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„Killerpilz“ lässt Nadelbäume sterben

Sphaeropsis sapinea „Killerpilz“ lässt Nadelbäume sterben

Ein kleiner Pilz richtet in unseren Wäldern großen Schaden an. Er zerstört viele Nadelbäume, und der Waldwirtschaft entstehen so zum Teil erhebliche Verluste.

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„Diplodia“ bedroht Kiefern und Douglasien. Besonders große Schäden gibt es in Wäldern zwischen Holzhausen und Hommertshausen.

Quelle: Heribert Theis

Holzhausen. Im Frühjahr erwachen die Bäume zu neuem­ Leben. Die kahlen Winterzweige der Laubbäume schmücken sich mit dem satten Grün der jungen Blätter. Etliche Kiefernbäume jedoch, die ihr Grün auch in der kalten Jahreszeit ­bewahrten, sind durch Pilzbefall immer mehr Krankheit 
oder Tod geweiht.

In den Waldflächen des Hinterlandes fallen immer häufiger braune Stellen auf, die sich schnell vermehren. Diese ­zeigen die abgestorbenen Kronen der heimischen Kiefer, insbesondere der Waldkiefer. Aber auch ­eine andere Nadelbaumart, die Douglasie, bleibt nicht verschont. Stark betroffen ist der Wald bei Holzhausen und Hommertshausen.

Ursache für das Baumsterben sei der Pilz „Diplodia“, ­ursprünglich beheimatet in ­mediterranen Ländern, wie ­Italien oder Spanien, erklärt ­Rüdiger Blome, Bereichsleiter Produktion des Forstamtes in Biedenkopf.

Der Pilzbefall an Kiefern und Douglasien sei seit dem Jahre 2008 auch in Hessen festzustellen. Laut Blome sind die Sporen Diplodias offenbar zusammen mit Importgütern aus mediterranen Ländern nach Hessen gekommen. Durch trockene Sommer vergangener Jahre und niederschlagsarme Perioden in ­Folge der Klimaveränderung finde der Pilz hier ­gute Lebensbedingungen, habe sich entwickelt und ausgebreitet. Gerade dann, wenn er auf ­geschwächte Bäume antreffe.

Die Sporen der Pilze setzen sich an die Triebspitzen der Bäume fest und zerstören diese. Deshalb zeigt sich die Braunfärbung zuerst an deren Kronen. Besonders gefährdet, so Blome, sind die Baumbestände an Süd- und Süd/West-Hängen, weil an diesen durch stärkere Sonnenbestrahlung auch höhere Temperaturen entstehen.

Koch: Privatwald bisher 
weitgehend verschont

„Beobachten, und wenn die Baumkrone zu 50 Prozent befallen ist, sollte geerntet werden“. wobei „Ernteentscheidungen auf die notwendigen Fälle beschränkt werden sollten“ nennt Blome die Möglichkeiten der Waldbauern. Denn: „Der Holzmarkt sollte nicht mit Kiefern überschwemmt werden.“ Das ginge zu Lasten der Erträge. Das Holz sei nach der Erkrankung des Baumes für die Möbelindustrie nicht mehr zu gebrauchen. Es sei nur noch als Industrieholz zur Herstellung von Spanplatten verwendbar.

Blome empfiehlt, mit Pflanzungen erst im Herbst zu beginnen, da es derzeit trotz einiger Regenfälle immer noch zu trocken sei. Ansonsten sei es kaum möglich dem Pilzbefall vorzubeugen. Wünschenswert wäre viel Regen und umfangreiche Schneeschmelzen nach Ende des Winters. Wichtig sei auch, so Blome, dass befallene Bäume nach dem Fällen schnell aus dem Wald entfernt würden, um dem Befall durch die ebenfalls gefürchteten Borken- und Bockkäfer vorzubeugen.

Klaus Uwe Koch, Kreisvorsitzender des Hessischen Waldbesitzerverbandes, zeigt sich noch nicht beunruhigt. „Der Privatwald ist bisher glücklicherweise weitgehend verschont geblieben“, meint er. Jedoch sieht er in den kommunalen und staatlichen Wäldern erhebliche Schäden durch den Pilz. „Das gibt insgesamt eine mittelgroße Katas­trophe in wirtschaftlicher Hinsicht“, befürchtet er.

Da das Holz nach dem Pilzbefall nur noch als minderwertigeres Material verwertbar ist, befürchtet Koch als Folge einen Preisverfall. Wie er weiter erklärt, sind Nadelbäume im Wald bei Holzhausen und Hommertshausen durch Diplodiabefall besonders stark betroffen.

Zahlen über Ausbreitung der Diplodia im hiesigen Raum sind nicht bekannt. Statistische Erhebungen, so der Verbandsvorsitzende, seien noch nicht erfolgt. Auch Koch sieht sich machtlos gegenüber dem Pilz. Bekämpft werden könne er nur mit Gift. Dies sei wegen der Gefährdung der Bevölkerung jedoch abzulehnen.

von Heribert Theis

 Sphaeropsis sapinea

Der Wärme liebende Pilz Sphaeropsis sapinea (Synonym: Diplodia pinea) verursacht seit Jahren verstärkt in Kiefernbeständen in Nord- und Nordostdeutschland ein Triebsterben an Koniferen. Begünstigt wird die Erkrankung durch Vitalitätsverluste oder Vorschädigungen wie Insektenfraß oder Hagelschlag an den Bäumen.

S. sapinea kann sowohl endophytisch, parasitisch als auch saprophytisch in Koniferen, hauptsächlich Kiefern, wachsen. In seiner parasitischen Lebensphase führt er zu Rindenschäden, Absterben und Verbraunen der Triebspitzen, Wipfeldürre und bei sehr starker Schädigung schließlich zum Sterben des Baumes. Größer noch als in Hessen sind die Schäden in den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Quelle: Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt

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