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Zwei Messerstiche gegen Nebenbuhler

Gerichtsprozess Zwei Messerstiche gegen Nebenbuhler

Weil er in der Buchenauer Wohnung seiner Ex-Freundin versucht haben soll, deren geschiedenen Ehemann zu erstechen, muss sich ein 32-Jähriger aus Aßlar vor dem Landgericht verantworten.

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Während der Verteidiger wartet, nimmt ein Justizbeamter dem Angeklagten im Gerichtssaal die Handschellen ab.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg/Buchenau.. Gepflegte Erscheinung, Sakko, Hemd, gegelte Haare: Aufrecht und beherrscht betritt der 32-jährige Angeklagte gestern Morgen den Saal 101 des Landgerichts, lässt sich vom Justizbediensteten die Handschellen abnehmen. Mit ruhiger Stimme beantwortet er die Fragen des Vorsitzenden Richters zu seiner Person und lässt nach der Aufklärung über ­seine Rechte von seinem Verteidiger Bernd Weiß verlauten, dass er sich vorerst nicht zu den Vorwürfen ­äußern werde.

Angeklagt ist er der gefährlichen Körperverletzung, begangen am neuen Partner seiner ehemaligen Freundin. Dass es nicht um ein versuchtes Tötungsdelikt geht, verdankt der Angeklagte allein der Tatsache, dass er nach zwei Stichen mit einer 10 Zentimeter langen Messerklinge in den linken Oberarm und in die Brust seines Opfers von diesem abließ und flüchtete.

„Das ist ein klassischer Fall des Rücktritts vom Versuch“, erklärte Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier. Gleichwohl sitzt der Angeklagte seit der Tat am 19. Februar in Gießen in Untersuchungshaft.

Angeklagter stürmt mit Messer ins Schlafzimmer

Laut Anklageverlesung gelangte der 32-Jährige am Tattag mit einem Schlüssel, den er noch hatte, in die Wohnung. Dort sei sich das neue, alte Paar gerade „nähergekommen“. Der 23-jährige ehemalige Ehemann der 24-jährigen Frau habe sich hinter der Tür des Schlafzimmers versteckt, der Täter sei ihm hinterher und habe mit dem mitgebrachten Messer in Tötungsabsicht auf ihn eingestochen und ist dann geflohen.

Die beiden Zeugen, die nach eigenen Angaben inzwischen zum zweiten Mal verheiratet sind, berichteten übereinstimmend, dass sie sich am Tattag in der Wohnung der Frau trafen, um über ihre Beziehung zu sprechen. Doch dann war plötzlich der Angeklagte da. „Er stand plötzlich vor der Tür“, so die 24-Jährige.

Mit dem Angeklagten war sie einige Zeit mit mehreren Unterbrechungen locker liiert, bevor sie wegen einer weiteren Beziehung des Mannes im Oktober 2016 Schluss machte. Aber auch danach, so räumte sie ein, gab es Treffen und sexuelle Kontakte. Im Februar habe sie aber einen Schlussstrich ziehen wollen und am Tattag ihm auch geschrieben, er solle nicht zu ihr kommen.

Stichverletzung in der Brust

Mit ihrem damaligen Ex-Mann habe sie zunächst im Wohnzimmer gesessen. Beide seien nicht mehr vollständig bekleidet gewesen, als sie den Schlüssel gehört hätten. „Ich dachte, es wäre meine Mutter, die sollte nicht wissen, dass er da ist“, erklärte sie das Verstecken des Mannes. „Ich habe gleich gehört, da ist etwas faul“, so der 23-Jährige. „Wo ist er“, habe der Angreifer gerufen und sei dann im Dunkeln sofort auf ihn zugestürmt.

Es kam zu einer Rangelei, in der er den Aßlarer auf das Bett drückte. „Dann habe ich plötzlich gemerkt, dass etwas spritzt“, berichtete er. Grund war eine Stichverletzung in der Brust; wann ihm diese zugefügt wurde, ob noch im Stehen oder als er den Kontrahenten niedergerungen hatte, wusste der ­Zeuge nicht.

Er sei sofort aufgestanden und ins Wohnzimmer gegangen, wo er sich die Verletzung angeschaut habe. Ein zweiter Einstich befand sich am Oberarm. Der Angeklagte sei ihm gefolgt und habe ihn bedroht. „Ich sollte sofort gehen, sein Bruder warte mit Jungs draußen“, habe er behauptet. Deshalb habe er, nachdem die Frau den Rettungsdienst verständigt hatte, auch das Haus verlassen, um auf Sanitäter und Polizei zu warten.

Er drohte sie zu töten

Wie die im Gericht abgespielte Aufzeichnung des Notrufs belegt, telefonierte er bis zu deren Eintreffen noch mit der Polizei, machte aber teils falsche Angaben, etwa bei der Täterbeschreibung. Aus Angst, wie er jetzt ­betonte.
Der Täter sei nicht wieder aufgetaucht, obwohl er die Frau beim Gehen aufgefordert hatte, ihm zur Buchenauer Tankstelle zu folgen.

Thematisiert wurde auch ­die Internetkommunikation zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Freundin, die bis zum Nachmittag des 19. Februar reicht. An diesem Tag drohte der Mann unter anderem: „Ich werde es nie zulassen, dass du einen anderen hast, du weißt das wohl, mein Schatz.“ Außerdem drohte er, sie zu töten.

Sie habe das nicht ernst genommen, so die Zeugin, er habe schon in der Vergangenheit Ähnliches geäußert, auch dass er Nacktbilder von ihr veröffentlicht hatte.

Angeklagt ist der Tatverdächtige zudem auch wegen zweimaligen Fahrens ohne Führerschein, weil er zur Tat von Aßlar nach Buchenau und zur Flucht einen Mazda nutzte, für den er keine gültige Fahrerlaubnis hatte.

  • Der zunächst auf fünf Verhandlungstage terminierte Prozess wird am Freitag, 27. Oktober, fortgesetzt.

von Gianfranco Fain und Heiko Krause

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