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Der Minister hat’s angerichtet

Belohnung für Ehrenamtliche Der Minister hat’s angerichtet

Warmes Essen statt warmer Worte erhielten elf Hinterländer für ihr ehrenamtliches Engagement. Bekocht wurden sie vom Hessischen Finanzminister und dem Gewerbevereinsvorsitzenden.

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Dr. Thomas Schäfer (links) und Friedhelm Nispel tranchieren Wildschweinkeulen.

Quelle: Gianfranco Fain

Mornshausen/D.. Auf ein gewagtes Experiment ließ sich Karl-Hermann Werner, Inhaber des gleichnamigen Partyservice im Dautphetaler Ortsteil Mornshausen, am Dienstag­abend ein.

Zwei gestandene Persönlich­keiten, die, wie sie später selbst zugaben, ihre Aufgabe sonst eher am Abnehmer-Ende der Produktionskette verrichten, kamen in die Küche seines Restaurants. Dort wollen Dr. Thomas Schäfer und Friedhelm Nispel ein Drei-Gänge-Menü für ihre geladenen Gäste zubereiten und servieren.

Der Profi suchte für seine „Ein-Tages-Stifte“ verhältnismäßig leicht nachzukochende Speisen aus: Wolfsbarsch „en papillote“ 
(in Papierhülle) als Vorspeise, Geschmorte Wildschweinkeule 
an Rotweinsoße mit Gemüse der Saison als Hauptgang und als Nachspeise flambierte Sauerkirsche mit Vanilleeis und Sahne.

Da die Wildschweinkeulen aus Zeitgründen schon im Backofen schmoren, können sich die Aushilfsköche auf das Herstellen der Vorspeise konzentrieren. Doch erst müssen sie Silikonhandschuhe überstreifen – „gefühlsecht“, wie einer der beiden sogleich bemerkt –, dann gibt es eine Einweisung in die Produktion.

Karl-Hermann Werner erklärt ihnen, worauf es ankommt: Das Pergamentpapier mit Öl bestreichen, Gemüse und Wolfsbarsch ansprechend auf dem Pergamentpapier platzieren und dieses schließlich um die Komposition falten. „Das muss komplett dicht sein, damit der Fisch gleichmäßig im Dampf gart“, mahnt Werner.

Praktischerweise sind der Spinat gewaschen, die Möhren zu Stiften gehobelt und die 
 Frühlingszwiebeln in Ringe geschnippelt sowie alles weitere Gemüse schon vorbereitet, so können sich der Tischlermeister und der Finanzminister ganz auf das Garnieren konzentrieren.

Etwas zögerlich geht Nispel 
an die Aufgabe heran: „Das ist schon eine Premiere für mich“, sagt der Vorsitzende des 
Gewerbevereins „Unternehmen Dautphetal“. „Sonst bin ich ja eher fürs Essen zuständig.“ Schäfer kann dagegen schon eine gewisse Fingerfertigkeit vorweisen. Kein Wunder: „Wenn ich am Wochenende Zeit habe, dann schließe ich mich schon mal in der Küche ein“, bekennt er.

Werner verrät noch einen Kniff für das gut dosierte Würzen und mahnt: „Passen Sie auf. Dank dem Papier geht nichts verloren. Da wird es schnell sehr geschmacksintensiv.“ Alles kein Problem, Schäfer und Nispel geht die Arbeit zügig von der Hand, auch der Kochwein gelangt an die richtige Stelle – auf den Fisch. Schließlich greifen die beiden gegen den sich bildenden Glanz auf der Stirn lieber zur Gerstenkaltschale.

Unter den gestrengen Augen von Werner und Küchenchef Rolf Schorge falten die beiden das Pergamentpapier um den Fisch herum sorgfältig zusammen und legen die Papierhüllen auf ein Backblech. „Alles gut so“, bewertet Werner die Arbeit, die sonst Lehrlinge im zweiten Ausbildungsjahr verrichten.

Der Wolfsbarsch kommt für 15 Minuten in den Ofen, die beiden Musterköche in den Gastraum. Dort warten elf geladene Gäste aus allen denkbaren Bereichen ehrenamtlicher Tätigkeit – vom Sport über Musik bis hin zur Flüchtlingshilfe. „Die Liste der ehrenamtlich Engagierten ist lang“, sagt Schäfer. Es handle sich bei den Geladenen um eine repräsentative Auswahl.

„Wir wollten mit dieser Aktion, die sicherlich keine einmalige war, ein Zeichen setzen und einfach mal 
etwas anderes machen als die übliche Sonntagsrede.“ Und Nispel, der einem Verein vorsteht, der selbst ehrenamtliche Tätigkeiten unterstützt, ergänzt: „Alle, die sich einsetzen, machen das nicht für sich selbst, weil sie sich profilieren wollen, sondern für andere. Da gehört sehr viel Idealismus dazu.“

Idealismus war aber nicht vonnöten, um den Wolfsbarsch „en papillote“ zu verspeisen, obwohl Karl-Hermann Werner zuvor zu bedenken gab, dass 
Köche ja nur einen Versuch haben. Der Fisch mundete allen.

Rustikaler ging es bei der Zubereitung der Hauptspeise zu. Nispel durfte die Keule eines von ihm erlegten Wildschweins vor den Augen der Gäste zerlegen. Schäfer tat es ihm gleich; zuvor hatte Werner erklärt, wie das Fleischstück tranchiert wird. Und auch beim Flambieren der Sauerkirschen in kleinen Pfännchen gab es Tipps vom Profi.

Den Gästen hat es gemundet, den Hobbyköchen auch, und Spaß hat ihnen die Zubereitung auch gemacht. Einer Neuauflage steht somit nichts im Wege.

von Gianfranco Fain

Zwischendurch servierten die Köche persönlich ihren Gästen das Zubereitete. Fotos: Gianfranco Fain
 
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