Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Gewitter

Navigation:
„Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“

GV Wolfgruben-Wilhelmshütte „Wir sind an unsere Grenzen gestoßen“

Im kommenden Jahr hätte der Gesangverein Wolfgruben-Wilhelmshütte sein 120-jähriges Bestehen gefeiert. Dazu wird es nun jedoch nicht mehr kommen.

Voriger Artikel
Dieb mit geraubter Scheckkarte am Automat
Nächster Artikel
Steuersenkungen können kommen

Die Zahl der Aktiven hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen und zudem ist das Durchschnittsalter gestiegen. Zum letzten Mal wird der Chor bei der Waldweihnacht auftreten.

Quelle: Sascha Valentin

Wolfgruben. In einer außerordentlichen Versammlung stimmten die Mitglieder für die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember. Der Schritt sei bedauerlich, letztlich aber unvermeidbar, stellte Vorsitzender Hans-Dieter König fest.

Gründe dafür gebe es mehrere. Allen voran der fehlende Nachwuchs. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter der Sänger bei mehr als 70 Jahren. Damit sei auf Dauer kein Chor singfähig.

Hoffnungen hatte der Verein zuletzt in eine Zusammenarbeit mit der Burschenschaft gelegt, berichtete König. Doch auch die seien leider nicht erfüllt worden.

Den Älteren falle es schwer, moderneres Liedgut zu lernen, was aber wiederum von jüngeren Sängern erwartet werde.­ Ebenso habe man bei Feiern und Konzerten bereits mit anderen Chören über eine mögliche Fusion gesprochen. Doch auch das sei abgelehnt worden, stellte der Vorsitzende fest. Bedingt durch die schrumpfende Zahl an Mitgliedern ist ein weiteres Problem entstanden: Der Kassenstand sinkt stetig. Allein durch die Mitgliederbeiträge ließen sich die laufenden Kosten etwa für die Chorleiterin nicht mehr decken, rechnete Kassierer Berthold Krause vor.

Nachwuchssorgen und Finanzprobleme

Und eigene Veranstaltungen durchzuführen, falle angesichts des hohen Alters der Mitglieder zusehends schwerer. Zum Stichtag betrug der Kassenstand gerade einmal noch rund 1000 Euro. Damit würde der Verein das kommende Jahr ohnehin nicht überstehen.

„Wir sind an die Grenzen unserer Existenz gestoßen“, bilanzierte König und stellte schließlich den Antrag auf Auflösung des Vereins, dem alle 18 anwesenden Mitglieder folgten.

„Es ist schade, weil dadurch ein Stück Kultur verloren geht, aber es ist der Lauf der Welt“, stellte Reinhold Wache fest. Und Matthias Schindler ergänzte, dass nicht nur die Gesangvereine mit Nachwuchssorgen und Finanzproblemen zu kämpfen haben. Letztlich seien viele Verein davon betroffen.

Kassenbestand 
fällt an Burschenschaft

Dass es sich dabei keineswegs um hausgemachte Probleme handelt, sondern diese gesellschaftlich bedingt sind, darauf wies Uwe Muth hin. An dieser Entwicklung sei am Ende der ganze Ort schuld. „Denn hier hat die Gemeinschaft versagt“, betonte Muth. Das war zuvor bei der Feuerwehr schon so und sei auch jetzt beim Gesangverein wieder so. Für Wolfgruben und alle anderen Orte mit denselben Problemen sei das ein Armutszeugnis.

Dem pflichtete auch Ortsvorsteher Harald Fett bei. Die Beteiligung der Bürger an Veranstaltungen sei generell sehr gering. „Die Gesellschaft hat sich total verändert und das tut mir sehr leid“, sagte Fett.

Bis zum Ende des Jahres wird der Gesangverein ganz normal weiterproben, teilte König mit. Bei der Waldweihnacht an der Schutzhütte werde er dann seinen letzten Auftritt haben.

Das restliche Geld in der Kasse soll der Burschenschaft zugutekommen, damit diese es für den Ort einsetzt. Auch darauf einigten sich die Mitglieder einstimmig. Allzu viel dürfte das aber ohnehin nicht mehr sein, da auch in den verbleibenden beiden Monaten noch Kosten beglichen werden müssen.

von Sascha Valentin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr