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Der Schatz aus dem Müll ist wieder da

Finder erhält jetzt seine Belohnung Der Schatz aus dem Müll ist wieder da

Jahrelang lag die Geldkassette mit den 824,67 Euro im Fundbüro der Steffenberger Gemeindeverwaltung. Nach einer Anfrage der OP darf sich der ­Finder nun über die ­gesamte Summe freuen.

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Bei den Müllsammelaktionen „Sauberhafte Landschaft“ befreien Freiwillige, darunter viele Kinder, die Umwelt vom Unrat. Manchmal finden die Sammler aber auch wertvolle Sachen.

Quelle: Sascha Valentin

Niedereisenhausen. Rund 2700 Tonnen Abfall „entsorgen“ Verkehrsteilnehmer durchschnittlich pro Jahr entlang der Straßen des Hessenlandes, heißt es erfahrungsgemäß aus dem Hause „Hessen Mobil“, dem Straßen- und Verkehrsmanagement des Landes.

Um die Umwelt von dem Allerlei an Unrat wieder zu befreien, veranstaltet zum Beispiel der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf alle drei Jahre die Aktion „Sauberhafte Landschaft“.

Im Jahr 2013 beteiligten sich 2053 Freiwillige aus 10 der 13 Mitgliedskommunen des Verbandes an der Sammlung, berichtet Stefanie Simon, in deren Zuständigkeit die Aktion beim MZV fällt. Insgesamt 30 Tonnen an Abfall trugen die Helfer aus Vereinen, Gruppen, Schulen und Kindergärten zusammen.

Darunter auch Gegenstände wie Altreifen, ­einen Rasenmäher, eine Badewanne, einen Heizkörper, einen Kühlschrank oder auch ­eine Toilettenschüssel, die ohne großen Aufwand und bis auf die Reifen kostenlos über die Sperrmüllabfuhr, die Elektroaltgerätesammlung oder die örtlichen Bauschuttcontainer hätten entsorgt werden können.

Doch es gab auch einen Gegenstand, der nicht in das übliche Beuteschema passt. Dieser fiel einem der rund 1000 Kinder und Jugendlichen in die Hände, die sich damals an der Aktion beteiligten.

Silas Schwarz ( Foto: Fain) sammelte an jenem Samstag, dem 13. April 2013, erst mit dem Angelverein Unrat entlang der Perf und schloss sich anschließend seinen Freunden des Jugendclubs an. Diese schwärmten rund um das Bürgerhaus in Niedereisenhausen aus.

Dort bemerkte der damals 18-Jährige auf der Rückseite des Hauses in einem Gebüsch einen glitzernden Gegenstand. Beim Herausziehen des Kasten fielen ihm und seiner Freundin bereits Geldstücke entgegen.

Als sie ihn öffneten, entdeckten sie, dass der Kasten mit durchnässten und aneinanderklebenden Geldscheinen sowie Münzen gefüllt war. Es war eine sogenannte Geldbombe eines Geldinstitutes, die der Jugendliche der Polizei übergab.

Ein Finderlohn wurde ihm in Aussicht gestellt. „Seitdem habe ich nie wieder etwas davon gehört“, sagt Silas Schwarz. Unbekannt ist ihm deshalb auch, wie lange die Stahlkassette schon im Gebüsch lag, wie viel Geld sie enthielt und ob der Gegenstand, wie zuerst gemutmaßt, tatsächlich aus einem Raubüberfall stammte.

Frist ist abgelaufen

Das konnte auch die Polizei nicht klären. „Die Ermittlungen zur Herkunft der gefundenen Geldbombe blieben ohne Erfolg“, berichtet Pressesprecher Martin Ahlich der OP. Die Bezeichnung „Kreissparkasse Biedenkopf, Zweigstelle Dautphe“ ließ den Schluss auf einen Einsatz schon vor 1991 zu, und fand vielleicht von einem Verein oder einer Privatperson Verwendung für das Deponieren von Geld in Nachttresoren.

Wie lange die Kassette im Gebüsch lag, ließ sich aufgrund ihres Zustandes und dem der Geldscheine ebenfalls nicht ermitteln. Die Mitarbeiter des Erkennungsdienstes zählten etwas mehr als 820 Euro. „Da sich die Eigentumsverhältnisse nicht klären ließen, übergab die Polizei die Kassette als Fundsache dem Fundbüro der Gemeinde Steffenberg“, erklärt Ahlich. Das geschah Mitte Juni 2013.

„Ja, die Geldkassette liegt noch hier“, teilten die Mitarbeiterinnen des Fundbüros Amtsleiter Gerhard Acker mit, den die OP angesprochen hatte. Das sei so, weil niemand den Fundgegenstand beansprucht habe, erläutert der Amtsleiter. Da die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen schon verstrichen sind, erhält Silas Schwarz aber keinen Finderlohn. „Er bekommt die ganze Summe“, sagt Acker. Das sind genau 824,67 Euro.

Am Mittwoch wollten die Fundbüromitarbeiter Silas Schwarz über den Geldsegen informieren. „Das ist ja der Wahnsinn“, freute sich Silas Schwarz über die Nachricht, die ihm die OP vorab überbrachte. Der mittlerweile 21-jährige Schornsteinfeger weiß auch schon, was er mit dem unverhofften Geldsegen anstellen wird: Ansparen für ein eigenes Haus.

von Gianfranco Fain

 
 Sauberhafte Landschaft 2016

Nach einer dreijährigen Pause ruft der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf in diesem Jahr wieder zum landschaftlichen „Frühjahrsputz“ im Verbandsgebiet auf. Dieses Mal wird die Aktion erstmals von Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde begleitet. Insbesondere teilnehmende Kindergartenkinder und Schüler sollen dadurch interessante Informationen über Arten- und Naturschutz erhalten.

Während Vereine und Gruppen, Kindergärten und Schulen Anmeldebögen erhalten, gibt es für Bürger weitere Informationen bei ihrer Gemeindeverwaltung oder beim Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf, Hausbergweg 1, in Breidenbach, Telefon 06465/92690.

 
Hintergrund: Finderlohn

Günter Becker, Ordnungsamtsleiter der Gladenbacher Stadtverwaltung erklärt, wie es zu Ansprüchen auf Finderlohn kommt:

Hat jemand eine Sache verloren, so regelt das Fundrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch, wie der Eigentümer wieder über den Gegenstand verfügen kann. Voraussetzung ist, dass jemand das Objekt findet und den Fund bei einem Wert von mehr als 10 Euro dem Eigentümer oder falls dieser nicht bekannt ist der Polizei oder dem Fundbüro einer Kommune anzeigt.

Der Eigentümer schuldet dem Finder einen Ersatz für seinen Aufwand und auch einen Finderlohn. Dieser beträgt bei einem Wert der Sache bis zu 500 Euro 5 Prozent, plus 3 Prozent des über 500 Euro hinausgehenden Wertes, bei Tieren stets 3 Prozent. Meldet sich der Empfangsberechtigte innerhalb von sechs Monaten nach Anzeige nicht bei einer Behörde, so erwirbt der Finder das Eigentum an der Sache.

Nach Ablauf der Frist informiert das Fundbüro den Finder, sofern dieser sein Interesse am Eigentumserwerb bekundet hatte.

 
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