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Der Mann mit der Gitarre

Das wäre mal Einer Der Mann mit der Gitarre

Manche Menschen trauen sich und machen ihr Hobby zum Beruf. Auch Ludwig Klingelhöfer hat den Sprung gewagt - der leidenschaftliche Musiker verkauft heute hochwertige Gitarren.

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Ludwig Klingelhöfer ist am liebsten den ganzen Tag von Gitarren umgeben. Er schreibt Melodien und spielt die eigenen Stücke auf seinem Lieblingsinstrument ein. Außerdem verkauft er die hochwertigsten Instrumente als Händler.Foto: Patricia Grähling

Erdhausen. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele, die ihn gehen, wie ein Sprung ins kalte Wasser. Wird meine Idee funktionieren? Gibt es Bedarf? Kann ich damit genug Geld verdienen, um mich und meine Familie zu ernähren? - trotz aller Fragen hat Jürgen Klingelhöfer den Schritt gewagt. „Und ich habe es bis heute nie bereut“, sagt er. Vorher habe er sich aber auch abgesichert, eine Bedarfsanalyse gemacht. Denn eigentlich wollte er ein Musikgeschäft in Gladenbach eröffnen. „Aber laut der Analyse hätte das keinen Sinn gemacht. Heute muss man sich schon spezialisieren, wenn man Erfolg haben will. Denn die großen Geschäfte besetzen den Markt sehr erfolgreich.“

Der 52-Jährige hat sein Hobby dennoch zum Beruf gemacht. Er befasst sich den ganzen Tag mit seiner großen Leidenschaft: der Musik. Klingelhöfer verkauft Gitarren aus aller Welt und in alle Welt. Im Sortiment hat er allerdings nur die hochwertigsten Marken. Das ist seine Spezialisierung, die ihm Kunden aus aller Welt in den Gladenbacher Stadtteil bringt. Und die guten Instrumente testet der Musiker auch ausgiebig selbst, bevor er sie ins Sortiment aufnimmt. Er spielt selbstgeschriebene Stücke auf den Instrumenten, dreht davon Videos und stellt sie ins Netz. Beigebracht hat er sich das alles selbst. Sowohl die Musik, als auch das Filmen, Fotografieren und Schneiden.

„Dire Straits“ waren die Vorbilder

„Ich spiele Gitarre seit ich 14 Jahre alt war“, sagt der heute 52-Jährige. „Das Instrument macht mir einfach am meisten Spaß.“ In jungen Jahren hörte er gerne „Beatles und Co.“, wie er heute sagt. „Die Dire Straits finde ich bis heute fantastisch. Von denen habe ich auch immer viel gespielt.“ Von der Musikrichtung sei er nie wieder losgekommen. Mit 18 Jahren begann er dann selbst in verschiedenen Bands zu spielen. Im Duo „Nimm Zwei“ reiste er durch Deutschland.

„Wir hatten 110 Auftritte in den besten Jahren“, erklärt er mit einem Lächeln. Mit Coversongs seien sie auf Tour gewesen. Sie machten Stimmung, lebten ihren Traum. Sein Partner habe jedoch irgendwann geheiratet und ein Kind bekommen. „Seine Frau sagt, dass er sich langsam mal was Seriöses suchen müsse. Also habe ich mir dann auch was Seriöses gesucht“, sagt er und schmunzelt dabei.

Heute tritt Klingelhöfer nur selten mit Bands auf. „Es ist auch anstrengend, denn man ist lange unterwegs.“ Daheim Musik machen sei da schon entspannter. Deswegen hat der Erdhausener sich auch ein eigenes Musikstudio eingerichtet. Hier spielt er mit Freunden Lieder ein, die er selbst geschrieben hat. Für die Stücke arbeitet er dann auch gerne mit Sängern zusammen. „Die schreiben dann ihre eigenen Texte zu meiner Melodie“, erklärt er, während er eine rockige Musik vom Band abspielt. Namen bekommen die Songs dann, wenn der Text fertig ist. Die klangvollen, rockigen Stücke sind allerdings nur für den Eigenbedarf. „Sowas will ja keiner hören außer wir selbst. Das muss man einfach so ehrlich sagen“, sagt Klingelhöfer.

Mit Instrumenten nicht nur Musik machen, sondern auch arbeiten - das wollte Klingelhöfer schon immer. Deswegen hat er Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und viele Jahre in einem Musikgeschäft in Marburg gearbeitet. „Das war schön. Aber ich möchte es nicht mehr gegen meine jetzige Freiheit eintauschen.“

von Patricia Grähling

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