Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Behörde wertet Lärmmessungen aus

Windpark Hilsberg Behörde wertet Lärmmessungen aus

Ob die fünf Windräder auf dem Hilsberg, wie die Holzhäuser glauben, mehr Lärm verursachen als die Genehmigung zulässt, steht rund zweieinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme noch nicht fest.

Voriger Artikel
Elmshäuser kritisieren Gemeinde
Nächster Artikel
Dautphe bekommt weitere Urnenwand

Die Räder des Windparks Rachelshausen wachsen in die Höhe. In Sichtweite des Standorts, an dem ein Kran die untersten Turmteile emporhievt, sind die ersten Mühlen des Hilsbergs zu sehen.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Im Streit um den Betrieb der Windräder auf dem Hilsberg ist noch keine Ruhe eingekehrt. Die Standortgegner sind analog zum Betrieb der fünf Anlagen aktiv. Anlass ist der Lärmpegel, der von ihnen ausgeht. Zwar ist ein gewisser ­Gewöhnungseffekt eingetreten, doch je nach Windrichtung wird der Schallpegel von den Holzhäusern als mehr oder minder störend empfunden. Ihre Hoffnungen ruhen auf den Ergebnissen der Lärmmessungen, die laut den Nebenbestimmungen der Betriebsgenehmigung des Regierungspräsidiums (RP) Gießen „frühestmöglich nach der Inbetriebnahme der Anlagen und nach jeder Änderung der Leistungswerte“ erfolgen sollte. Mit ihnen soll „überprüft werden, ob die in Ziffer 4.1.1 festgelegten Immissionsbegrenzungen eingehalten werden“.

Doch zweieinhalb Jahre nach Inbetriebnahme liegen die Ergebnisse noch nicht vor. Die in der Bürgerinitiative Holzhausen vereinten Standortgegner vermuten eine bewusste Verschleppung der Messungen zugunsten des Anlagenbetreibers, dem Eigenbetrieb „Kur Tourismus Energie“ der Gemeinde Bad Endbach. Ihre Vermutungen begründen sie auf wiederholten Messungen, den Ausfall einer Messstation, einen leistungsreduzierten Betrieb während des Messzeitraumes 2015 und 2016 sowie einer Zunahme des Lärms nach dem Abbau der Langzeitmessstation in Holzhausen.

RP-Sprecher: Erstes Ergebnis nicht belastbar

„Mir drängt sich der Verdacht auf, dass so lange wiederholt wird, bis die Werte irgendwann einmal passen, oder die Bürger müde werden, sich zu beschweren“, meint der stellvertretende BI-Vorsitzende Andreas Knoll. Bestärkt wird das Unbehagen durch ausbleibende Antworten des Regierungspräsidiums. Erhöht wird das Unbehagen durch die bevorstehende Inbetriebnahme der Windräder bei Rachelshausen, die beim Landratskreuz in unmittelbarer Nähe zu denen auf dem Hilsberg entstehen und noch in diesem Jahr ans Netz gehen sollen. Die BI befürchtet, dass dann aufgrund der topografischen Gegebenheiten ihre Lärmbelastung zunimmt, die Verursacher aber nicht ermittelt werden und somit keine Leistungsreduzierungen veranlasst werden können.

Zu den Gründen, weshalb die Ergebnisse so lange auf sich warten lassen, erklärt RP-Sprecher Oliver Keßler, dass das ­Ergebnis der ersten Messkampagne am 25. August 2015 sowie am 12. und 13. Januar 2016 nicht belastbar war. Ausschlaggebend waren „methodische Mängel“ wie „die Verwendung eines zu langen Messkabels und die nicht sachgerechte Positionierung eines Mikrofons“.

RP weist erste Messung zurück und ordnet zweite an

Das RP wies den Anlagenbetreiber an, wie zuvor erneut eine Messkampagne durch eine anerkannte Messstelle zu veranlassen. Diese fand laut Keßler am 2. und 20. März dieses Jahres statt. Deren Ergebnis liegen vor, sind „mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu bemängeln“ und werden ausgewertet. Da die fachliche Prüfung zeitaufwändig ist, könne dies noch dauern. Das gilt auch für die Ergebnisse der Dauermessstation, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Holzhausen aufstellte (die OP berichtete).

Das RP geht davon aus, dass „die Prüfung der Lärmimmissionen in Holzhausen vor der Inbetriebnahme der Windenergieanlagen bei Rachelshausen abgeschlossen sein wird“. Sollte eine Überschreitung der zulässigen Immissionswerte festgestellt werden, so wäre dies eindeutig den Hilsberg-Anlagen zuzuordnen, was eine nächtliche Leistungsdrosselung zur Folge hätte.

Durch den Betrieb der Windmühlen bei Rachelshausen ergebe sich keine andere Situation, da deren Lärmausbreitung so errechnet sei, dass die Hilsberg-Anlagen die Immissionswerte ausschöpfen. Grundsätzlich gelte aber, dass auch später Windkraftanlagen oder -parks abgeschaltet werden können, um Lärmbeiträge zuzuordnen.

von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr