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Zwei Stiche mit dem Messer, vier Jahre in Haft

Aus dem Landgericht Zwei Stiche mit dem Messer, vier Jahre in Haft

Das emotionale Aufgeladensein sprach für den Angeklagten, eine Vielzahl an Vorstrafen und ­eine laufende Bewährung gegen ihn.

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Ein Justizvollzugsbeamter nimmt dem Angeklagten im Gerichtssaal die Handschellen ab.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Auf vier Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung lautet das Urteil des Marburger Landgerichts gegen den 32-Jährigen aus Aßlar, der im Februar in Buchenau mit einem Messer auf den geschiedenen Mann seiner Ex-Freundin eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzte.

Am letzten Verhandlungstag, Montag, verdeutlichte Rechtsmediziner Manfred Riße, wie gefährlich die Wunden waren. „Ohne den Einsatz des Notarztes wäre der Mann nach einigen Stunden gestorben.“ Beim Stich in die Brust, ein weiterer traf den Oberarm, wurde ein Lungenflügel getroffen.

Der Angeklagte schwieg bisher zu den Vorwürfen. In Telefonaten, die während seiner Flucht abgehört wurden, gab er jedoch zu, zugestochen zu haben, nachdem er mit einem Schlüssel in die Wohnung der Frau eindrang und das Paar leicht bekleidet vorfand. Einer weiteren Ex-Freundin gegenüber betonte er, sich mit dem Messer lediglich gewehrt zu haben. Das bekräftigte er nun, und sein Verteidiger, Bernd Weiß, plädierte auf Freispruch wegen Notwehr.

Sein Mandant sei in eine Falle gelockt worden, mutmaßte Weiß. Die Frau habe gewusst, wie er handelt, nachdem sie ihn für ein Treffen auf einen späteren Zeitpunkt vertröstete. Die Zeugen sagten dagegen aus, der geschiedene Mann sei spontan gekommen, um sich zu versöhnen. Mit dem Angeklagten hätten sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet.

Gericht glaubt die 
These einer Falle nicht

Die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Marco Herzog folgte aber der Auffassung von Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier. Die betonte, dass schon deshalb keine Notwehr vorliegen könne, da der rechtswidrige Angriff durch das unbefugte Betreten der Wohnung vom Angeklagten ausgegangen sei. Wenn ihn das spätere Opfer dann niedergerungen habe, „handelt es sich um erlaubte Nothilfe zugunsten der Frau“, so Brinkmeier.

„Die These mit der Falle kann die Kammer nicht nachvollziehen“, sagte Herzog in der ­Urteilsbegründung. Andernfalls hätten die Zeugen die Situation wesentlich mehr ausschmücken können. „Belastungstendenzen waren aber überhaupt nicht vorhanden“, so der Vorsitzende. Beim Strafmaß sei zu berücksichtigen, was für und gegen den Angeklagten spreche, betonte­ Herzog.

Außer, dass der Angeklagte emotional aufgeladen war, spreche eigentlich nichts für ihn. Gegen ihn dagegen eine Vielzahl von Vorstrafen und dass er die Tat während einer Bewährungszeit begang. Dass er nicht wegen versuchtem Totschlag verurteilt wurde, so Herzog weiter, habe der Angeklagte der Tatsache zu verdanken, dass er rechtzeitig aufhörte, „obwohl er die Gelegenheit hatte, noch einmal zuzustechen“.

Einen Freispruch gab es trotzdem noch, und zwar vom Vorwurf des Fahrens ohne Führerschein. Staatsanwältin Brinkmeier forderte insgesamt sechs Jahre Gefängnis bei Verwirklichung auch dieser Straftat. Wie der Angeklagte zum Tatort und wieder weggekommen sei, so Herzog, sei nicht festzustellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause

Einen Bericht zum vorausgegangenen Prozesstag lesen Sie hier.
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