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Ein Privatmuseum im Gartenhäuschen

Heimatgeschichte Ein Privatmuseum im Gartenhäuschen

Das Leben der Dautphetaler um 1900 wird bei Ewald Werner sichtbar: Der Mornshäuser und seine Frau Herta stellen eine bunte Sammlung an Handwerkszeug und Alltagsgegenständen aus.

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Ewald Werner hat sich in seinem Garten ein privates Mini-Museum eingerichtet, in dem Hunderte Zeugnisse der Vergangenheit 
lagern.

Quelle: Christian Röder

Mornshausen/D. Ewald Werner liebt Heimatgeschichte – sein Garten zeugt davon. Nicht nur, dass er in einer kleinen Hütte ein regelrechtes Archiv angelegt hat, mit allem, was den Dautphetaler Ortsteil Mornshausen mehr oder weniger betrifft, der mittlerweile 84-Jährige hat sein Wissen auch schon zu Papier gebracht. „Geschichten und Geschichte: Ein Rundgang um und durch Mornshausen an der Dautphe“ heißt das mehr als 100-seitige Büchlein, welches er Ende vorigen Jahres­ veröffentlicht hatte und das im Nu vergriffen war. „Ich hätte nie mit einer solchen Resonanz ­gerechnet“, sagt der Hobby-Historiker rückblickend, glücklich darüber, dass seine Anekdoten bei den Leuten ankommen.

Doch bei Ewald Werner wird Geschichte nicht nur in Worten erzählt. In seinem Garten hat der Mornshäuser ein privates Mini-Museum eingerichtet, das einem Einblicke in die Zeit um die Jahrhundertwende um 1900 liefert. In eine Zeit, in der der Alltag oft beschwerlich war, die aber auf Ewald Werner eine ganz besondere Faszination ausübt.

„Einfach mal die alten Sachen zusammengetragen“

Ewald Werner wuchs als Sohn eines Bergbauarbeiters in Mornshausen auf. Zuhause erlebte er die harte Arbeit seines Vaters unter Tage mit. Zudem führte die Familie einen kleinen bäuerlichen Betrieb. „Wir 
hatten nicht viel. Zwei Milchkühe, aber damit bin ich aufgewachsen“, sagt Ewald Werner heute.

Irgendwann – genau können es weder Ewald noch seine Ehefrau Herta Werner sagen; es müsse aber gut zehn Jahre her sein – fing der Mornshäuser an, jene Gegenstände zu sammeln, die ihn schon seit frühester Kindheit begleitet haben. „Wir haben einfach mal die ­alten Sachen zusammengetragen, die wir sowieso im Haushalt hatten“, erzählt Ewald Werner. „Das haben die Leute dann natürlich mitbekommen – und uns ihrerseits auch noch Dinge vorbeigebracht.“

Und so wuchs die Sammlung an: Bald hatten die Werners Pflüge, Trachten, alte Schreib-utensilien, Pfeifen, Haushaltswaren und, und, und in ihrem Fundus. Ein Heim für all die kleinen Schätzchen musste her. „Wir haben es dann kurzerhand selbst gebaut und in den Garten gestellt“, erinnert sich Ewald Werner. Da steht das kleine Häuschen nun – mittlerweile natürlich noch um weitere Anbauten erweitert, damit all die Exponate auch Platz haben, sie zur Geltung zu kommen.

Zu der grün gestrichenen Laube (Foto: Röder) mit funktionierender Uhr im Türmchen führt ein geschwungener Weg durch den wildromantischen Garten der Werners. Überall dort finden sich schon Zeugnisse der Vergangenheit: altes landwirtschaftliches Gerät und eine Grubenlampe etwa. Auch eine Baumwurzel, die Ewald Werner zu ­einem kleinen Wasserspeier umfunktioniert hat. Das gefällt auch den Waldbewohnern. „Wir leben hier ja dicht am Wald, da schauen auch immer mal wieder Fuchs und Co. vorbei“, sagt Herta Werner.

Besucher treten schließlich durch ein kleines Tor mit dem Straßenschild „Am Stemel“ ein. Das Mini-Museum ist thematisch in verschiedene Räume unterteilt. Der größte etwa wird von einer Tracht beherrscht; ­jener von Ewald Werners Mutter aus dem Jahr 1842. Alte Bilder und Erinnerungen hängen an den Wänden. Auch ein kleines Tischchen steht hier. Darauf liegen Füllfederhalter und ­eine Griffeldose: Überbleibsel aus der eigenen Schulzeit.

In einem großen Schrank stapelt sich edles Service, Teller für die gute Sonntagsmahlzeit, ein gusseiserner Kaffeeröster: Wer wissen möchte, wie es in den Küchen und Wohnstuben vieler Familien des Hinterlands um 1900 ausgesehen hat, wird hier fündig. Auch eine alte „Underwood“-Schreibmaschine, Dutzende verschnörkelte Pfeifen und eine Nähmaschine stehen hier.

„Zeit zum Fernseh 
gucken haben wir nicht“

Draußen gibt es alles, was man früher für eine Hausschlachtung genutzt hat. Der Vorgänger eines Bolzenschussgeräts, eine Wanne aus Zinkblech, Ketten, um die Schweine zu schrubben, zwei Schellen, um die Restborsten zu entfernen, Messer,­ 
Säge und das sogenannte „Krumpholz“, an dem das Tier aufgehängt wurde. Dem harten Arbeitsalltag der Hinterländer Milchbauern widmet sich ein weiterer Raum. Milchkannen und -eimer verschiedener Größen stehen hier. Dazu Zentrifugen, Steingut, eine Butterwaage und gusseiserne Backformen.

All die Zeugnisse der Vergangenheit sind liebevoll gepflegt. Staub? Hier nicht. „Damit­ und mit dem Garten haben wir ­genug zu tun“, sagt Herta ­Werner. „Das hält auf Trab. Zeit zum Fernseh gucken haben wir nicht.“ Aber es mache ja auch Spaß. Was auffällt: Überall im Garten finden sich Sitzgelegenheiten. „Hier verbringen wir die meiste Zeit“, sagen die Werners.

Nein, Ewald Werner wird‘s nicht langweilig. Neben der Pflege seiner Sammlung arbeitet der 84-Jährige auch an ­einem weiteren Buch. Anders als der Erstling „Geschichten und Geschichte: Ein Rundgang um und durch Mornshausen an der Dautphe“, das er seinerzeit zusammen mit seinem Sohn erarbeitete, soll sich das nächste­ nur um ein einziges Thema drehen: den Bergbau in Mornshausen. „Die Seiten füllen sich“, sagt der Hobbyhistoriker nur zum aktuellen Stand. „Ich denke, dass ist dann noch einmal eine andere Geschichte“, sagt er lächelnd. Ewald Werner hat noch viel zu berichten.

von Christian Röder

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