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"Dekanat der Regionen" gestalten

Zusammenschluss "Dekanat der Regionen" gestalten

Ein umfangreiches Programm bewältigten die rund 120 Mitglieder der Dekanatssynoden Biedenkopf und Gladenbach in gemeinsamer Sitzung.

Biedenkopf. Wie soll das neue Dekanat heißen, das aus der Fusion der bestehenden Dekanate Biedenkopf und Gladenbach entsteht? Und wie soll die Arbeit in diesem „Dekanat der Regionen“ gestaltet werden, das von Bromskirchen im Norden bis vor die Tore Wetzlars reicht? Mit diesen und anderen Fragen rund um den Zusammenschluss der beiden Dekanate zum Jahresbeginn 2016 haben sich die Synoden bei ihrer gemeinsamen Tagung am Samstag im Biedenkopfer Gemeindehaus beschäftigt.

Aus den Vorschlägen, die durch einen über die Gemeindebriefe ausgeschriebenen „Wettbewerb“ eingereicht worden waren, hatten die Vorstände der beiden Dekanatssynoden eine Vorab-Auswahl getroffen: „Evangelisches Dekanat Lahn-Eder“, „Evangelisches Dekanat Hessisches Hinterland“ und „Evangelisches Dekanat Biedenkopf und Gladenbach“ waren die drei vorgestellten Optionen. In der angeregten Diskussion verwarfen die rund 100 Synodalen den eigentlich favorisierten Vorschlag „Hessisches Hinterland“. Bei allem nachvollziehbaren Lokalpatriotismus sei dieser eher weniger geeignet, die Vorzüge des neuen Dekanats auch jenseits seiner Grenzen deutlich zu machen, hieß es.

„Dekanat Biedenkopfund Gladenbach“

„Wir meinen, dass wir stolz auf unserer hessisches Hinterland sein können“, hatte die Biedenkopfer Präses Liesel Hallenberger zu dem Vorschlag der Dekanatssynodalvorstände gesagt: „Zumindest kommen sie mit anderen Menschen leicht ins Gespräch, wenn sie sagen, dass Sie aus dem Dekanat Hessisches Hinterland stammen“, fügte sie leicht ironisch dazu. Gleichwohl habe der Name eine historische Berechtigung, bilde das fusionierte Dekanat doch tatsächlich die vor rund 100 Jahren geltenden Grenzen des Hinterlandes ab, ergänzte ihr Gladenbacher Kollege Joachim Lies. „Wir brauchen für ein neues Dekanat auch einen neuen Namen!“, lautete seine Meinung. Pfarrer Olaf Schmidt, Weltanschauungsbeauftragter und Bildungsreferent im Dekanat Gladenbach, sprach von „eindrucksvollen Rückmeldungen“ auf den „Hinterland“-Vorschlag: Damit verbinde man anderswo „atemberaubende Vorstellungen“ und werde günstigenfalls gefragt, ob man denn dort schon Internet habe. Oliver Schöndorf, Pfarrer ins Bromskirchen, wies darauf hin, dass mit Hallenberg ein Teil seines Gemeindegebiet schon in Nordrhein-Westfalen liege: „Das Sauerland ist eine andere Welt, da ist ‚Hessisches Hinterland‘ schon ausschließend“, gab er zu bedenken. Er sprach sich wie Pfarrer Claus Becker (Battenfeld) für den Namen „Dekanat Biedenkopf und Gladenbach“ aus: „Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auch uns verbindet nichts mit dem Hinterland“, sagte Becker.

Pfarrer Michael Solle aus Biedenkopf votierte für eine räumliche Bezeichnung wie „Dekanat Lahn-Eder“, wie sie andere fusionierte Dekanate auch gewählt hätten. Um ein Meinungsbild zu bekommen, rief Dekan Gerhard Failing - der sich für „Dekanat Hessisches Hinterland“ ausgesprochen hatte - zu einer Probeabstimmung auf. Dabei hoben 54 Gemeindevertreter für „Biedenkopf und Gladenbach“, 30 für „Lahn-Eder-(Bergland) und 22 für „Hessisches Hinterland“. Der erstere Vorschlag wird sich nun in der „Vereinbarung zur Vereinigung der Evangelischen Dekanate Biedenkopf und Gladenbach“ finden, über die die Synodalen im März bei ihrer nächsten gemeinsamen Tagung zu beschließen haben. Noch keine Neuigkeiten konnte Präses Hallenberger in ihrem Bericht über den Stand der Fusionsvorbereitungen hinsichtlich des Sitzes des neuen Dekanats vermelden.

Unterschiedliche Vorstellungen wurden auch bezüglich des angestrebten „Dekanat der Regionen“ laut. Damit sei nicht die Schaffung „neuer kleiner Dekanate“ als eigenständige Verwaltungseinheiten gemeint, stellten die Präsides klar. Pfarrer Stefan Peter als stellvertretender Dekan brachte eine Vorlage ein, derzufolge das „Dekanat der Regionen“ auch in der Präambel der Vereinigungsvereinbarung festgeschrieben werden sollte. In der Diskussion um die Formulierung wurde deutlich, dass unterschiedliche Erwartungen und Befürchtungen mit der Fusion verbunden sind: „Das neue Dekanat darf kein zentralistisches Gebilde werden und ist nur regional denkbar!“, betonte Claus Becker: „Die Gemeinden des Oberen Edertals haben doch keine Ahnung, was beispielsweise die Gemeinde Waldgirmes (bei Wetzlar) beschäftigt.“ Detlef Ruffert hingegen warnte, das neue Dekanat werde keine Identität entwickeln,wenn es in Regionen geplant werde. „Was hält uns als evangelische Kirche dann noch zusammen, worüber wollen wir in den Synoden noch sprechen?“, gab Olaf Schmidt zu bedenken.

Zusammenarbeit aufKirchengemeindeebene

Präses Joachim Lies stellte klar, dass die Regionenbildung auf die Zusammenarbeit auf Kirchengemeindeebene abziele: „Das Dekanat bleibt davon unberührt“, sagte er. Es werde die Regionalisierung stützen, ohne kleine Dekanate zu schaffen oder Dekanatsaufgaben auf die regionale Ebene zu ziehen. Als gelungenes Beispiel nannte Pfarrer Stefan Peter das im Einkaufszentrum Battenfeld eröffnete Regionale Kirchenbüro, das mehrere Kirchengemeinden zusammen mit der Diakoniestation gemeinsam betreiben. „Das zeigt, das Vernetzung funktioniert“, erklärte er. Dekan Failing bezeichnete das Kirchenbüro später in seinem Bericht als „Erfolgsmodell“, das als Kontaktmöglichkeit genutzt werde und sich im landeskirchlichen Bereich bereits einen Namen gemacht habe.

von Klaus Kordesch

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