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Den Räubern auf der Spur

OP-Wanderserie Teil 2 Den Räubern auf der Spur

Die „Postraubroute“ führt von Mornshausen zu den Schauplätzen eines räuberischen Verbrechens. Eine Tour, die Geschichte greifbar macht. Schöne Strecken und tolle Aussichten inklusive.

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Da bekommt man doch Lust zu wandern... Die Postraubroute führt durch Wiesen und Felder an der Salzböde entlang.

Quelle: Lahn-Dill-Bergland

Mornshausen/S.. Eine schöne Route zu wandern und dabei ein geschichtliches Ereignis aufzuarbeiten, das hat mein Interesse für diesen Weg geweckt. Volker Schlöndorffs Film „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ ist mir noch in Erinnerung und deshalb will ich mir  den Schauplatz der „Beraubung des Geldkärrchens“ auch einmal ansehen. Doch dazu später mehr.

Die Extratour Postraubroute im Naturpark Lahn-Dill-Bergland beginnt am  Wanderportal am Kornhaus in Mornshausen an der Salzböde. Als Höhepunkte der Tour werden dort insbesondere der Hohlweg in der Subach und die Erdhäuser Koppe benannt.

Entgegen der Darstellung auf der Tafel des Wanderportals und in den meisten Wanderkarten führt der Weg aktuell nicht mehr an den Salzquellen im Salzbödetal vorbei, sondern steuert direkt das untere Subachtal an. Deshalb gilt jetzt: der aktuellen Wegebeschilderung folgen, den Weg am Biergarten des „Kornhauses“ vorbei nehmen und dann nach etwa 500 Metern zum Wald hin das Subachtal aufwärts laufen.

An Fischteichen vorbei geht es mit gemächlicher Steigung, teilweise auf einem schönen Wiesenweg, voran. Auf einer Weide liegen vier Rinder, die sich bei meiner Annäherung wie zu einer Begrüßung erheben und auf mich zugelaufen kommen. Ein geschotterter Weg führt bis zum Waldrand, an dem ich ein Informationspult entdecke. Da steht sie geschrieben, die Historie über den Postraub in der ­Subach anno 1822. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, bin ich auf den Ort des Überfalls gespannt.

Der Weg führt zunächst leicht geschwungen bergan, wird immer steiler und die Erdwände rechts und links immer höher. Fast 300 Meter geht es hoch – und kurz bevor man die Höhe erreicht, da soll die Kutsche durch die Räuber angehalten worden sein. Ein Entkommen war nicht möglich.

Von Gießen aus fuhr zu dieser Zeit monatlich zweimal eine Postkutsche nach Gladenbach, um dort „herrschaftliche und private Gelder“, Briefe und Pakete abzuholen. So auch am Sonntag, 19. Mai 1822. Die Rückfahrt erfolgte ab Gladenbach mittags um 13 Uhr. Der Postweg lief über Mornshausen/S., Rollshausen und Kirchvers durch damals kurhessisches Gebiet. Die Kutsche kam in dem Hohlweg in der Subach immer schleppender voran und kurz vor der Höhe erfolgte der Überfall durch acht arme Bauern und Tagelöhner aus Kombach und Umgebung.

Die Beute betrug 10 466 Gulden. Dieser plötzliche Reichtum wurde den Tätern aber zum Verhängnis, da sie durch ihre Ausgaben auffielen. Sie wurden 1824 in Gießen zum Tode verurteilt, zwei Täter konnten jedoch entkommen.
Kurz hinter dem Tatort erreicht man auf der Höhe ein Wegekreuz – im Volksmund „Die sieben Wege“. Dort befindet sich auch eine beliebte Rastmöglichkeit. Bis hierher habe ich fast vier Kilometer zurückgelegt, sodass sich eine kurze Rast anbietet.

Die Postraubroute führt weiter, zunächst noch durch schönen Mischwald, zu einem landschaftlich sehr vielfältig und abwechslungsreichen Waldwiesen- und Ackerareal. Im Tal liegt das Dorf Rodenhausen. An der Feld- und Waldgrenze entlang geht es rund um den Hemmerich, der stattliche 470 Meter Höhe aufweist. W eiter verläuft die Route in Richtung Erdhäuser Koppe.

Abweichend der Postraubroute nehme ich einen direkteren, etwa 3 Kilometer langen Weg zur Koppe: den G 7, einen Weg des Oberhessischen Gebirgs- und Wandervereins  Gladenbach. Dieser führt, gut beschildert, auf einem Forstweg leicht bergan, biegt nach gut 500 Metern rechts ab, wird immer steiler, aber auch naturbelassener und angenehmer zu gehen. Fingerhut, roter Holunder und jede Menge Himbeersträucher stehen auf einer Lichtung. Nahezu auf der Höhe biegt der G 7 vom geradeaus laufenden Waldweg nach links ab, und ich erreiche nach etwa 150 Metern wieder einen befestigten Waldweg, den ich in nördlicher Richtung weiter­gehe. Kurz darauf treffe ich wieder auf die Postraubroute und wandere bis zur Koppe. Vorm Ziel kommt noch ein etwa 300 Meter langer ordentlicher Aufstieg. Eine Schutzhütte, Bänke und natürlich der Aussichtsturm befinden sich oben auf dem Berg. Eine Turmbesteigung lohnt, insbesondere bei gutem Wetter mit Fernsichten in den Taunus, Westerwald, das Gießener Becken und zum Kellerwald. Auch eine Rast bietet sich hier an.

Über eine Distanz von 3 Kilometern führt der Weg nun bergab, zunächst zwischen Koppe und Dreisberg durch Mischwald, danach durch freies Feld mit blühenden Schlehenhecken. An einem Wäldchen befinden sich Sitzbänke mit Blick ins Salzbödetal.

Am Kornhaus angekommen kann man die interessante Wanderung ausklingen lassen.

Infos zum Wanderweg:

An- und Abreise
ÖPNV – Bushaltestelle: Mornshausen, Lindenstraße
Detailinfos: RMV – Fahrplanauskunft

Wanderkarte:
Wanderkarten – Leporello, Naturpark Lahn-Dill-Bergland

Dauer :
2 ½  Stunden (geübte Wanderer),
3 ½ Stunden (Genusswanderer)

Region:
Lahn-Dill-Bergland

Strecke:
10 Kilometer (Postraubroute u. G 7)

Höhenlage:
215 bis 454 Höhenmeter

Tipps:
Wanderschuhe sehr zu empfehlen. Proviant mitnehmen. Einkehrmöglichkeiten erfragen unter Telefon 06462/4088199.

Besondere Eindrücke :
Hohlwegebereich in der Subach mit geschichtlichem Hintergrund, Aussichten vom Koppeturm.

Die Serie:

1. Burgwaldpfad (Burgwald)
2. Postraubroute (Lahn-Dill-Bergland)
3. Rotes Wasser (Burgwald)
4. „Sagenhaftes Schächerbachtal“ (Stadt Homberg)
5. Hugenotten- und Waldenserpfad (Burgwald)
6. Drachenflug (Burgwald)
7. Lahnwanderweg Marburg – Fronhausen (Marburger Land)
8. Eibenhardtpfad (Burgwald)

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Wanderserie (Teil 3 von 8)
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Die Tour „Rotes Wasser“ führt durch vielfältige Landschaft – vom vermoorten Talgrund mit naturnahem Bachlauf geht es zu Teichen, Tümpeln und einem ehemaligen Basaltkegel.

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