Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Der Hirschrufer

Ungewöhnliches Hobby Der Hirschrufer

Tasso Wolzenburg ist viermaliger Deutscher Meister der Hirschrufer. Beim Championat am Freitag in Dortmund reichte es für den Forstwirt in den Disziplinen „junger Hirsch“, „mittelalter Hirsch“ und „alter Hirsch“ allerdings nur für den sechsten Platz.

Voriger Artikel
In Dortmund gestellt und schon in Marburg in Haft
Nächster Artikel
Ermittler arbeiten an einem Puzzle mit vielen Teilen

Der viermalige Meister Tasso Wolzenburg imitiert auf seinen Exkursionen im Wittgensteiner Wald den Ruf der Hirsche.

Quelle: Salomé Weber

Glashütte. „Je näher der Termin der Meisterschaft rückt, desto nervöser wird man“, berichtet Tasso Wolzenburg, rückblickend auf die deutsche Meisterschaft der Hirschrufer, die am vergangenen Freitag während der Messe „Jagd und Hund“ in der Dortmunder Westfalenhalle stattfand. In den Kategorien „junger Hirsch“, „mittelalter Hirsch“ und „alter Hirsch“ ließen die 17 Kandidaten hören, wie gut sie die Imitation des Rufs der jeweiligen Altersklasse beherrschen.

Tatsächlich ruft ein junger Hirsch, anders als ein alter: „Der Ruf des jungen Hirschen ist im Vergleich höher, als die der anderen Hirsche. In seinen Rufen hört man die Sehnsucht nach Liebe“, erklärt der Hirschexperte und ergänzt: „Die Rufe der älteren Hirsche sind tiefer. Wenn sich die mittelalten Hirsche, gegen Ende der Saison heiser geschrien haben, ist ihr Rufen allerdings kaum noch von dem des älteren Hirsches zu unterscheiden.“

Die besondere Herausforderung bei der Imitation der Hirschrufe ist es, die genaue Tonart der jeweiligen Altersklasse zu treffen, denn „jeder Ruf hat eine bestimmte Note, die es zu treffen gilt“.

Dabei ist jedes Hilfsmittel erlaubt: Wolzenburg verwendet ein dreiteiliges olivgrünes Plastikrohr, das eigentlich für die Treibjagd gedacht ist. Es ist hohl, um den Resonanzraum seiner Rufe zu verstärken. „Es gab auch zwei Teilnehmer, die einen Teil eines ausrangierten Staubsaugerrohrs benutzt haben. Das hat erstaunlich gut funktioniert“, berichtet der ehemalige deutsche Meister.

Mit seiner eigenen Leistung ist der 48-Jährige in diesem Jahr nicht ganz zufrieden: „Bei den beiden ersten Kategorien lief es noch ganz gut. Ich hatte einmal fünf und einmal sechs von sechs möglichen Punkten. Doch dann ist mir wortwörtlich die Spucke weggeblieben.“ In diesem Jahr habe ihm einfach die Vorbereitungszeit gefehlt, erklärt Wolzenburg, denn sein Hobby löste eine bundesweite Medienresonanz aus. So kam es, dass er die Zeit, die eigentlich für die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft vorgesehen war, damit verbrachte, Interviews zu geben.

Die Leidenschaft für die Natur und insbesondere die Hirsche entdeckte Wolzenburg „als junger Bursche mit sechs oder sieben Jahren, als ich mit dem Großvater in der Abenddämmerung in den Wald gegangen bin, um Hirsche zu beobachten. Danach hat es mich einfach gepackt und ich habe mich jedes Jahr auf den September gefreut, wenn die Brunftzeit der Hirsche beginnt“.

Vielleicht auch deshalb hat der ehemalige deutsche Meister sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 1989 arbeitet er im Forstamt Siegen-Wittgenstein und vor mehr als zehn Jahren begann er seine Arbeit beim „Forsthaus Hohenroth“, zu dem ein knapp 50 Hektar großes Rotwildgehege gehört.

Um seine Leidenschaft weiterzugeben und den Menschen die heimische Natur näherzubringen bietet der Forstwirt außerdem geführte Touren an. Dann packt er sein olivgrünes Plastikrohr aus und ruft damit in den Wald hinein: „Mit meinen Rufen imitiere ich einen jungen Hirsch. Das lockt eigentlich immer Rivalen an.“

Seit einiger Zeit sind am Waldrand der Glashütte allerdings nicht nur röhrende Hirsche und Menschen zu hören, sondern ab und an auch der Klang von Motorsägen, denn Wolzenburg hat vor einiger Zeit seine Begeisterung für die Holzkunst entdeckt. Mit fünf unterschiedlichen Sägen formt er Spechte, Wisente, Eulen oder andere Tiere, die ihn inspirieren, aus einfachen Holzstümpfen.

Bei seinen diversen Auftritten auf Festen, in verschiedenen Fernseh-, Radioshows oder Meisterschaften hat Wolzenburg eines gelernt: „Am besten ist, man versucht alles, was man macht mit Ruhe anzugehen und bleibt einfach man selbst.“

von Salomé Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr