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Möbel des Zinnreiter-Meisters gesucht

Freilichtmuseum Hessenpark Möbel des Zinnreiter-Meisters gesucht

Das Freilichtmuseum Hessenpark plant eine Dauerausstellung zu einem Schreinermeister aus Friedensdorf. Das Museum sucht deshalb nach Möbelstücken des Friedensdorfers Johannes Heck.

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Im Haus des Friedensdorfer Schreinermeisters Johannes Heck, das seit 1987 im Hessenpark Neu-Anspach steht, soll im kommenden Jahr eine Dauerausstellung über das Leben und die Werke des „Meisters mit den Zinnreitern“ etabliert 
werden.

Quelle: Hessenpark

Friedensdorf. Er gilt als der „Meister mit den Zinnreitern“ und hat opulente Schränke erschaffen. Besonders beeindruckte Johannes Heck (1785-1845) mit Einlegearbeiten aus Zinn in Form von kleinen Reitern. Auch mit Blatt- und Federfächern, Akanthusranken und kleinen eingeschlagenen Sternen veredelte er seine meisterhaften Möbelstücke. Sowohl der Marburger Kunsthistoriker Albrecht Kippenberger als auch der Volkskundler und Architekt Karl Rumpf haben sich mit dem Leben und Werk des Friedensdorfer Schreinermeisters beschäftigt.

Aktuell begeistert sich Bianca Klein für Heck. Klein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Freilichtmuseums Hessenpark in Neu-Anspach. Die Einrichtung plant für kommendes Jahr eine neue Dauerausstellung über den Friedensdorfer, der zwischen 1785 und 1845 gelebt hat.

Klein zufolge war Heck ein ­regelrechtes Multitalent. „Er war Schreinermeister, Gemeinsmann, Kirchenältester und zeitweise Schulvorsteher“, berichtet die Wissenschaftlerin und wartet mit einer weiteren Besonderheit auf: „Johannes Heck war haupterwerbstätiger Schreinermeister mit Landwirtschaft im Nebenerwerb – eine Tatsache, die relativ ungewöhnlich für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts im Hessischen Hinterland war“, weiß Klein.

Haus wurde 1789 erbaut

Das Handwerk des Schreiners lag zudem in der Familie – wie wohl auch der Name Johannes: „Johannes Hecks Vater, Johann Ludwig Heck, der zwischen 1756 und 1831 gelebt hat, war Schreiner – aktenkundig nicht Schreinermeister – und dessen Großvater, ebenfalls mit Namen Johannes Heck, Schreinermeister“, erzählt Klein aus ihren Recherchen.

Die vermutet, dass der am Ausgang des 18. Jahrhunderts lebende Johannes Heck Zugang zur gehobenen Gesellschaft hatte. „Seine Mutter war nämlich eine Schultheißentochter aus Holzhausen am Hünstein, Catharina Weigand“, erzählt Klein.

Im Hessenpark ist für kommendes Jahr nun eine neue Dauerausstellung zu dem Friedensdorfer Schreinermeister geplant. Erbaut wurde das Haus 1789 in dem Dautphetaler Ortsteil; abgebaut 1979. Zwischen 1985 und 1987 wurde es in dem Freilichtmuseum originalgetreu wiedererrichtet.­ Besucher erhalten dort einen­ Einblick in das ehemalige Wohnstallhaus mit zwei Stockwerken, das am ursprünglichen Standort Teil einer dreiseitigen Hofanlage war.

Im Erdgeschoss befand sich ursprünglich der Stall des Hauses, unter der Stube lag der Vorratskeller. Auf der Hofseite wurden drei Fensterbrüstungen im oberen Stock mit zwei Andreaskreuzen und einer Raute geschmückt. „Typisch für das Hinterland sind die in Kratzputz ausgeführten Gefache der Eingangsseite und des Straßengiebels im oberen Stockwerk“, sagt Klein. Die originalen Gefache wurden zudem mit stilisierten Blumen sowie Vier- und Achtsternen und einem Sonnenrad verziert. In diesem Haus lebte­ Johannes Heck nicht nur, er ­
arbeitete auch dort: in der von seinem Vater eingerichteten Schreinerei.

Analoge und digitale Aufarbeitung in Planung

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Hessenparks, Bianca Klein, fragt nun: „Wer hat noch Heck-Möbel?“ Eben jenes „Haus Heck“ wird neu konzipiert. „Im Haus soll eine­ Dauerausstellung eingerichtet werden, die sozialhistorische Zusammenhänge zum Thema Arbeiten und Leben auf einem Dorf im Hessischen Hinterland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermitteln soll“, erklärt Klein die Pläne des Hessenparks.

Nun sucht die Wissenschaftlerin Objekte – Zinnreiter-Schränke und andere Heck-Möbel oder Vergleichbares hinsichtlich der Bearbeitungstechnik, Zeit und geografischen Raums –, die das Thema lebendig vermitteln sollen. Laut Klein soll dies unter anderem mittels neuer Medien- und Darstellungsformen geschehen. Denkbar ist etwa, dass die Besucher mittels Tablets in die Zeit des Zinnreiters eintauchen. Es sollen aber auch – ganz klassisch – Heck-Möbel ausgestellt werden.

Klein fragt nun: „Wer hat noch Heck-Möbel?“ Das Freilichtmuseum ist auf der Suche nach Personen und Interessierten, die dem Museum weiterhelfen können. „Wenn Sie also jemanden kennen, der eines der Möbel des ,Meisters mit den Zinnreitern‘ sein Eigen nennt, oder vielleicht selbst eines besitzen, melden Sie sich bei uns“, sagt Klein und ergänzt: „Wenn Sie im Besitz von Heck-Möbelstücken sind, sich aber nicht von ihnen trennen wollen, geben Sie uns bitte trotzdem Bescheid.“ Der Hessenpark sei auch auf der Suche nach Leihgaben oder kann Möbelstücke als Grundlage für eine Digitalisierung nutzen.

  • Kontakt: Bianca Klein ist montags bis donnerstags telefonisch zu erreichen unter der Nummer 06081/588-129, oder per E-Mail unter bianca.klein@­hessenpark.de

von Christian Röder

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