Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Der richtige Dreh für Umweltschutz

Achim Wickel plant „Energieplushaus“ Der richtige Dreh für Umweltschutz

Erst entstand in einem Stadtteil von Bad Laasphe ein Bisongehege. Nun will dessen Erbauer direkt 
daneben ein ganz besonders umweltfreundliches Haus errichten. Das Modell dafür gibt es schon.

Voriger Artikel
Festliche Stimmung in der Kirche und am Lindenplatz
Nächster Artikel
Zum vierten Mal in Folge ausgeglichen

Mit oder gegen die Sonne: An kühlen Tagen hilft die Glasfront beim Aufheizen, an heißen sorgt die Rückwand für die nötige Kühle. Diese und weitere Eigenschaften schätzt Achim Wickel am Drehhaus, das direkt neben dem Bisongehege entstehen soll.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Feudingen. Achim Wickel ist im positiven Sinne ein Träumer. Erst zu Jahresbeginn waren auf seinem Gelände im Dernbach in Feudingen drei junge Waldbisons eingezogen. Das war nach vielen Jahren der Planung der erste bedeutende Schritt zum Aufbau seines Artenschutzzentrums, in dem der Feudinger neben Waldbisons auch noch Präriebisons und Wisente zeigen und züchten möchte (die OP berichtete).

Inmitten der bestehenden und angedachten Gehegeflächen plant Achim Wickeln derweil schon das nächste Projekt: Unweit seines historischen Fachwerkwohnhauses soll ein Café samt Ferienwohnungen entstehen – beides untergebracht in einem Drehhaus. Sollten letztlich die politischen Gremien ihre Zustimmung erteilen, könnte mit den Bauarbeiten schon im kommenden Jahr begonnen werden.

Auf Wickels Terrasse steht ein Modell: Auf dem Grund eines kreisrunden, mit Beton verschalten Erdlochs befindet sich im Zentrum ein winziger Motor samt rotierendem Drehkranz, darüber eine kegelförmige Balkenkonstruktion, auf der letztlich das vieleckige Gebäude steht. „So könnte es aussehen“, sagt Wickel.

Haus gewinnt mehr Energie als es verbraucht

Auf einer Freifläche zwischen Wohnhaus und Waldbisongehege, im Schatten der mächtigen Blutbuche soll das Bauvorhaben – idealerweise im kommenden Jahr – realisiert werden. Drehhaus und Erdloch hätten einen ungefähren Durchmesser von neun Metern; etwa fünf Meter tief wäre die Grube, in der der etwa fußballgroße Motor für die gewünschte Rotationsbewegung sorgt – eine Drehung, die individuell gesteuert werden kann, in der Regel aber dem täglichen Lauf der Sonne folgt.

„Wir planen ein Energieplushaus, das durch Sonnenkraft, Erdwärme, große Fensterflächen und zeitgemäße Isolierung mehr Energie gewinnt und erhält, als darin verbraucht wird“, betont Achim Wickel. Aufgrund der leichten Drehbarkeit des Hauses genügt bereits ein kleiner 0,18 Kilowatt-Elektromotor oder ein Trimmrad im Foyer, um das Gebäude im automatischen Regelbetrieb einige Millimeter pro Sekunde zu bewegen.

Aufmerksam auf das Drehhaus wurde der Feudinger durch 
einen Zeitungsartikel, in dem über die besonderen Bauwerke der Heuchelheimer Zimmerei Rinn berichtet wurde. Ab dem Jahr 1996 hatten die Unternehmer mit dem Bau erster Drehhäuser für Kunden begonnen; zwischenzeitlich ist die energieoptimierte zweite Generation auf dem Markt. Die Idee beschäftigt Achim Wickel nicht erst seit Kurzem. „Ich habe schon vor fünf, sechs Jahren Kontakt zur Familie Rinn aufgenommen“, berichtet er.

Gebäude soll Anziehungspunkt werden

In vielen Gesprächen mit Geschäftsführer Christopher Rinn und dessen Vater 
Heinrich Wilhelm Rinn, der selbst seit Jahrzehnten in einem solchen Drehhaus lebt, reifte die Vision und verloren zugleich alternative Möglichkeiten, beispielsweise der Bau eines 
klassisches Blockhauses, an Bedeutung. Ein entscheidendes 
Kriterium: die Nachhaltigkeit – im doppelten Sinn. Einerseits mit Blick auf die Schonung der Umwelt durch die Selbstversorgung mit regenerativer Energie sowie andererseits mit Blick auf die nachfolgende Generation.

Denn für seine Kinder möchte Achim Wickel etwas schaffen, das ihnen die Chance auf eine gute Zukunft vor Ort ermöglicht. Der erste Baustein ist das besondere Naturerlebnis in dem und um das Artenschutzzentrum Feudingen; der zweite der geplante Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb in einem spannenden Gebäude mit eigener Anziehungskraft.

Nach seinen Plänen soll im Erdgeschoss des Drehhauses ein kleines 
Café mit Außenterrasse entstehen und im ersten Stockwerk zwei Ferienwohnungen, deren 
Vermietbarkeit Wickel aufgrund des herrlichen Standortes 
unweit des Landwanderweges 
voraussetzt.

Leute, die nach dem Blick auf das Modell Sorgen haben, dass dort ein futuristisches und vom Erscheinungsbild unpassendes Gebäude im Dernbach kreise, kann Achim Wickel beruhigen: „Selbstverständlich werden wir das Drehhaus an das Fachwerk des Wohnhauses und die Umgebung anpassen.“

von Benedikt Bernshausen

 
Waldbisons

Gut eingelebt haben sich die drei Waldbisons Catejan, Dolora und Don im Feudinger Gehege. Im Januar war das Trio aus dem Tierpark Nordhorn nach Wittgenstein umgezogen – auch mit dem Ziel, sich im Laufe der kommenden Jahre fortzupflanzen. Zwar hat der starke Zustrom von Beobachtern nach den ersten Wochen abgenommen, noch immer aber besuchen Einheimische und Gäste täglich das frei zugängliche Gehege im Dernbach. Zu welchem Zeitpunkt weitere Tiere kommen werden, kann Achim Wickel noch nicht sagen. Er steht in ständigem Kontakt mit Tierparks; vielleicht kommt der nächste Bison aber auch ganz von allein.

(Foto: Bernshausen)

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr