an unterschiedlichen Tagen gemalt: das Resultat sind zwei verschiedene Werke, die sich nur in ihren Farbtönen ähneln. Etwas Besonderes sei es auch, Motive mit unterschiedlichem Lichteinfall zu zeichnen. Das Ergebnis überrascht Jutta Blumenstein immer wieder.

Sie ist experimentierfreudig. Manchmal benötigt sie für ein Bild 5 Minuten, dann wieder 3 bis 4 Stunden. Ihre Malutensilien bewahrt sie in einem Reisekoffer auf.

„Dann habe ich alles zur Hand, wenn ich malen möchte“, sagt sie. Ein Atelier hat sie sich nicht eingerichtet - obwohl das Haus ausreichend Platz böte. Sie wechselt gern den Standort und hat somit unterschiedliche Lichteinflüsse. Mal malt sie im Wohnzimmer, mal im Herrenzimmer oder im geräumigen Wintergarten. Sie benötigt nicht viel, nur eine gerade Unterfläche, schließlich verwischen die Aquarellfarben.

Deshalb sei es auch ein Muss, mit den hellen Farben zu beginne. Habe man sich vermalt, sei das Bild vermurkst - und nicht mehr zu retten, im Gegensatz zu Ölfarben, die man „bis zur Erschöpfung übermalen“ könne.

Ihre Werke signiert sie mit ihrem Namen „J. Blumenstein“ oder die „verrückteren“ mit dem Kürzel „Jublu“. Bis 2004/2005 hat sie die Jahreszahl noch mit vermerkt, darauf verzichtet sie heute ganz, weil es ihr nicht so wichtig ist. Viel wichtiger ist ihr, dass die Werke anderen gefallen. Ihr verstorbener Mann sei ihr größter Kritiker gewesen. Oft habe er ihr gesagt: „Jutta, da stimmt was nicht.“ Er fehlt.

Wenn sie nicht ganz sicher ist, ob ihr das Werk auch gelungen ist, fotografiert sie es ab und schickt das Foto per E-Mail an ihre zwei Söhne. Das Feedback nimmt sie gern auf. Sagt aber: „Man muss das Original sehen.“ Deshalb fragt sie häufig ihre Ex-Kollegin und gleichgesinnte Hobbykünstlerin Monika Würfel-Fries um Rat. „Ich brauche das. Sonst kriegt man einen Tunnelblick“, sagt sie. Jutta Blumenstein ist Mitglied im Kunst- und Kulturkreis Palette Bad Endbach und im Zusammenschluss „Mosaik Dautphe“. Ausstellungen der Künstlergruppen hat sie mit ihren Werken bestückt. Seit 2005 gibt sie ihr Fachwissen an Hobbymaler weiter, die an den Aktionswochen 50+ in Bad Endbach teilnehmen. „Das Malen macht mir Freude und richtig Spaß.“ In einer Box bewahrt die 73-Jährige Grußkarten auf, die ihre Kunstwerke im Kleinformat zieren. Sie verkauft die Karten oder verschenkt sie gern an Menschen, denen ihre Kunst gefällt. Ein Motiv muss sie mögen, damit das Bild auch gut wird. Sie übernimmt hin und wieder auch Auftragsarbeiten oder verkauft auch mal eines ihrer Werke. Wenn sie die Bilder weggibt, behält sie eine Kopie davon. Manches Werk hat sie verkleinert, dann gefällt es ihr nicht mehr so richtig gut. Und überhaupt: „Ein Aquarell benötigt unbedingt ein Passepartout. Ohne dies wirkt es nicht.“

von Silke Pfeifer-Sternke

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